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Schlagwort: gedicht

Amanda Gorman – Die Stimme von 2021?

„That is the promise to glade, the hill we climb, if only we dare.“ – Worte von einer Zweiundzwanzigjährigen an den Präsidenten. An die Nation. Und allen voran an die Zukunft.

Wir leben in den goldenen Jahren des weltweiten Medienkonsums.
Doch tatsächlich entschied man sich, eine junge Frau ein selbstgeschriebenes Gedicht performen zu lassen. Mit Versen, in denen sie sich vor allem auf den Sturm des Kapitols am 6. Januars bezog: „Wir haben eine Kraft gesehen, die unsere Nation erschüttert“.

Amanda Gorman ist eine Schriftstellerin, die es geschafft hat, mit der puren Kraft von Worten alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wie konnte man auch bei der selbstbewussten Stimme und dieser starken Message weghören?

Sie ist zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester aufgewachsen. Im Alter von 16 Jahren erhielt sie ihren ersten Lyrikpreis. Man kann also sagen, dass sie tatsächlich weiß, was geschrieben und was gesagt werden muss. Sie ist ehrlich (in dem sie zum Beispiel in The Hill We Climb sagte: „a nation that isn’t broken but simply unfinished“. Sie ist ist direkt und zieht sich sogar selbst in den Text mit ein („skinny black girl“).

Ihr Mut, für ein ganzes Land zu sprechen – nein, sagen wir mal, für eines der einflussreichsten Länder der Welt – ist bewunderswert. Also keine wirkliche Überraschung, dass sie sich jetzt vor Verlagsanfragen kaum noch retten kann. Selbst ihr Twitteracount und ihr Instagram gewannen an Zuwachs. Und das nur, weil sie ehrlich war.

Am 07.02.2021 wird sie beim Super Bowl ein weiteres Gedicht performen und weltweit sind alle gespannt, was die junge Lyrikerin als nächstes vortragen wird. Lassen wir uns von ihrer Leidenschaft und ihrem Talent überraschen.

Eines ist sicher: Wenn sie es bei der Inauguration Joe Bidens geschafft hat, altmodisch mit Stift und Papier zu begeistern, wird sie es auch dieses Mal.

Text: Vanessa S.

Lektüre „Auerhaus“: Die Welt nimmt wieder Farbe an

Im Deutschunterricht haben wir vor kurzem angefangen, eine Lektüre zu lesen, doch bevor wir zum eigentlichen Lesen gekommen sind, hat uns die Lehrkraft eine Aufgabe gegeben: „Lest den Klappentext von Auerhaus und schreibt ein Gedicht über eure Erwartungen an das Buch.“ Ich habe lange überlegt, was denn nun meine Erwartungen sind, und nachdem ich mir den Klappentext einige Male angeschaut habe, entschied ich mich, ein Gedicht über Frieders Gedanken zu schreiben, einer der Hauptcharaktere des Buches, welcher nicht so recht weiß, wieso er noch leben sollte.

immer wieder erblicken wir die farben dieser welt,
erwartungsvoll auf das geschehen des neuen tages,
jeder versucht zwanghaft nach einem farbton zu greifen,
doch ich sehe mittlerweile alles schwarz-weiß auf diesem feld.

wieso wacht man jeden tag aufs neue auf,
wenn die blumen verwelkt, und die lichter kaputt sind?
wenn selbst die sonne ermüdet fortgeht.
was gibt es da draußen, was mich noch hält?

ich erinnere mich.

wenn die sonne langsam untergeht und man noch in der ferne die vögel singen hört,
die umarmung des wassers an einem warmen sommerabend,
duft von frischem brot der bäckerei,
der süße geschmack selbstgemachter marmelade.

und du.
die berührung deiner liebe die mein herz erwärmt.
die zärtlichen worte die deinem mund entweichen.
und den halt, den die arme meiner liebsten mir geben.
sie möchten, dass ich bleibe.

die welt nimmt langsam wieder farbe an.

Text von unserer Autorin Irina M.

Schuld sind nur die Lehrer

Gottfried August Bürger

Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen

(1773)

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebleut
Darf Klau’ und Rachen hau’n?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst,
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? –

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß und Hund und Du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg’ und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! –

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

In Anlehnung an Gottfried August Bürgers „Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen“  (1773) haben Schülerinnen und Schüler der  13. Klasse ihre eigenen Interpretationen des Gedichts verfasst. Natürlich überspitzt, übertrieben und dramatisch! Im Folgenden adressieren die Schüler ihre „durchlauchtigen Lehrer“:

Schüler der 13. Klasse

Die Schüler an ihre durchlauchtigen Lehrer

(2018)

Arbeiten sind schwer,

Noten oft unfair.

Schuld, Schuld sind die Lehrer.

Wir lernen angeblich für’s Leben,

aber Steuern und Versicherungen schweben –

irgendwo, nur nicht in meinem Kopf.

Gedichtanalysen, Integrale,

davon kann ich ein Lied singen –

aber das wird mir im Leben nichts bringen!

Kommen wir zu spät,

werden wir notiert.

Warum wird das nicht mal ignoriert?

Wir sind Menschen.

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Schüler der 13. Klasse (19.03.2018)

An unsere durchlauchtigen Lehrer

In Anlehnung an Gottfried August Bürgers „Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen“ haben Schülerinnen und Schüler der  13. Klasse ihre eigenen Interpretationen des Gedichts verfasst. Natürlich überspitzt, übertrieben und dramatisch! Im Folgenden adressieren die Schüler ihre „durchlauchtigen Lehrer“:

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Ihr seid die Lehrer,

die, die immer im Recht sind,

und so viel weiser als wir armen, einfältigen Schüler,

wie gut, dass ihr niemals in solcher Situation wart,

jedenfalls scheint ihr euch nicht mehr daran zu erinnern.

Dabei seid ihr es, die uns vorbereiten sollen,

vorbereiten auf das, was ihr bereits erlebt habt,

also warum sträubt ihr euch und ergötzt euch

lieber an unserem Unwissen und Hilflosigkeit,

stellt euch über uns und demonstriert eure Macht?

Ist das, was ihr euch vom Leben wünscht,

den Schwächeren zu „unterbuttern“,

weil man mit Gleichaltrigen nicht mithalten kann?

So wirkt ihr oft,

und in der Welle der wiederkehrenden Versagensängste

darf der Schüler sich an euren tragischen Lebensgeschichten weiden

und soll euch bemitleiden –

wie schwer ihr es doch hattet!

Aber dies ist nicht der Ort für Selbstmitleid,

dies ist euer Arbeitsplatz;

also, ich bitte euch inständig,

tut, wofür ihr bezahlt werdet.

Lehrt uns, um eine gebildete, neue Generation zu schaffen,

nicht, um uns zu zeigen,

wie dumm und ohne Zukunft wir doch sind!

Lehrt!

tut das, wofür ihr bezahlt werdet;

Und wenn ihr das nicht könnt, sucht euch einen anderen Job!

Anonymer Autor (19.03.2018)