„Schule als Ort des sozialen Miteinanders und Schutzraum“: Interview mit unserem neuen stellvertretenden Schulleiter Jakob Scholze

In diesem Schuljahr hat unsere Schule, die FOSBOS Friedberg, einen neuen stellvertretenden Schulleiter bekommen: Herrn Jakob Scholze.

Für unsere Schülerzeitung „Friedo“ habe ich mit ihm über seinen beruflichen Werdegang, seine Ziele an unserer Schule und seine Sicht auf „die Schule der Zukunft“ gesprochen.

Foto: Melek A.

Friedo: Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen und uns etwas über Ihren bisherigen beruflichen Werdegang erzählen?

Scholze: Mein Name ist Jakob Scholze. Ich bin verheiratet und habe drei wunderbare Kinder. Die letzten Jahre waren beruflich sehr abwechslungsreich: Ich habe in Bamberg studiert und anschließend an der FOSBOS in Hof gearbeitet. Danach war ich mehrere Jahre an einer Berufs- und Berufsfachschule für Kinderpflege und Sozialpflege tätig. Dort durfte ich bereits an Schulentwicklungsprozessen mitwirken und die Schulleitung unterstützen. Anschließend bekam ich die Möglichkeit, im Kultusministerium zu arbeiten. Dort war ich fünf Jahre lang in der beruflichen Abteilung tätig und konnte viele Einblicke in die Organisation und Verwaltung beruflicher Schulen in Bayern gewinnen. Dies war auch sehr spannend, da man dort mal die andere Perspektive gesehen hat.

Friedo: Was genau haben Sie im Kultusministerium gemacht?

Scholze: Die Berufliche Abteilung im Kultusministerium ist für alle Beruflichen Schulen und deren Lehrkräfte in Bayern zuständig. Das umfasst über 1.500 Schulen und rund 400.000 Schülerinnen und Schüler. Ich habe dort mit dem Abteilungsleiter zusammengearbeitet und mich unter anderem mit Statistik, organisatorischen Fragen sowie der Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz beschäftigt. Die Arbeit war sehr abwechslungsreich, weil täglich neue Themen und Herausforderungen dazukamen.

Friedo: Welche Fächer unterrichten Sie aktuell, beziehungsweise haben Sie zuvor unterrichtet?

Scholze: Aktuell unterrichte ich Kommunikation und Interaktion (KUI) und in den nächsten Schuljahren Pädagogik und Psychologie – „PäPsy“. In der Vergangenheit habe ich auch Pädagogik und Psychologie und Deutsch unterrichtet. Besonders an den Berufsfachschulen war ich viel im fachlichen Unterricht der Kinderpflege und Sozialpflege tätig. In Bamberg habe ich also Sozialpädagogik und Deutsch studiert.

Friedo: Was hat Sie dazu motiviert, die Position als stellvertretender Schulleiter an unserer Schule zu übernehmen und konnten Sie sich die Schulen aussuchen?

Scholze: Schon vor meiner Zeit im Ministerium habe ich gemerkt, dass mir neben dem Unterrichten auch organisatorische und leitende Aufgaben Spaß machen. Die Kombination aus Unterricht und Verantwortung finde ich sehr spannend. Nach meiner Zeit im Ministerium wollte ich gerne wieder an eine Schule zurückkehren. Diese Schulen sind jedoch ausgeschrieben und man muss sich für sie bewerben. Unsere Schule hat mich dabei besonders angesprochen, sowohl durch die offene Atmosphäre, das Kollegium als auch durch die Gespräche mit der Schulleiterin. Außerdem ist die Schule für mich auch örtlich gut erreichbar, da ich in Aichach wohne.

Friedo: Wie waren Ihre ersten Eindrücke von unserer Schule?

Scholze: Ich habe die Schule von Anfang an als einen Ort wahrgenommen, an dem Menschen offen und freundlich miteinander umgehen. Das habe ich sowohl bei den Lehrkräften als auch bei den Schülerinnen und Schülern erlebt. Natürlich kenne ich nach den ersten Wochen noch nicht alles, aber mein erster Eindruck war sehr positiv.

Friedo: Wie definieren Sie Ihre Rolle als Konrektor im Schulalltag?

Scholze: Im Moment ist mein wichtigstes Ziel zunächst, die Schule, die Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium kennenzulernen. Erst wenn man versteht, wie Prozesse funktionieren, kann man sinnvoll einschätzen, wo und wie man sich gut einbringen kann.
Grundsätzlich ist mir wichtig, dass Schule ein Ort des sozialen Miteinanders ist, ein Schutzraum, in dem man Fehler machen darf, kann und soll und in dem Schülerinnen und Schüler nicht nur als Gruppe, sondern auch als einzelne Persönlichkeiten wahrgenommen werden.

Friedo: Welche Rolle spielt Digitalisierung, insbesondere Künstliche Intelligenz, Ihrer Meinung nach im Schulalltag?

Scholze: Digitalisierung entwickelt sich unglaublich schnell und Schule muss Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, damit umgehen zu können. Digitale Werkzeuge können viele Dinge erleichtern, beispielsweise Kommunikation oder individuelles Lernen.
Auch KI kann dabei sehr hilfreich sein. Besonders im Bereich individuelles Feedback bietet sie große Möglichkeiten. Schülerinnen und Schüler können Unterstützung bekommen, die Lehrkräfte zeitlich oft gar nicht in diesem Umfang leisten könnten. Trotzdem ist wichtig, KI mit Augenmaß zu nutzen. Man darf sich nicht komplett auf sie verlassen. Erst wenn Grundlagen verstanden wurden, sollte KI unterstützend eingesetzt werden.

Friedo: Glauben Sie, dass die KI Lehrkräfte irgendwann ersetzen könnte?

