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Monat: September 2022

Veganismus und Feminismus —Das sind doch zwei Paar Schuhe, oder?

»Oh nein, sie ist vegane Feministin! Da muss man ja nicht nur aufpassen, was man sagt, sondern auch, dass man ihr nichts Falsches auf den Teller legt. Wie vorsichtig sollen wir denn noch mit ihr umgehen?«

Das sind Worte, die nicht nur wehtun, sondern auch einen Schritt zurückgehen. Nein falsch, nicht nur einen.

Mehrere.

Unzählige.

Schritte, die uns dahin zurückbringen, wo wir angefangen haben. Als eine Folge der europäischen Aufklärung im späten achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert könnte man meinen, Feminismus wäre kein unberührtes Thema mehr. Klar, wir kennen sie alle. Die #metoo Bewegung vom Herbst zweitausendsiebzehn, den Gender-Pay-Gap (Differenzierung der Gehälter aufgrund des Geschlechts), bis hin zur »Neuen Frau« aus den 20er Jahren. Das Augenrollen und Aufseufzen (oder vielleicht auch Weiterscrollen) bei diesen Aussagen ist schon spürbar. Viele Menschen gehen dem Feminismus aus dem Weg. Oft, weil der traditionelle Weg viel bequemer ist. Und genau deswegen sollten wir noch viel mehr darüber sprechen.

Und ich persönlich lege noch eine Schippe drauf. Denn ich bin vegan – weil ich Feministin bin. Warum das kein Grund zum Weiterscrollen ist, und wieso beides sehr wohl ein Paar Schuhe ergibt, klären wir jetzt.

Veganismus und Feminismus gleicht einander mehr, als man denkt

Die Bestrebung des Veganismus kann man in zwei Punkten zusammenfassen: vermeiden, wofür gelitten wurde und eine Gleichheit schaffen. Diese Ernährungs- und Lebensweise, wie der Veganismus definiert wird, soll also das Machtverhältnis (der Mensch darf das Tier für seinen Genuss ausbeuten) nicht fördern. Ein ähnliches Machtverhältnis versucht der Feminismus zu umgehen. Hierbei achtet man aber auf die Geschlechter. Der Angelpunkt wäre von dem her, dass beispielsweise kein Mann in Bewerbungsgesprächen aufgrund seines Geschlechtes bevorzugt wird. Oder – noch klassischer – mehr verdient, obwohl Frau und Mann dieselben Arbeiten erfüllen.

Eine weitere Parallele ist zwischen den Abzweigungen der beiden „Ämter“ zu erkennen. Im Veganismus möchten die meisten vegan lebenden Menschen denjenigen, die keine Stimme haben, eine geben. Häufig sprechen sie sich (durch beispielsweise Demonstrationen oder durch das Entscheiden für vegane Produkte) für Tierrechte aus. Auch im Feminismus sieht man deutlich, dass die Gleichberechtigung vor allem denjenigen zu Gute kommt, die sonst keine Chance hätten, sich auszusprechen. Der Gender-Pay-Gap, der vielen ein Dorn im Auge ist, wird ebenfalls bei Demonstrationen oder politischen Entscheidungen diskutiert, um vor allem den Frauen die Chance zu geben, sich auszusprechen.

Nun sollte man aber auf keinen Fall denken, Frauen wären unmündig oder verhalten sich wie Tiere. Es geht eher darum, den unterdrückten Parteien Raum zu geben. Menschen, die sexuelle Gewalt erlebten, haben hautnah mitbekommen können, wie die Schärfung dieser Thematik von Jahr zu Jahr zugespitzt worden ist. Auf einmal tauchen mehr Berichte auf, die Strafen steigen, es wird deutlich sensibler damit umgegangen.

Die Milchindustrie – der Grund, wieso jede Feministin vegan sein sollte?

Wenn wir den Kühlschrank öffnen und die selbstverständliche Kuhmilch in den Händen halten, ist uns oft nicht bewusst, was genau wir da eigentlich in den Händen halten. Der ein oder andere würde jetzt die Augenbrauen hochziehen und sich denken: Na klar, weiß ich das! Kuhmilch! Ist doch offensichtlich? Ja, sehr offensichtlich. Aber ist es genauso offensichtlich zu sagen, dass das Eutersekret in deinem Glas das Produkt einer regelrechten Vergewaltigung ist?

