Leistungsnachweise müssen nicht immer aus Schulaufgaben und Kurzarbeiten bestehen. In vielen Fächern werden inzwischen Podcasts, Erklärvideos, Referate oder Portfolios als Alternativen eingesetzt.
Empfinden Schülerinnen und Schüler diese Form der Leistungsbewertung als fairer und einfacher oder eher als zusätzliche Belastung? Und wie bewerten eigentlich Lehrkräfte diese Entwicklung?
Viele der befragten Schülerinnen und Schüler stehen den alternativen Leistungs-nachweisen grundsätzlich positiv gegenüber. Besonders geschätzt wird, dass Formate wie Präsentationen, Podcasts oder Portfolios mehr Raum für eigene Ideen lassen und dadurch abwechslungsreicher sind als klassische Schulaufgaben. Einige berichteten zudem, dass diese Form der Leistungsbewertung weniger stressig sein kann, da nicht ausschließlich unter Zeitdruck gelernt und abgefragt wird und man seine Kreativität besser ausleben kann. Gleichzeitig wurde deutlich, dass alternative Leistungsnachweise nur dann als entlastend empfunden werden, wenn sie gut verteilt sind. Häufen sich Projekte, Referate und Präsentationen in mehreren Fächern und kommen zusätzlich Schulaufgaben hinzu, steigt der Stress deutlich an. Kritisch angemerkt wurde außerdem, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler unter denselben Voraussetzungen arbeiten. Besonders sichere Vortragende hätten teilweise Vorteile, während andere mehr Überwindung benötigten. Trotzdem wurde die Bewertung der verschiedenen Projekte zum Großteil als fair und transparent wahrgenommen, da hierbei mit Protokollen gearbeitet wird, die von den Schülern selbst ausgefüllt werden.
Auch aus Sicht der Lehrkräfte gewinnen alternative Leistungsnachweise zunehmend an Bedeutung. Zwei befragte Lehrerinnen erklärten, dass solche Formate nicht nur für mehr Abwechslung sorgen, sondern auch vom Kultus-ministerium unterstützt werden. Neben klassischen Schulaufgaben sollen daher bewusst kreativere Leistungsnachweise eingesetzt werden. Ein weiterer befragter Lehrer betonte, dass alternative Leistungsnachweise immer aktueller würden und einen klaren Vorteil gegenüber klassischen Kurzarbeiten hätten. Statt einer einmaligen Leistungssituation erhielten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema auseinanderzusetzen und ihre Ergebnisse anschließend zu präsentieren. Dadurch rücke das reine Auswendig-lernen stärker in den Hintergrund. Zudem sehe er in Gruppenprojekten eine sinnvolle Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt, in der Teamarbeit eine wichtige Rolle spiele. Gleichzeitig verwies er aber auf Schwierigkeiten bei der Bewertung. Besonders bei Gruppenarbeiten sei es herausfordernd, die individuelle Leistung einzelner Schülerinnen und Schüler objektiv zu erfassen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Noten teilweise besser ausfielen, als es dem tatsächlichen Wissens-stand entspreche. Klassische Schulaufgaben und Kurzarbeiten würden seiner Ansicht nach das eigenständige Verständnis deutlicher widerspiegeln, da dort beispielsweise diskussionsorientierte Fragestellungen das tatsächliche Verstehen sichtbar machten. Auch eine weitere Lehrerin äußerte sich eher kritisch. Am Beispiel des Deutschunterrichts erklärte sie, dass bei Gruppenarbeiten zu literarischen Epochen einzelne Themen sehr vertieft behandelt würden, während andere Bereiche weniger Beachtung fänden. So könne es vorkommen, dass Schülerinnen und Schüler in einem bestimmten Teilgebiet über detailliertes Wissen verfügten, jedoch kein gleichmäßig ausgeprägtes Gesamtverständnis besäßen. Zudem entstehe teilweise ein unverhältnismäßig großer Arbeitsaufwand für kleinere Themenbereiche, was die Leistungsbewertung verzerren könne. Ähnlich wie der zuvor befragte Lehrer sieht sie die Gefahr, dass Noten in solchen Formaten tendenziell besser ausfallen und damit nicht immer das tatsächliche Leistungs- niveau widerspiegeln. Insgesamt steht sie klassischen Leistungsnachweisen daher eher positiver gegenüber, auch wenn sie einräumt, dass kreative Formate in der Korrektur mitunter angenehmer seien. Alternative Formate wie Portfolios, Präsentationen oder Podcasts ermöglichen es aber, sich intensiver mit Themen auseinanderzusetzen, anstatt sie nur kurzfristig auswendig zu lernen. Gleichzeitig erfordert ihre Bewertung klare Kriterien und Transparenz. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, da es nicht immer eindeutig ist, wie Eigenleistung und KI-Unterstützung voneinander zu unterscheiden sind und wie sich die Gruppen- und die Einzelleistung der Schülerinnen und Schüler voneinander abgrenzen lassen. Der zusätzliche Aufwand für Lehrkräfte liegt vor allem im organisatorischen Bereich, etwa bei der Archivierung oder dem Datenschutz. Die eigentliche Bewertung wird hingegen nicht unbedingt als aufwendiger empfunden. Im Gegenteil: Beide Lehrerinnen beschrieben es als angenehm und abwechslungsreich, auch kreative Arbeiten zu bewerten, anstatt ausschließlich ähnliche Schulaufgaben zu korrigieren. Mit Blick auf die Zukunft gehen sie davon aus, dass alternative Leistungsnachweise weiter an Bedeutung gewinnen werden. Gerade im Zusammenhang mit KI sei es notwendig, Prüfungsformate weiterzuentwickeln und an den aktuellen Zeitgeist anzupassen, ohne dabei das Leistungsniveau zu senken.
Text: Melek A.
