Schule der Zukunft: Gemeinschaft und Demokratie

In dieser Serie zu unserem aktuellen Spitzenthema „Schule der Zukunft“ nimmt unser Autor Justin verschiedene Bereiche der Schule und des Lernens unter die Lupe und bezieht Stellung.

Mitbestimmung/Demokratie

Mitspracherecht im Schulalltag

In einer Schule der Zukunft sollen die Schüler stärker in Entscheidungen einbezogen werden, die ihren Schulalltag beeinflussen. Darunter fallen etwa die Schulregeln, Essensangebote in der Cafeteria oder Planung von neuen Aktionen oder auch die Gestaltung des Pausenraums.

Stärkung der Schülervertretung

In der Schule der Vergangenheit ist die Schülervertretung häufig eher Symbolpolitik. In einer Schule der Zukunft sollen Schülervertreter stärker in Entscheidungen miteinbezogen werden. Die Schülervertretung übernimmt eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung neuer Schulregeln oder Planung von Schulveranstaltung – so sollen Schüler nicht nur verstehen, wie unser politisches System funktioniert, sondern auch Verantwortung übernehmen.

Demokratie praktisch erleben

Eine Mitbestimmung vermittelt wichtige demokratische Werte, die über den regulären Schulalltag hinaus gehen. Schüler lernen, ihre Meinung zu sachlich zu vertreten, Kompromisse zu finden und andere Sichtweisen zu respektieren. Die Schule wird somit nicht nur ein Ort des Lernens, sondern zu einem Ort, an dem demokratisches Handeln erlebt und geübt wird.

Soziales Miteinander

Respekt und wertschätzender Umgang

Eine Schule der Zukunft soll ein Ort sein, an dem alle Schülerinnen und Schüler respektvoll miteinander umgehen. Mobbing und Ausgrenzung dürfen keinen Platz haben, da sie zu psychischen Belastungen, Schulangst und Leistungsproblemen führen können. Besonders durch soziale Medien findet Mobbing heute oft im Verborgenen statt und wird von Lehrkräften oder Eltern nicht immer erkannt. Deshalb sollte die Schule vermitteln, wie man Konflikte friedlich löst, andere Meinungen akzeptiert und respektvoll miteinander kommuniziert. Dabei geht es nicht darum, dass alle befreundet sein müssen, sondern dass jeder mit Würde und Respekt behandelt wird.

Gemeinschaft und Zusammenhalt

Der Zusammenhalt innerhalb der Schule sollte aktiv gefördert werden. Gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel Klassenfahrten oder schulische Veranstaltungen stärken das Gemeinschaftsgefühl. Wenn Schüler regelmäßig in Kontakt kommen, entsteht ein starkes Wir-Gefühl, allerdings darf der Unterricht natürlich nicht zu kurz kommen.

Umgang mit Konflikten

Konflikte sind im Schulalltag unvermeidlich, sie sollten jedoch konstruktiv gelöst werden. Streitschlichterprogramme und Vertrauenslehrkräfte, sowie Gesprächsangebote können helfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und effizienter zu lösen bevor sie eskalieren.

Inklusion und Vielfalt

Schülerinnen und Schüler offenbaren verschiedene Fähigkeiten, Stärken, Hintergründe und Bedürfnisse. In einer Schule der Zukunft lernen Schüler von Schülern und unterstützen sich gegenseitig.

Text: Justin A.

Schule der Zukunft: Unterricht und persönliche Entwicklung

In dieser Serie zu unserem aktuellen Spitzenthema „Schule der Zukunft“ nimmt unser Autor Justin verschiedene Bereiche der Schule und des Lernens unter die Lupe und bezieht Stellung.

Individuelles Lernen

Jeder hat sein individuelles Lerntempo. Die Schule der Zukunft soll das berücksichtigen und jungen Menschen die Möglichkeit bieten, in ihrem eigenen Tempo Schulstoff anzueignen. Digitale Lernmöglichkeiten, zum Beispiel Erklärvideos, interaktive Übungen mit Feedback oder Lernplattformen sollen genau das ermöglichen.