Oder andersherum: wann sind Weibchen überhaupt in der Lage dazu, Milch zu geben? Richtig, wenn sie schwanger sind, beziehungsweise Nachwuchs bekommen. Also warten jetzt alle Kuhhalter, die mit der Milch ihre Brötchen verdienen wollen, bis die Kuh sich dazu entscheidet, sich zu paaren? Nö. Die Vergewaltigung ist geplant, einfach und Erfolg versprechend. Die Kuh bekommt nach ungefähr zweihundertachtzig Tagen ein kleines Kälbchen, das sehnsüchtig auf die Milch wartet, um groß und stark zu werden. Was passiert stattdessen? Das Kälbchen wird der Kuh nach der Geburt weggenommen, ein Bulle geschlachtet und ein Weibchen zur Milchkuh herangezüchtet. Und hat die Kuh das Procedere oft genug durchlaufen und ist nicht mehr trächtig zu bekommen, wird sie ein Stück Fleisch auf der nächsten Mittagssemmel. Wunderbar.

Jede Mutter wird mit dem Kopf nicken, dass das ein Alptraum wäre. Vergewaltigung – was ein unglaublich sensibles Thema ist – und dann auch noch das Kind wegnehmen? Niemals. Nicht mit mir? Aber wie willst du dich wehren, wenn du angekettet mit vielen anderen in einem Stall lebst, wo du auf deine eigenen Beine urinierst und wahrscheinlich keinen Platz hast, um dir dieselben Beine zu vertreten (und auch Bio-Milch ist mit den glücklichen Kühen und deren zwei mehr Zentimetern Gras nicht besser!)? Feminismus – die Bewegung der Gleichberechtigung – spricht sich klar gegen solche moralisch verwerflichen Methoden aus. Da kann man doch gleich sagen, dass jede*r Veganer*in gleichzeitig Feminist*in ist?

Wie wirkt das auf Dich: gruselig, übertrieben oder wie der blanke Horror? Ja, dann willkommen in der Realität. Die Realität ist im Veganismus genauso erschreckend wie im Feminismus. Beides scheint ja so verrückt und abnormal, doch sobald man hinter die Kulissen linst, schauen die einen weg, die anderen schlagen die Hand vor den Mund und der Rest zeigt keinerlei Reaktion. Aber egal, wie sehr man versucht, nicht wie ein Moralapostel vor der Türe zu stehen und so lange mit seinen Argumenten zu klingeln, bis das Unwetter einen vertreibt – viele Menschen ändern ihre Meinungen nicht.

Um es zusammenzufassen: es lohnt sich nochmals – vor allem, wenn einem die Gerechtigkeit sehr wichtig ist – hinter den wortwörtlichen Tellerrand zu schauen. Nicht jeder muss von heute auf morgen vegan werden oder auf sonstige Demonstrationen marschieren. Sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, oder klar gegen oder für sie zu sprechen reicht schon. Denn wenn Deine Stimme nicht zählen würde – würdest Du Dir nicht auch jemanden wünschen, der für Dich spricht?

Kommentar von Vanessa S.

Die 11. Klasse an der FOS – Alptraum oder leicht überwindbar? | Tipps & Erfahrungen

Mit dem elften Schuljahr ist es wie mit allen anderen Schuljahren: entweder man rennt und rennt und rutscht an einer Kante aus oder rennt und rennt und schafft es bis ans Ziel. Kurz gesagt: Es kommt auf die individuelle Lernerin oder den individuellen Schüler an. Ich selbst beginne jetzt mein drittes Jahr an der FOS Friedberg und habe die angsteinflößende elfte Klasse hinter mir. Viele neue Schüler haben sicherlich Angst, Panik oder beides, und ich kann denjenigen unter euch sagen: es ist definitiv zu bewältigen. Wer aber trotzdem noch schlottrige Knie hat, dem kann ich vielleicht mit meinen Erfahrungen & Tipps etwas aushelfen.

Worauf kommt’s an? Meine Tipps für den Unterricht & Leistungsabfragen:

Tipp 1: Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass viele Lehrer*innen die elfte Klasse aufgrund des Praktikums nicht wirklich favorisieren und das hat einen spezifischen Grund: Sie brauchen Noten von euch. Wenn es euch wie mir geht, wird es am Anfang relativ entspannt sein. Aber schon in der dritten Schulwoche werdet ihr spüren, dass Lehrer*innen Notizen machen, vielleicht sogar schon ausfragen (war bei mir in Englisch der Fall).