Scholze: Nein, das glaube ich nicht. Lehrkräfte werden weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Was sich verändern wird, ist vermutlich die Art des Unterrichtens. Lehrkräfte könnten künftig noch stärker als „Lernbegleiter“, beziehungsweise als eine Art Coach arbeiten. Schule bleibt aber immer auch ein sozialer Ort, an dem Menschen miteinander lernen und sich begegnen. Es braucht immer einen Lehrer und es braucht immer einen Schüler.

Friedo: Was ist Ihnen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern besonders wichtig?

Scholze: Respekt und Empathie sind für mich die Grundlage jeder guten Zusammenarbeit mit jedem Menschen. Egal, ob Schulleitung, Lehrkraft oder Schülerin, beziehungsweise Schüler. Am Ende sind wir alle Menschen, die miteinander umgehen. Mir ist wichtig, dass man offen, respektvoll und menschlich miteinander spricht.

Friedo: Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für Schulen in den kommenden Jahren?

Scholze: Ich finde, Schulentwicklung sollte immer auf Reflexion und Feedback beruhen. Es ist wichtig, allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, ihre Sichtweisen und Meinungen einzubringen. Außerdem denke ich, dass unser Schulsystem in Bayern viele Chancen bietet, weil verschiedene Bildungswege möglich sind und Entscheidungen nicht endgültig nach der Grundschule festgelegt werden.

Friedo: Was verstehen Sie persönlich unter einer „Schule der Zukunft“?

Scholze: Für mich steht bei der Schule der Zukunft vor allem die Kompetenzvermittlung im Mittelpunkt. Wissen verändert sich heute sehr schnell. Deshalb wird es immer wichtiger, Kompetenzen zu entwickeln, zum Beispiel kritisch zu denken, Informationen zu bewerten, Probleme zu lösen und mit anderen zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig sollte Schule immer auch ein Ort der Wertevermittlung bleiben. Demokratie, Gleichberechtigung und soziales Miteinander sind für mich zentrale Werte, die in der Schule immer ganz hoch geschrieben werden müssen.

Interview: Melek A.

Wie gehen unsere Lehrer mit Stress im Alltag um?

Während der Schulzeit werden viele Schüler mit Stress konfrontiert. Um mit diesem Stress umzugehen, machen einige Schüler Sport, verbringen Zeit mit Freunden und Familie, lesen, malen und vieles mehr. Nicht nur wir Schüler sind von diesem Stress betroffen, sondern ebenfalls auch unsere Lehrer. Aus diesem Grund haben wir sie befragt, wie sie denn mit Stress und Belastungen in ihrem Alltag umgehen.

Dazu haben wir unseren Lehrern folgende Fragen gestellt:

  1. Wie gehen sie mit Stress um?
  2. Was machen sie gegen den Stress?
  3. Wie stark betrifft der Stress ihr privates Leben? (Sie können mit „ja“ für „stark“ und „nein“ für „schwach“ diese Frage beantworten. Und wenn sie nicht wollen müssen sie nicht.)
  4. Wie stark belastet der Schulalltag sie?
  5. Was würden sie den Schülern als Rat geben, wie sie mit schulischem und privatem Stress umgehen sollten?

Unser Biologie und Chemie-Lehrer Herr Fischer antwortete auf die genannten Fragen wie folgt:

Zu 1: Ich versuche meinen Alltag möglichst vorausschauend zu planen, damit gar nicht erst Stress aufkommt. Das klappt natürlich nicht immer.

Zu 2: Wenn ich gestresst bin, dann hilft mir meistens Sport, Musik hören oder nach draußen gehen.

zu 3: Ich würde sagen mittelstark. Es gibt ja auch positiven Stress oder Freizeit-Stress. Aber gerade mit kleinem Kind ist der Alltag schon definitiv stressiger geworden als davor.

Zu 4: Ich versuche mich nicht zu sehr vom Stress belasten zu lassen. Aber gerade in den Prüfungsphasen, in denen man als Lehrer daheim viel korrigieren muss, kann es dann schon mal etwas belastend sein.

Zu 5: Ich würde allen Schülerinnen und Schülern raten, im Leben möglichst klare Prioritäten zu setzen. Manchmal kann man nicht alles gleichzeitig machen, und muss sich für eine Sache entscheiden. Das kann helfen, sich nicht so leicht stressen zu lassen.

Unser Deutsch- und Englisch-Lehrer Herr Fürst antwortete auf unsere Fragen wie folgt:

Zu 1: Am besten nicht aufkommen lassen.

Zu 2: Sport machen, Zeit mit meinen Kindern verbringen!

Zu 3: Zum Glück nicht sonderlich, dementsprechend bin ich da auch nicht davon belastet.

Zu 5: Schulischer Stress lässt sich vermeiden, wenn man den Stellenwert von zum Beispiel Prüfungen realistisch einordnet und sich nicht so unter Druck setzt.

FOS-Lehrer Herr Fürst bei der Korrektur von Schülerarbeiten; Foto: Elena N.

Unser Mathe- und Physik-Lehrer Herr Hämmerle antwortete auf unsere Fragen so:

Zu 1: Ich baue meinen Stress ab.

Zu 2: Ich versuche es möglichst mit Sport auszugleichen.

Zu 3: In meinem persönliches Leben ist Stress immer da.

Zu 4: Ich kann meinen Stress noch ertragen.

Zu 5: Ich würde den Schülerinnen und Schülern raten, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

An den Antworten erkennt man, dass nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer von Stress betroffen sind. Und das sie ebenfalls wie wir unterschiedliche Methoden haben, mit diesem Stress umzugehen.

Interviews: Elena N.

Lehrer/in der Zukunft: Nicht nur Wissensvermittler

Der Lehrer der Zukunft ist viel mehr als nur eine Person, die vorne in der Klasse steht und Unterricht macht. Er ist ein Begleiter, ein Unterstützer und manchmal sogar ein Motivator. Seine Aufgabe ist es nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch die Talente und Stärken der Schüler zu entdecken.