Projektorientierter Unterricht

Neben dem üblichen Unterrichtsstoff sollen individuelle Projekte mehr in den Vordergrund geraten, wodurch Schüler nicht Stoff erlernen, sondern in der Lage sind, Inhalte praktisch anzuwenden. Beispielsweise im Fach Biologie zum Thema Klimawandel, wobei Schüler eigene Modelle erstellen oder im Geschichtsunterricht eine Ausstellung zur Stadtgeschichte gemeinsam gestalten. Auch fachübergreifende Projekte, etwa ein selbstentwickelter Podcast ,wären möglich, sodass Wissen nicht nur Theorie bleibt, sondern auch praktische Anwendung findet.

Digitale Lernmethoden

Die Digitalen Medien übernehmen in der Schule der Zukunft einer immer wichtigeren Rolle -nicht nur müssen Lehrkräfte geschult werden, sondern auch Schülerinnen und Schüler über Gefahren in der Digitalen Welt informiert. Abgesehen davon wird der Unterricht immer digitaler: statt Papier werden digitale Materialien zu verfügen gestellt, sodass Inhalte anschaulicher und verständnisvoller dargestellt werden. Gleichzeit bleibt die Lehrkraft als Begleitung und Unterstützung im Lernprozess wichtig.

Zukunftsorientierte Kompetenzen

Neben fachlichem Wissen sollen Schulen der Zukunft mehr auf Kompetenzen eingehen und diejenigen fördern, die im späteren Leben wichtig sind. Dazu gehört kritisches Denken, Problemlösung, Kreativität, Kommunikation und Teamarbeit. Diese Fähigkeiten helfen den Schülerinnen und Schüler sich in einer weiter schnell verändernden Welt zurechtzufinden und mitzuwirken.

Leistungsbewertung

Individuelle Lernentwicklung

In einer Schule der Zukunft sollte die Leistungsbewertung nicht ausschließlich auf klassischen Noten basieren, wobei andere Leistungen stärker berücksichtigt werden sollten. Dazu zählen individuelle Projekte, Präsentationen und praktische Arbeiten. Im Politikunterricht könnte man zum Beispiel ein eigenes Wahlprogramm erstellen, sowie ein eigenes kurzes Parteiprogramm oder in Psychologie ein eigenes Modell entwickelt und benotet werden. Statt klassischem schulischem Wissen, das oft eine einmalige Anwendung findet.

Regelmäßiges Feedback

Statt nur einzelne Noten zu vergeben, sollte es vermehrt „Feedbackgespräche“ geben, damit die Schüler ihre Stärken und Schwächen besser verstehen und gezielt daran arbeiten können. Rückmeldungen von Lehrkräften sind sehr wichtig beim Lernen.

Fairere und vielfältigere Bewertung

Eine Schule in der Zukunft braucht ein modernes Bewertungssystem, welches unterschiedliche Fähigkeiten und Talente berücksichtigt. Schüler haben nicht in allen Bereichen die gleichen Stärken und Schwächen, somit kann das Bewertungssystem, wie es heute üblich ist, nicht fair sein. Eine Herausforderung in der Schule der Zukunft ist es, Leistungen umfassender zu bewerten und nicht durch einzelne Prüfungen zu beurteilen.

Mentale Gesundheit

Prävention

Besonders wichtig im Lernprozess ist die psychische Gesundheit, welche in der Schule der Zukunft stärker berücksichtigt werden sollte. Leistungsdruck, Prüfungsangst und ein voller Schulalltag können nicht nur Stress verursachen, sondern führen nicht nur dazu, dass die Fehlzeiten zunehmen und somit auch Unterrichtsstoff verpasst wird, sondern auch die Leistung abnimmt. Deshalb sind genug Pausen und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lernen und Erholung wichtig.