Deswegen lautet mein Tipp: Seid vorbereitet und macht unbedingt mit! Mitarbeit ist das A und O, wenn ihr nur jede zweite Schulwoche im Haus seid. Nur so könnt ihr euch sicher sein, ein gutes Polster zu haben, wenn die SA (Schulaufgaben) oder KA (Kurzarbeiten) nicht so laufen, wie ihr geplant habt.

Tipp 2: Wo wir auch schon zum nächsten Tipp kommen: die Leistungsabfragen. Es ist zum Zähneknirschen, und nein, da kommt niemand drum herum. Und wenn ihr denkt, dass krank sein (also ich meine wirklich „Blaumachen“) eure Lösung sein wird: falsch gedacht. Ihr müsst nicht nur Samstag um neun Uhr in die Schule (!), sondern habt wahrscheinlich auch Pech, denn die Nachholschulaufgaben enthalten meist auch schwierigere Aufgaben, die die Lehrer*innen euch zuliebe zunächst weggelassen haben.

Außerdem, lernt bereits in der Praktikumswoche, wenn ihr Zeit habt und wisst, dass ihr die kommende Woche etwas schreibt. So ekelhaft die Vorstellung auch ist, um siebzehn Uhr nachhause zu kommen und auch noch zu lernen – versucht es. Denn die Lehrer, die ihr am Freitag habt, setzten voraus, dass ihr den Stoff am Montag nach der Praktikumswoche noch im Kopf habt (In diesem Fall: Hello, Exen und Abfragen!). Solange ihr die Einträge und Aufgaben gut hinbekommt, lernt und vernünftig im Unterricht mitmacht, gibt es wenig, was euch an einer guten Noten hindert. Bonustipp: Nutzt die Zeit während des Unterrichts sinnvoll.

Wie bekomme ich eine gute Bewertung? Meine Tipps für die Praktika:

Tipp Eins: Wie schön dieses Gefühl doch ist, in einen fremden Betrieb zu gehen, ohne zu wissen, was man machen soll und (wie in meinem Fall) auch noch angemault zu werden. Nein, so schlimm ist es tatsächlich nicht. Und selbst wenn, habt ihr eure Fachbetreuer, die einspringen, sobald es im Praktikum in irgendeiner Weise Probleme gibt. Wichtig ist es, höflich, zuverlässig, respektvoll und interessiert zu sein. Wenn ihr das macht, kann vorerst nichts passieren.

Einen Tipp, den ich sehr gerne gehabt hätte, ist es, viel Eigeninitiative zu zeigen. Ob im Kindergarten, Altenheim oder in der Grundschule: Zeigt Eigeninitiative und werdet dem Ruf eines/einer FOS Praktikanten*in gerecht. Ihr müsst es nicht übertreiben, aber hin und wieder Ideen zur Gestaltung beispielsweise oder von selbst die Blumen gießen – jede Kleinigkeit von euch wird gern gesehen. Gerade in Betrieben, die Praktikant*innen wertschätzen.

Tipp Zwei: Umsetzung! Ihr werdet zwei Gespräche jedes Halbjahr haben, in denen eure Leistung bewertet wird. Hört im ersten Gespräch ganz genau zu, was kritisiert und gelobt wird und fragt nach, wenn etwas unklar ist. Sagt eure*r Anleiter*in, dass ihr nicht immer hundertprozentig interessiert seid, aber trotzdem stets pünktlich. Behaltet die guten Punkte im Auge und überlegt (gemeinsam), wie ihr verschiedene Probleme ausmerzt. Setzt alles um, was die Anleiter*innen gerne sehen würden – wobei es meist darum geht, dass ihr als Person wachst, nicht, dass der Betrieb besser läuft.