In der Zukunft wird Technik im Unterricht eine große Rolle spielen. Lehrer arbeiten mit Tablets, Computern und modernen Lernprogrammen. Dadurch wird der Unterricht abwechslungsreicher und spannender. Jeder Schüler kann in seinem eigenen Tempo lernen und der Lehrer hilft dabei, den richtigen Weg zu finden.

Doch nicht nur Technik ist wichtig. Der Lehrer der Zukunft ist freundlich, geduldig und verständnisvoll. Er hört den Schülern zu, nimmt ihre Probleme ernst und schafft eine Atmosphäre, in der sich jeder wohlfühlt. So wird Schule zu einem Ort, an dem Lernen Spaß macht.

Außerdem entwickelt sich der Lehrer selbst immer weiter. Er lernt neue Methoden, probiert neue Ideen aus und passt sich an die Veränderungen der Welt an. Dadurch bleibt der Unterricht modern und interessant.

Der Lehrer der Zukunft ist also nicht nur ein Wissensvermittler, sondern auch ein Vorbild. Er zeigt den Schülern, wie wichtig Lernen, Respekt und Zusammenarbeit sind. Mit seiner Hilfe können junge Menschen ihre Ziele erreichen und sich auf die Zukunft vorbereiten.

Text: Anastasiya M.

Sollte das Fachreferat abgeschafft werden?

Zunächst: Was ist das Fachreferat? Das Fachreferat ist ein Leistungsnachweis in Form eines etwa zwanzig Minuten dauernden Referats, das von den 12.-Klässlern an der Fachoberschule in Bayern gehalten wird.

Der Ablauf sieht wie folgt aus: Die Schüler suchen sich nach den Winterferien ein Fach aus, in dem sie ihr Fachreferat halten möchten. Jedes Fach stellt – entsprechend der Anzahl an Schulstunden – eine bestimmte Anzahl an Rahmenthemen bereit, also grobe Überbegriffe für das spätere Feinthema oder dessen Kategorie. Die Schüler wählen anschließend selbst einen Termin für das Halten des Referats aus. Vier Schulwochen vor diesem Termin gibt der Lehrer dem Schüler das Feinthema bekannt – das endgültige Thema für das Fachreferat. Viele Schüler entscheiden sich für einen Termin nach den Faschingsferien, da die Ferienwoche nicht zur Vorbereitungszeit zählt. Eine Woche vor dem Referatstermin wird das Handout dem Lehrer zugeschickt.

Was die Gewichtung angeht: Das Referat zählt als einzelne Note im Abitur und macht höchstens 15 von 600 Punkten aus. Das Halten und Vorbereiten findet mitten in der Klausurenphase statt und ist sehr aufwendig. Mittlerweile hat jeder Schüler sein Referat abgeschlossen. Offen bleibt schlussendlich dennoch die Frage: Soll das Fachreferat aufgrund des enormen Aufwands und des ungünstigen Timings abgeschafft werden?

Das Fachreferat bietet einen Einblick in die Arbeitswelt – man bekommt eine Aufgabe, die man bis zu einem bestimmten Termin erledigen muss. Aus diesem Grund ist es schwer festzulegen, ob es sinnvoll ist, das Fachreferat abzuschaffen. Es prüft viele Fähigkeiten eines Schülers, fordert jedoch zum Teil sehr heraus, da es inmitten der Klausurenphase gehalten wird. Vor allem, da das Schuljahr 2025/2026 für die künftigen Abiturienten kürzer als üblich ausfällt, ist die Vorbereitung umso stressiger. Aber: In der Arbeitswelt muss man sich ja auch auf ungewöhnliche Fristen einstellen, oder nicht?

In die Bewertung fließen Faktoren wie Vortrag, Inhalt und Gestaltung des finalen Referats ein. Die einzelnen Fächer haben einen eigenen Bewertungsbogen, anhand dessen die Lehrkräfte schließlich die Note festlegen. Die Fächer Mathe und Physik sind beispielsweise in der Bewertung identisch, da sie sich denselben Erwartungshorizont teilen. Geachtet wird nicht nur auf sachliche Richtigkeit sowie Argumentation, sondern auch auf den Einstieg, den Schluss und den Umgang mit Medien. Außerdem gibt es sogar einen Bewertungspunkt zur Reflexion und Diskussion, wobei die Kompetenz im Beantworten von Fragen geprüft wird. Dabei stellen entweder Schüler und/oder die Lehrkraft Fragen zum Referat, um einerseits auszuschließen, dass es einfach von KI erstellt wurde oder dass es sich um ein Plagiat handelt – grundsätzlich also, um zu überprüfen, ob sich der Schüler wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Somit lässt sich sagen, dass wichtige Kompetenzen gefordert werden, wie beispielsweise Souveränität, Strukturierungsfähigkeit sowie eigenständige Auseinandersetzung.

Was meine eigene Erfahrung betrifft: Ich wählte das Rahmenthema „Anwendungen physikalischer Zusammenhänge“ im Fach Physik und erhielt schließlich das Feinthema „Dämpfung mechanischer Schwingungen“. Hierbei sieht man, dass das Rahmenthema wirklich nur im geringsten Maße auf eines der vielen möglichen Themen hinweist und sich die Schüler zuvor gut überlegen müssen, ob sie fast „blind“ in das Fachreferat gehen möchten – so wie ich es getan habe. Für mich persönlich spielt Interesse eine sehr große Rolle. Also entschied ich mich für die Herausforderung, Physik als Fach und dieses Thema zu wählen, anstatt etwas eher Biografisches zu nehmen, da mir dies als spannende Herausforderung vorkam, die ich unbedingt mit Interesse angehen wollte – für mich war das eine bewusste Entscheidung. Wenn ich schon so viel für maximal 15 von 600 Punkten meines Abiturs leisten muss, dann möchte ich das mit möglichst viel Entusiasmus tun, anstatt ein einfaches Thema zu wählen, bei dem man „nur“ Informationen zusammenträgt und vorträgt. Für mich wäre das zu monoton gewesen, weshalb ich mich für ein Thema und Fach entschieden habe, bei dem ich mir selbst etwas beibringen musste. Das war im Nachhinein kein Fehler – auch wenn ich das zu Beginn vor lauter Verzweiflung anders gesehen habe.

Für die zukünftigen 12.-Klässler, die eventuell noch das Fachreferat halten müssen: Essenziell ist es, sich ein Thema auszusuchen, für das man sich zumindest ansatzweise interessieren kann, um die Vorbereitung deutlich einfacher und interessanter zu gestalten.

Zurück zur Frage, ob das Fachreferat abgeschafft werden sollte: Ob man dieses wirklich abschaffen sollte, lässt sich meiner Meinung nach nicht eindeutig entscheiden. Das Fachreferat bietet eine Möglichkeit, sich selbst zu herauszufordern, da man sich hier weitgehend ohne Lehrervorgaben vorbereitet – wobei dies auch je nach Lehrkraft variieren kann. Ja, das Fachreferat kann stressig sein, vor allem in der Klausurenphase. Genau deswegen ist es wichtig, für sich einen passenden Termin zu wählen, um den Zeitdruck in der Vorbereitung zu reduzieren. Zeitmanagement ist also ebenfalls eine Fähigkeit, die hier gelernt werden kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Fachreferat aufgrund seiner Anforderungen wichtige Fähigkeiten für die spätere Karriere fördert. Es sollte vielmehr als Chance statt als verpflichtende Arbeit gesehen werden. Daher könnte ein alternativer Lösungsansatz darin bestehen, das Fachreferat freiwillig zu gestalten und es im Vorfeld von den Lehrern als attraktive Möglichkeit zu bewerben. Somit könnte mehr Zeit für den regulären Unterricht gewonnen werden, da einige Schüler diese Möglichkeit vermutlich nicht nutzen würden, und gleichzeitig könnte das Zeitfenster für das Halten der Referate flexibler gestaltet werden. Außerdem würde das Referat dann nicht mehr in das Abitur einfließen, sondern als eigenständige Leistung im Zeugnis hervorgehoben werden.

Ob dieser Lösungsansatz umsetzbar ist, liegt letztlich bei den Lehrkräften und beim Kultusministerium – er könnte jedoch vielen Schülern einen Teil des Stresses im Abijahr nehmen.

Text: Victoria H.

Prüfungsangst, psychische Gesundheit und Künstliche Intelligenz – Interview mit Schulpsychologin Elisabeth Hübner

Einleitung

Psychische Belastungen spielen im Schulalltag vieler Schülerinnen und Schüler eine große Rolle. Besonders das Thema Prüfungsangst betrifft viele Jugendliche. In diesem Interview spricht Frau Elisabeth Hübner, Schulpsychologin an der FOS/BOS Friedberg und an der FOSBOS Augsburg, über ihre Aufgaben, über Prüfungsangst, über den psychischen Zustand der Generation Z sowie über Chancen und Grenzen von Künstlicher Intelligenz im therapeutischen Bereich.

Vorstellung

Justin: Könnten Sie sich für Schülerinnen und Schüler, die Sie noch nicht kennen, kurz vorstellen und erklären, was Ihre Aufgabe als Schulpsychologin ist?

Frau Hübner: Hallo und erst einmal danke für die Einladung zum Interview! Mein Name ist Elisabeth Hübner. Ich bin seit 2018 an der FOS/BOS Friedberg und ich bin hier Mathelehrerin, Pädagogik- und Psychologielehrerin, Kommunikations- und Interaktionslehrerin und als Schulpsychologin für das Thema Inklusion zuständig. Das heißt, ich bin die Ansprechpartnerin für alle Schüler*innen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, also alles, was in diese Richtung geht. Zusätzlich bin ich an der FOSBOS Augsburg als Schulpsychologin eingesetzt.

Foto: Justin A.

Justin: Mit wem kommen Sie denn in der Regel ins Gespräch?

Frau Hübner: Man ist Ansprechpartnerin für alle Schüler*innen, deren Eltern, sowie für die Lehrkräfte zu allen Themen bezüglich der Psyche, also zum Beispiel Motivation, Konzentration, Prüfungsangst, aber auch emotionale Themen oder familiäre Probleme. Es gibt da eigentlich keine klar gefassten Themengrenzen, sage ich jetzt mal. Wichtig ist aber, dass wir als Schulpsycholog*innen keine Diagnosen stellen und auch keine Therapie anbieten können, sondern dass wir zu den Themen beraten. Wenn es aus unserer Sicht Krankheitswert hat oder eine Therapie indiziert ist, dann können wir in der Beratung erklären, welche Schritte nötig sind und wo man Informationen zum Thema Psychotherapie findet. Alle Schulpsycholog*innen unterliegen gesetzlich der Schweigepflicht, und zwar sowohl gegenüber Lehrkräften oder natürlich auch der Schulleitung als auch gegenüber den Eltern.

Justin: Unterliegt Ihre Arbeit einer Schweigepflicht?

Frau Hübner: Die Schweigepflicht gegenüber den Eltern ist eingeschränkt quasi. Wir setzen voraus, dass die Einsichtsfähigkeit in die Konsequenzen des eigenen Handelns gegeben ist
Sprich, dass sie abschätzen können, welche Konsequenzen das eben hat, dass ihre Eltern da über bestimmte Themen nicht informiert werden. Aber jetzt bei FOS/BOS-Schülern gehen wir davon aus, einfach weil sie alt genug sind und in der Regel die kognitive Reife so weit haben sollten. Eine zusätzliche Ausnahme ist, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt oder wenn eine Straftat angekündigt wird. Aber davon abgesehen unterliegt wirklich alles ganz streng der Schweigepflicht.