Tipp 3: Wenn ihr im zweiten Halbjahr in eine neue Praktikumsstelle wechselt, nachdem ihr die Probezeit bestanden habt, gibt es einen weiteren Punkt zu beachten, der mir sehr geholfen hat. Differenziert zwischen den Praktika! Ihr seid im ersten Praktikum sehr schüchtern gewesen, weil ihr vielleicht auch nicht mit den Kolleg*innen klargekommen seid? Der Februar birgt eine neue Chance! Jetzt könnt ihr zeigen, was in euch steckt. Auch, wenn das Praktikum mal nicht so gut läuft (oder der Betrieb im zweiten Halbjahr deutlich schwieriger ist als im ersten), haltet euch vor Augen, dass die Zeit schneller verfliegt, als ihr denkt. Seid weiterhin höflich und respektvoll, habt die Regeln und Vorgaben im Hinterkopf und… Schwupps! Schon ist die Zeit vorbei!

Die Portfolios!

Tipp Eins: Nichts schien meinen Klassenkameraden stressiger als die heißbegehrten Portfolios, während ich mich entspannt zurückgelehnt hatte und wusste, dass es auch anders sein kann. Ich würde euch nie empfehlen, die Portfolios Sonntagnacht um 22 Uhr zu machen und nebenbei ein Spiel zu zocken (nicht meine eigene Erfahrung). Ich habe mein erstes Portfolio schon in der ersten Woche angefangen und die passenden Themen aus den Themenpool (Ihr werdet eine Auswahl an Themen bekommen, aus denen ihr wählen dürft) ausgewählt. Ich habe mich immer ein bisschen hingesetzt und geschrieben, manchmal auch in den Mittagspausen (nutzt die Zeit nicht, um auf Instagram rumzuhängen, dafür habt ihr dann Sonntagnacht Zeit!). Fangt früh an, notiert euch eure Arbeitsabläufe im gelben Heft (das ist grob gesagt ein Nachweis, dass ihr im Praktikum gearbeitet habt, aber das wird euch noch erklärt) und ihr werden keinen Stress haben.

Tipp Zwei: Auch für diejenigen unter euch, die denken, sie könnten nicht schreiben (doch, könnt ihr!), ihr könnt zumindest ehrlich sein. Schreibt eure wirklichen Erfahrungen, eure echten Erlebnisse auf und zeigt deutlich, wie das Praktikum euch formt, denn das tut es in den meisten Fällen. Habt auf keinen Fall Angst, zuzugeben, wie ihr das Praktikum findet (Ich muss an meine ersten beiden Portfolios denken, in denen ich eigentlich hundertprozentig ehrlich meinte: Hey, nö, dieser Beruf wird’s sicher nicht). Niemand wird euch für eure Wahrheit den Kopf abhacken. Kein*e Betreuungslehrer*in wird euch nach dem Unterricht da behalten und nörgeln, dass das Portfolio den Betrieb schlecht darstellt. Habt keine Angst davor, wirklich. Ich würde behaupten, ich habe das kryptischste Portfolio überhaupt abgegeben und ich lebe noch!

Allgemeine Tipps – Was man vermeiden sollte:

Tipp Eins: Macht nicht zu oft krank, das bringt euch nichts (Sowohl im Praktikum als auch in der Schule). Im schlimmsten Fall müsst ihr samstags rein oder in den Ferien in euren Betrieb.

Tipp Zwei: Nutzt die Pausen aus, um weiterzuarbeiten, wenn ihr nicht total erschöpft seid und die Pausen braucht, um zu quatschen.

Tipp Drei: Seid vorbereitet und wiederholt in der Praktikumswoche den Schulstoff, so unerträglich es sein sollte.

Tipp Vier: Wenn ihr die Probezeit nicht bestehen solltet, macht euch einen Plan B, C oder vielleicht sogar D.

Tipp Fünf: Bleibt auf dem sicheren Pfad, lauft die Extrameile, aber nehmt keine Abkürzungen – und zwar in jeglicher Form. Riskant zu sein, kann euch im schlimmsten Fall eine Menge kosten.

Meine Erfahrungen:

Um euch die Angst zu nehmen: es ist kein Alptraum, wenn ihr euch an die Tipps haltet. Ihr werdet auch schnell merken, dass die elfte Klasse gegen Ende echt locker sein kann (seid trotzdem nicht zu locker, es ist trotzdem noch Schule!). Lasst euch auch nicht davon abbringen, wenn die Probezeit näher rückt, und ihr entweder die leeren Stühle seht oder selbst gehen müsst, es gibt weit mehr Wege als nur das Abitur.