Prüfungsangst und Nervosität

Justin: Was genau versteht man unter Prüfungsangst, und wie unterscheidet sie sich von normaler Nervosität vor einer Prüfung?

Frau Hübner:
Das ist eine sehr gute Frage, da haben Sie schon eine ganz wichtige Unterscheidung angesprochen, nämlich die Abgrenzung von normaler Nervosität und echter Angst. Nervosität, Aufregung, Anspannung und ein gewisser Grad an Angst – wie auch immer man das nennen will – sind erst einmal ganz normal. Es ist eine normale Reaktion auf eine stressige Situation, in unserem Fall eine Prüfung. Und es hat auch einen Sinn oder eine Funktion. Es soll uns aktivieren, es soll uns leistungsbereit machen und unsere Sinne schärfen.

Justin: Lässt sich das auch wissenschaftlich belegen?

Frau Hübner: Es gibt dazu eine Kurve oder einen Graphen, der ganz gerne herangezogen wird und den ich eigentlich sehr eindrucksvoll finde. Er heißt Yerkes-Dodson-Kurve. Die besagt, dass wir die beste Leistung bei mittlerer Anspannung oder Erregung haben. Bei zu wenig Anspannung oder Erregung sind wir unkonzentriert, unmotiviert und können keine gute Leistung erbringen, weil uns der Antrieb fehlt. Wenn die Erregung jedoch zu hoch ist, sinkt das Leistungsniveau wieder, weil wir dann im Bereich der Überforderung sind. Und da sind wir bei der Prüfungsangst. Sprich: Wenn die Angst zu groß wird, sodass man sich überfordert fühlt und sein Wissen nicht mehr abrufen kann, dann ist es Prüfungsangst und nicht mehr nur Nervosität.

Justin: Welch Symptome können dabei auftreten?

Frau Hübner: Es gibt keine feststehende Definition von Prüfungsangst, weil es keine offizielle Diagnose ist. Grundsätzlich handelt es sich um Angstsymptome, die im Zusammenhang mit Prüfungen auftreten. Das können körperliche Symptome sein wie Übelkeit, Herzrasen, Zittern oder Schwitzen, aber auch kognitive Angstgedanken, Panikgedanken oder eine Unfähigkeit zu denken, also ein Blackout. Natürlich gehört auch emotional dieses starke Angstgefühl dazu. Es kann sich auf einzelne Fächer beschränken oder auf bestimmte Prüfungstypen, zum Beispiel nur auf mündliche oder nur auf schriftliche Prüfungen. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein. Bei manchen löst schon der Gedanke an die Prüfung leichte Angstsymptome aus, bei anderen ist es erst der Moment, wenn der Lehrer hereinkommt und sagt: „Alle Tische auseinanderstellen.“ Da gibt es also kein einheitliches Bild.

Körperliche Symptome bei Prüfungsangst

Justin: Welche körperlichen Symptome treten am häufigsten bei Schüler*innen auf?

Frau Hübner:
Besonders häufig sind Magen-Darm-Probleme, also zum Beispiel Übelkeit oder Durchfall, aber auch Herzrasen, Zittern, Schwitzen oder Rotwerden. Auch hier ist die Ausprägung ganz unterschiedlich. Bei manchen tritt das eine auf, bei anderen etwas anderes oder mehrere Symptome gleichzeitig

Wann wird Angst behandlungsbedürftig?

Justin: Woran erkennen Schülerinnen und Schüler, dass Stress oder Angst nicht mehr „normal“, sondern behandlungsbedürftig wird?

Frau Hübner: Wenn es die Schüler*innen so einschränkt, dass sie immer wieder ihre Leistung nicht zeigen können, obwohl sie eigentlich gut vorbereitet sind und den Stoff außerhalb der Prüfungssituation beherrschen. Und wenn ein hoher Leidensdruck, also eine starke emotionale Belastung, damit einhergeht, wenn Selbstzweifel auftreten und man in Prüfungen immer wieder das Gefühl hat zu versagen. Das subjektive Empfinden ist hier entscheidend. Wenn es sich sehr einschränkend oder sogar unerträglich anfühlt, dann ist es auf jeden Fall sinnvoll, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.


Strategien im Umgang mit Prüfungsangst

Justin: Welche kurzfristigen Strategien helfen direkt vor oder während einer Prüfung?

Frau Hübner: Kurzfristig ist das immer etwas schwierig. Atemtechniken können helfen, beruhigende Gedanken im Sinne eines Mantras oder Gedankenstopp-Übungen. Aber eigentlich sollte das vorher eingeübt worden sein, damit man es in der Angstsituation, die ja eine Ausnahmesituation darstellt, auch wirklich abrufen kann. Manchen Schüler*innen hilft ein Glücksbringer oder ein Symbol als Erinnerung an die Technik oder an beruhigende Gedanken. Wichtig ist, die Technik früh genug einzusetzen, also sobald die ersten Angstanzeichen auftreten. In der Beratung kann man gemeinsam herausarbeiten: Was ist bei mir das erste Zeichen, dass die Angst kommt? Bei manchen ist es ein Kribbeln im Bauch. Sobald man das merkt, sollte man direkt intervenieren, zum Beispiel mit einer Atemtechnik.

Justin: Haben Sie noch weitere Tipps?

Frau Hübner: Generell als Tipp für Prüfungen würde ich sagen: Es ist sinnvoll, mit den Aufgaben anzufangen, bei denen man sich gut fühlt. Also mit Themen, die man besonders gut verstanden hat. Das gibt zu Beginn ein gutes Gefühl. Wenn die Zeit nicht reichen sollte, bleiben dann die Aufgaben übrig, die man ohnehin weniger gut gekonnt hätte. Wenn einen vor der Prüfung die Aufregung der Mitschüler*innen stresst – also wenn ständig gefragt wird: „Hast du das gelernt? Denkst du, das kommt dran?“ – dann ist es sinnvoll, diese Kontakte bewusst zu vermeiden. Man kann das klar kommunizieren und sagen, dass einen das stresst. Man kann Musik hören, kurz zur Toilette gehen oder an die frische Luft gehen und versuchen, sich nicht mitreißen zu lassen.

Justin: Was ist besonders in der Vorbereitung auf Prüfungen wichtig?

Frau Hübner: Eine langfristige Strategie ist das „Overlearning“, also eine sehr intensive Vorbereitung, mehr zu lernen als eigentlich notwendig wäre, damit das Wissen besonders tief verankert ist. Man muss ehrlich sagen: Prüfungsangst ist manchmal auch eine berechtigte Angst, wenn man nicht gut vorbereitet ist. Wenn man unter Zeit- und Notendruck mit seinem Unwissen konfrontiert wird, kann Panik entstehen. Bei einigen war der ursprüngliche Auslöser eine Prüfung, in der sie schlecht vorbereitet waren und sich hilflos gefühlt haben. Das kann sich verselbstständigen und zu einer generellen Prüfungsangst führen. Deshalb ist gute Vorbereitung eine sehr hilfreiche langfristige Strategie.

Generation Z und psychische Probleme

Justin: Warum sind aus Ihrer Sicht besonders viele junge Menschen der Generation Z von psychischen Problemen betroffen?

Frau Hübner: Die Betroffenen haben seit klein auf eine andere Art der Kommunikation gelernt und sind diese gewohnt. Dadurch gestalten sich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen anders. Zusätzlich sind die jungen Menschen sehr stark mit der Informationsflut durch das Internet konfrontiert, was es früher noch nicht in diesem Ausmaß gab. Man kann sich kaum vor der Fülle an Informationen und auch polarisierenden Inhalten retten. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten als jemals zuvor, was einerseits gut ist, aber auch Unsicherheit und weniger Orientierung mit sich bringt. Ich denke, das sind wichtige Faktoren.

Justin: Gibt es hier weitere Faktoren?

Frau Hübner: Was auch noch dazu kam, ist die Corona-Pandemie, die diese Gruppe in einer sehr sensiblen Phase erwischt hat. Je nachdem, welchen Teil der Generation Z man meint – Kindheit, Pubertät oder junges Erwachsenenalter – aber auf jeden Fall in einer Zeit, in der soziale Kontakte sehr wichtig sind, in der es darum geht, sich mit Gleichaltrigen auszuprobieren und zwischenmenschliche Kontakte sowie Erlebnisse zu sammeln. Dieses Sich-ausprobieren-Können fiel während Corona aus, einerseits in der Schule und auch im Freizeitbereich, zum Beispiel Hobbys und Vereine. Treffen mit Freund*innen waren schwierig. Die Menschen hatten weniger Bewegung, weniger Sport, was sich nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit auswirkt.

Justin: Was haben Sie persönlich darüber erfahren?

Frau Hübner: In der Beratung habe ich auch sehr oft gehört, dass Hobbys während Corona eingeschlafen sind und später nicht wieder aufgenommen wurden. Das ist ebenfalls ein großer Faktor, weil dadurch nicht nur Erfolgserlebnisse fehlen, sondern auch außerschulische Erfahrungen im Vergleich zu anderen Generationen stark reduziert wurden. Was noch dazu kommt, ist die Verunsicherung durch die vielen weiteren Krisen, die es aktuell gibt. Einerseits Corona mit den damit einhergehenden Ängsten und Problemen, aber auch die Klimakrise, Krieg, politische Entwicklungen, etc. Die Kinder bzw. Jugendlichen haben auch die Sorgen ihrer Eltern wahrgenommen, beispielsweise Arbeitslosigkeit oder die Sorge um den Arbeitsplatz, und sind dadurch zusätzlich verunsichert. Die Kombination aus Informationsflut und Corona-Pandemie hat den sozialen Rückzug verstärkt und Vereinsamung gefördert.

Justin: Welche Rolle spielen Soziale Medien?

Frau Hübner: Oft findet sozialer Kontakt über soziale Medien statt. In der Beratungspraxis war ich selbst erschrocken, als mir von Gesprächen erzählt wurde und sich später herausstellte, dass diese gar nicht persönlich stattgefunden haben. Gute, echte Beziehungen sind ein wichtiger Schutzfaktor für die menschliche Psyche. Die Tatsache, dass sich vieles auf das Smartphone verlagert, sehe ich als einen Punkt, der in diese Problematik hineinspielt. Ein positiver Faktor, den ich hervorheben möchte, ist, dass die Generation Z mehr über mentale Probleme spricht als frühere Generationen.

Künstliche Intelligenz und Psychotherapie

Justin: Zum Abschluss eine gesellschaftliche Frage: Glauben Sie, dass Künstliche Intelligenz in Zukunft eine Psychotherapie ersetzen kann – oder wo sehen Sie klare Grenzen?

Frau Hübner: Eine klare Antwort: Die KI kann keine Psychotherapie ersetzen. Die KI bietet Chancen zur Information, zum Beispiel wie man einen Therapieplatz bekommt oder welche Therapieformen es gibt. Je nach Fall kann sie auch zur Überbrückung von Wartezeiten hilfreich sein, da es ein großes Problem ist, dass der Bedarf hoch ist, aber zu wenige Therapieplätze vorhanden sind. Dadurch entstehen lange Wartezeiten. Je nach Symptomatik kann es hilfreich sein, zumindest vorübergehend mit einer KI einen „Gesprächspartner“ zu haben. Man kann sich von der KI Entspannungsmethoden oder Meditationsübungen anleiten lassen. Eine klare Begrenzung gibt es jedoch. Man muss sich bewusst sein – was auch ein Thema im Unterricht ist –, dass die Antworten und Empfehlungen der KI fehlerhaft sein können und kritisch hinterfragt werden müssen.