Ich wünsche euch das Allerbeste und jede Menge Durchhaltevermögen!

Text: Vanessa S.

Herrgottsruh ruft zum Gebet!

Freitag, 11 Uhr morgens.

Die Glocken der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg rufen zum Gebet. Genauer, zum Gottesdienst oder einfacher, zur Feier des Beginns des neuen Schuljahres.

Die Begrüßung fand durch den örtlichen Pfarrer, sowie eine Lehrkraft der FOS/BOS Friedberg statt. Das Thema der Predigt: Ein Labyrinth, welches für die Irrwege des Lebens, vor allem aber für den schwierigen Verlauf des Schuljahres steht. Weitere Symbole sind ein Blumenstrauß, für alles „Gute“, das im vorherigen Schuljahr „über uns hereinbrach“, eine Augenbinde, die für Ängste und Sorgen des neuen Schuljahres steht, ein Handy (für den Kontakt zu alten Freunden)…

Lehrer (am Rednerpult): Ein Handy!

Lehrkraft (flüsternd, fragend): Ein Handy?

Lehrer (am Rednerpult): Ein Handy!

… Und einige andere symbolische Gegenstände. Der Gottesdienst wurde musikalisch von der Fachschaft Musik begleitet, welche die Lieder exzellent vertonte. Ein erhebendes Erlebnis, nicht nur für den Geist, sondern auch die Ohren. Frau Scroggie, unsere Schulleiterin, eine Frau mit besonderer Stimme, verlieh mit einer Kollegin zusammen der Feier Tiefe und Wohlklang.

Einen herzlichen Dank daher an Frau Scroggie und die Fachschaft Musik!

Leider waren nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler anwesend. Gerade mal 20 bis 30 habe ich gezählt. Deutlich weniger als in den letzten Jahren, wie ich erfuhr. Dafür aber umso mehr Lehrerinnen und Lehrer. Die Fürbitten handelten vor allem davon Gottes Beistand für das kommende Schuljahr zu erbeten, aber auch seinen Beistand für jene, die nicht mehr unter uns weilen. Die Gestaltung, sowie die vorgebrachten Gedanken während des Gottesdienstes waren für mich sehr ansprechend und verliehen einen positiven Blick auf das kommende Schuljahr.

Text: Gabriel T.

Woher kommst du? – Ich komme von hier!

Als unsere Autoren Gabriel und Vanessa im Juni 2022 am Schülerzeitungskongress in Berlin teilnahmen, konnten sie auch Kontakte zu anderen Schülerzeitungsredaktionen knüpfen. Im Folgenden möchten wir unseren Leserinnen und Lesern einen Kommentar des Autoren Philipp Zschau von der Schülerzeitung „script“ des Gymnasiums Renningen aus Baden-Württemberg vorstellen. Eine Sonderausgabe der Redaktion zum Thema „Rassismus“ war beim Schülerzeitungswettbewerb der Länder ausgezeichnet worden.

Ein Portrait über die vermutlich unverschämteste Frage der Welt

Woher kommst du?  Diese vermeintlich einfache Frage hat enorme Sprengkraft – doch warum wird diese Frage überhaupt gestellt und warum begreifen häufig „weiße, westeuropäische“ Menschen es nicht, dass es kein legitimes Motiv gibt, um diese Frage zu stellen? Viele Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund können ein Lied von ihrem Leid mit der „Woher-Frage“ singen und gehen dennoch völlig verschieden damit um. Journalistin Vanessa Vu, die mit Ihrer Migrationserfahrung viele negative Ereignisse verbindet, spricht mit wildfremden Personen verständlicherweise nur ungern darüber. Rechtfertigungen und Entschuldigungen, dass man ja nur „neugierig“ sei, akzeptiert sie nicht. Es interessiert Sie nicht, wie die Frage gemeint ist. Es kommt darauf an, wie sie ankommt. Wissenschaftsjournalistin Mai Thi-Nguyen-Kim geht an die Sache völlig anders heran und sieht es als Ihren Bildungsauftrag an, darüber aufzuklären und akzeptiert dabei auch das Motiv der Neugier. So verschieden der Umgang der beiden Deutschen mit dem Problem auch ist, ist es noch immer die Frage selbst, die nicht nach Antworten sucht, sondern diese schon vorgibt. Wie sollen wir als Gesellschaft damit umgehen und was sollte dabei jeder einzelne von uns beachten?