Justin: Sehen Sie hier noch weitere Probleme?

Frau Hübner: Ich denke, psychisch angeschlagene oder psychisch erkrankte Menschen tun sich oft schwer, die Kraft für eine gründliche Recherche aufzuwenden, um zu prüfen, was richtig oder falsch ist. Ein Problem der KI ist, dass sie den Nutzer in seiner Wahrnehmung bestärkt und weniger hinterfragt. Sie hat eine „Ja-Sager-Tendenz“ und regt nicht unbedingt zum kritischen Hinterfragen an. Das kann bei Krankheitssymptomen, zum Beispiel bei jemandem mit niedrigem Selbstwertgefühl, sehr fatal sein. Die KI versucht, dem Menschen zu gefallen, und ist teilweise zu unkritisch. Sie suggeriert Empathie und simuliert eine Beziehung zwischen dem Nutzer und der KI, obwohl kein echter Mensch dahintersteht. Es ist jedoch bekannt, dass die therapeutische Beziehung einer der maßgeblichen Erfolgsfaktoren einer Psychotherapie ist. Weil dieser Beziehungspartner nicht existiert, sehe ich das sehr kritisch.

Justin: Gibt es hierzu schon wissenschaftliche Studien?

Frau Hübner: Es gibt Studien, die untersucht haben, inwiefern sich KI an Therapieempfehlungen hält, und gezeigt wurde, dass sie das nicht konsequent tut. Die KI gibt eher Ratschläge, anstatt Klient*innen dazu zu animieren, selbst Lösungen zu finden. Teilweise reagiert sie unangemessen auf suizidale Äußerungen, was ein sehr gefährlicher Bereich ist. Es gibt leider auch Suizidfälle, die im Zusammenhang mit KI stehen. Da sind wir in einem Bereich, in dem wir nicht mehr diskutieren müssen, ob KI eine Therapie ersetzen kann. Da ist die Grenze überschritten. Ein weiterer Punkt ist der Datenschutz. Psycholog*innen unterliegen der Schweigepflicht. Wenn sensible Daten in eine KI eingegeben werden, weiß man nicht genau, wo diese gespeichert werden oder was damit passiert.

Justin: Was bedeutet das alles in Bezug auf die Gen Z?

Frau Hübner: Wir hatten gerade das Thema Einsamkeit der Generation Z: Auch hier sehe ich eine Gefahr, da eine Therapie mit KI sozialen Rückzug fördern könnte. Für eine echte Therapie muss man das Haus verlassen, sich auf den Weg machen, gegebenenfalls öffentliche Verkehrsmittel benutzen, mit jemandem in der Anmeldung kommunizieren und ist zur sozialen Interaktion gezwungen. Das ist für manche unangenehm oder schwierig, aber notwendig für Routine und Entwicklung. Wenn man die Therapie durch KI ersetzen würde, würde das alles wegfallen und die Isolation könnte sich verstärken.

Justin: Wir danken Ihnen für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.

Interview: Justin A.

Spitzenthema: Wie sieht die Schule der Zukunft aus?

Grafik: Anastasiya M., Canva

Unsere Autorin Anastasiya hat sich mit der Frage beschäftigt, wie die Schule der Zukunft wohl aussehen wird. Das sagt sie selbst über ihre Vorstellungen:

„Die Mind-Map habe ich mit Canva erstellt. Ich habe zuerst überlegt, wie die Schule der Zukunft aussehen könnte, und alle Ideen aufgeschrieben, die mir eingefallen sind. Danach habe ich sie sortiert und überlegt, welche Punkte besonders wichtig sind.

Bei Technologie habe ich mir gedacht, dass in Zukunft wahrscheinlich Roboter eine große Rolle im Unterricht spielen werden. Sie könnten zusammen mit menschlichen Lehrkräften unterrichten, also nicht nur die Lehrer ersetzen, sondern ergänzen, damit die Arbeit im Unterricht besser und effizienter wird.

Beim Lernen habe ich überlegt, dass Schüler in Zukunft mehr Möglichkeiten haben werden, ihre Fächer selbst auszuwählen, ähnlich wie in den USA. Man könnte zum Beispiel Kurse wie Filmproduktion, Psychologie oder kreatives Schreiben wählen, je nachdem, was einen interessiert. So wird das Lernen individueller und spannender.

Mir war auch wichtig, die globale Vernetzung zu erwähnen. Vielleicht könnten Schüler in Zukunft auch mal für kurze Zeit in andere Länder reisen und dort die Schule besuchen oder Online-Unterricht mit Menschen haben, die aus anderen Ländern kommen, so kann man auch Sprachenlernen verbessern. So lernt man andere Kulturen kennen und arbeitet mit Schülern aus verschiedenen Ländern zusammen.

Auch das Wohlbefinden der Schüler sollte in der Schule der Zukunft eine große Rolle spielen. Es könnte Psychologen und qualifizierte Mitarbeiter geben, die bei Motivation oder Problemen helfen. In der Kantine könnten gesunde und abwechslungsreiche Speisen angeboten werden, und es sollte genügend Räume geben, in denen man sich in den Pausen erholen oder Hausaufgaben machen kann – wie Bibliotheken oder ruhige Ecken zum Entspannen.

So konnte ich die Ideen in der Mind-Map darstellen und zeigen, wie die einzelnen Punkte miteinander verbunden sind.“

Text/Bild: Anastasiya M.

Zwischen Schulaufgaben und Podcasts – Alternative Leistungsnachweise

Leistungsnachweise müssen nicht immer aus Schulaufgaben und Kurzarbeiten bestehen. In vielen Fächern werden inzwischen Podcasts, Erklärvideos, Referate oder Portfolios als Alternativen eingesetzt.

Empfinden Schülerinnen und Schüler diese Form der Leistungsbewertung als fairer und einfacher oder eher als zusätzliche Belastung? Und wie bewerten eigentlich Lehrkräfte diese Entwicklung?


Viele der befragten Schülerinnen und Schüler stehen den alternativen Leistungs-nachweisen grundsätzlich positiv gegenüber. Besonders geschätzt wird, dass Formate wie Präsentationen, Podcasts oder Portfolios mehr Raum für eigene Ideen lassen und dadurch abwechslungsreicher sind als klassische Schulaufgaben. Einige berichteten zudem, dass diese Form der Leistungsbewertung weniger stressig sein kann, da nicht ausschließlich unter Zeitdruck gelernt und abgefragt wird und man seine Kreativität besser ausleben kann. Gleichzeitig wurde deutlich, dass alternative Leistungsnachweise nur dann als entlastend empfunden werden, wenn sie gut verteilt sind. Häufen sich Projekte, Referate und Präsentationen in mehreren Fächern und kommen zusätzlich Schulaufgaben hinzu, steigt der Stress deutlich an. Kritisch angemerkt wurde außerdem, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler unter denselben Voraussetzungen arbeiten. Besonders sichere Vortragende hätten teilweise Vorteile, während andere mehr Überwindung benötigten. Trotzdem wurde die Bewertung der verschiedenen Projekte zum Großteil als fair und transparent wahrgenommen, da hierbei mit Protokollen gearbeitet wird, die von den Schülern selbst ausgefüllt werden.


Auch aus Sicht der Lehrkräfte gewinnen alternative Leistungsnachweise zunehmend an Bedeutung. Zwei befragte Lehrerinnen erklärten, dass solche Formate nicht nur für mehr Abwechslung sorgen, sondern auch vom Kultus-ministerium unterstützt werden. Neben klassischen Schulaufgaben sollen daher bewusst kreativere Leistungsnachweise eingesetzt werden. Ein weiterer befragter Lehrer betonte, dass alternative Leistungsnachweise immer aktueller würden und einen klaren Vorteil gegenüber klassischen Kurzarbeiten hätten. Statt einer einmaligen Leistungssituation erhielten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema auseinanderzusetzen und ihre Ergebnisse anschließend zu präsentieren. Dadurch rücke das reine Auswendig-lernen stärker in den Hintergrund. Zudem sehe er in Gruppenprojekten eine sinnvolle Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt, in der Teamarbeit eine wichtige Rolle spiele. Gleichzeitig verwies er aber auf Schwierigkeiten bei der Bewertung. Besonders bei Gruppenarbeiten sei es herausfordernd, die individuelle Leistung einzelner Schülerinnen und Schüler objektiv zu erfassen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Noten teilweise besser ausfielen, als es dem tatsächlichen Wissens-stand entspreche. Klassische Schulaufgaben und Kurzarbeiten würden seiner Ansicht nach das eigenständige Verständnis deutlicher widerspiegeln, da dort beispielsweise diskussionsorientierte Fragestellungen das tatsächliche Verstehen sichtbar machten. Auch eine weitere Lehrerin äußerte sich eher kritisch. Am Beispiel des Deutschunterrichts erklärte sie, dass bei Gruppenarbeiten zu literarischen Epochen einzelne Themen sehr vertieft behandelt würden, während andere Bereiche weniger Beachtung fänden. So könne es vorkommen, dass Schülerinnen und Schüler in einem bestimmten Teilgebiet über detailliertes Wissen verfügten, jedoch kein gleichmäßig ausgeprägtes Gesamtverständnis besäßen. Zudem entstehe teilweise ein unverhältnismäßig großer Arbeitsaufwand für kleinere Themenbereiche, was die Leistungsbewertung verzerren könne. Ähnlich wie der zuvor befragte Lehrer sieht sie die Gefahr, dass Noten in solchen Formaten tendenziell besser ausfallen und damit nicht immer das tatsächliche Leistungs- niveau widerspiegeln. Insgesamt steht sie klassischen Leistungsnachweisen daher eher positiver gegenüber, auch wenn sie einräumt, dass kreative Formate in der Korrektur mitunter angenehmer seien. Alternative Formate wie Portfolios, Präsentationen oder Podcasts ermöglichen es aber, sich intensiver mit Themen auseinanderzusetzen, anstatt sie nur kurzfristig auswendig zu lernen. Gleichzeitig erfordert ihre Bewertung klare Kriterien und Transparenz. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, da es nicht immer eindeutig ist, wie Eigenleistung und KI-Unterstützung voneinander zu unterscheiden sind und wie sich die Gruppen- und die Einzelleistung der Schülerinnen und Schüler voneinander abgrenzen lassen. Der zusätzliche Aufwand für Lehrkräfte liegt vor allem im organisatorischen Bereich, etwa bei der Archivierung oder dem Datenschutz. Die eigentliche Bewertung wird hingegen nicht unbedingt als aufwendiger empfunden. Im Gegenteil: Beide Lehrerinnen beschrieben es als angenehm und abwechslungsreich, auch kreative Arbeiten zu bewerten, anstatt ausschließlich ähnliche Schulaufgaben zu korrigieren. Mit Blick auf die Zukunft gehen sie davon aus, dass alternative Leistungsnachweise weiter an Bedeutung gewinnen werden. Gerade im Zusammenhang mit KI sei es notwendig, Prüfungsformate weiterzuentwickeln und an den aktuellen Zeitgeist anzupassen, ohne dabei das Leistungsniveau zu senken.

Text: Melek A.