Wir schrieben das Jahr 2019. Hier finden wir den Auslöser für die womöglich größte Debatte über Rassismus und Stigmatisierung seit Erfindung des Internets. Ihren Auslöser hatte die sogenannte „#vonhier“-Debatte in der RTL-Fernsehsendung „Das Supertalent“. Die Szene in dieser Sendung, in der Dieter Bohlen mithilfe der „Woher-Frage“ ein Mädchen, das aus Herne in Nordrhein-Westfalen kommt, beinahe versehentlich über die Einwanderungsgeschichte Ihrer Ur-Großeltern ausfragt, ist ein Paradebeispiel für die ungestillte, gar unverschämte Neugier, mit der Menschen diese Frage stellen und überhaupt nicht merken, was sie da eigentlich anrichten. Dieter Bohlen fragte zunächst, woher das Mädchen komme, welches antwortete, dass sie eine Hernerin sei. Auf die folgende Frage, woher Ihre Mutter komme, antwortete Sie erneut, dass auch die Mutter eine Hernerin sei. Dieter Bohlen ließ nicht locker und fragte erneut, woher sie komme, doch er erhielt nicht die Antwort, die seine Neugier gestillt hätte. Doch statt dies zu akzeptieren, hatte er erneut die „Woher-Frage“ gestellt, jedoch diesmal an die Mutter, wobei dann herauskam, dass die Familie thailändische Wurzeln hat.

Dass hier etwas gewaltig schief gelaufen ist, ist offenbar, doch ich bin überzeugt, dass das jedem „weißen, westeuropäischen Menschen“ hätte passieren können, da diese Menschen oft gar nicht wissen, wie es sich anfühlt, dieser Frage ausgesetzt zu sein. Ein anschauliches Beispiel, das eben diese weißen Personen, die dieses Gefühl nicht kennen können, versucht zu erklären, wie es sich anfühlt, dieser Frage ausgesetzt zu sein, kommt von Wissenschaftsjournalistin Mai Thi-Nguyen-Kim: „Das ist ungefähr so, als wärst du im Fußballstadion und alle um dich herum haben das Mannschaftstrikot an, nur du nicht. Dabei bist du im Herzen ein genauso großer „Die-Hard-Fan“ von dieser Mannschaft, doch alles, was die anderen sehen ist, dass du kein Trikot anhast.“ Wozu das führt hat Vanessa Vu beschrieben als unzählige Nadelstiche, für die sich niemand bei Ihr entschuldige, sondern sogar noch über Sie beschwere, wenn Sie das nicht hinnehmen möchte.

Was sich seit dieser „#vonhier“-Debatte verändert hat, ist leider noch immer sehr überschaubar. Rassismus und Diskriminierung sind noch immer Teil des Alltags von Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund. Noch immer gibt es Menschen, die selbst nach freundlichen Hinweisen nicht damit leben können, dass die Frage nach der Herkunft eine persönliche und intime Frage ist, die sich nicht eignet, um ein belangloses Small-Talk-Gespräch zu führen. So lange das nicht nur nicht verstanden wird, sondern noch immer geleugnet wird und es noch immer die Spezies der „Nein, ich meine: wo kommst du WIRKLICH her?“-Fragenden gibt, ist an ein Ende dieser alltäglichen, rassistischen und diskriminierenden Frage nicht zu denken. Was jeder einzelne gegen diesen gesellschaftlichen Laster tun kann, ist eigentlich simpel und einfach, denn diese Frage, die nicht selten der wundeste Punkt eines Menschen ist, einfach auszusparen, sollte für niemanden eine Herausforderung sein. Wir müssen uns mit den Konsequenzen, die unser Handeln und Tun hat, auseinandersetzen, statt uns in Ausreden und Ignoranz zu flüchten. Nun liegt es an uns allen, das auch umzusetzen und uns dabei gegenseitig die Augen zu öffnen.

Deshalb ist es nur richtig und wichtig, wenn jeder in Zukunft dreimal überlegt, ob man nicht die Gefühle anderer Menschen verletzt, bevor man eine derartig persönliche und intime Frage stellt, wie die Frage nach der Herkunft und oft sogar der der Vorfahren.

Text: Philipp Zschau (leicht bearbeitet)