Beratungs- und Unterstützungsangebote

An jeder Schule sollte es genug Beratungsangebote geben durch Schulpsychologen, Sozialarbeiter und Vertrauenslehrkräfte, die Schüler bei persönlichen, sowie familiären oder schulischen Schwierigkeiten unterstützen.

Ruheräume und Rückzugsorte

Neben Klassenräume sollte es auch Räume geben, in denen Schüler eine kurze Auszeit nehmen können und gegebenenfalls zur Ruhe kommen, falls sie sich überfordert fühlen oder um kurz neue Energie zu sammeln.

Förderung des Wohlbefindens

In der Schule der Zukunft sollte auch das individuelle Wohlbefinden der Schüler beachtet werden. Kurze Spaziergänge durch den Schulhof können ebenfalls dazu führen, dass der Kopf frei wird oder im Sportunterricht sollte gelernt werden, wie man Meditationsübungen durchführt.

Aufklärung über psychische Gesundheit

Mentale Gesundheit sollte offen thematisiert werden, sowie der Umgang mit Emotionen sollen im Schulsystem mehr Platz finden, besonders in einer Schule der Zukunft, sodass Schüler lernen, auf sich selbst zu achten und bei Problemen frühzeitig Hilfe zu suchen und vor allem zu wissen, wo man Hilfe bekommt.

Text: Justin A.

Schule der Zukunft: Die Lernumgebung

Eine Schule ist eine der wichtigsten Orte für junge Menschen, dabei ergibt sich die Frage, ob die Schule, wie sie heute besteht, noch zu den aktuellen Anforderungen der heutigen Zeit passt. Die Digitalisierung sowie gesellschaftliche Werte befinden sich im Wandel und verändern die Erwartung an das schulische Lernen und die zu erbringende Leistung und wie der Unterricht neugestaltet werden sollte. Zeitgleich wachsen Themen wie mentale Gesundheit, Mitbestimmung des Individuums uns und Nachhaltigkeit. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie schaut eine Schule der Zukunft aus?

In dieser Serie zu unserem aktuellen Spitzenthema „Schule der Zukunft“ nimmt unser Autor Justin verschiedene Bereiche der Schule und des Lernens unter die Lupe und bezieht Stellung.

Gebäude

Eine Schule der Zukunft soll mehr als ein Ort des Unterrichtes sein. Schon das Gebäude verändert sich grundlegend. Von konventionellen Klassenräumen und langen Fluren hin zu flexiblen, nachhaltigen Lernlandschaften. Die Architektur spielt dabei eine sehr wichtige Rolle.

Natur als Grundprinzip

Immer häufiger wird auch Natur direkt in die Architektur integriert: begrünte Dächer, Innenhöfe oder sogar vertikale Gärten an Fassaden. Die Schule wird dadurch nicht nur Lernort, sondern auch Teil der unmittelbaren Umwelt.

Studien zufolge steigert natürliches Licht die Konzentration und das Wohlbefinden, weshalb mehr Schulen auf größere Fenster setzen, um die Räume heller und freundlicher zu gestalten. Ergänzt mit modernen Belüftungssystemen, die frische Luft und Ruhe in das Gebäude bringen, soll die Lernatmosphäre verbessert werden.

Flexible Räume statt Klassenzimmer

Ein Merkmal von modernen Schulen sind flexible Räume statt fester Klassenzimmer.

Durch verschiebbare Wände sollen neue Räume entstehen oder mit anderen Räumen verbunden werden für ruhige Arbeitsbereiche für konzentrierteres Lernen, offene Flächen für Gruppenarbeiten oder Präsentationsräume für Vorträge und Projekte. Das Gebäude passt sich demnach dem Lernen an und nicht mehr umgekehrt

Allerdings kann dadurch viel Zeit im Unterricht verloren gehen, wodurch die Unterrichtszeit leidet.

Nachhaltige Architektur

Schulen der Zukunft sind ein Vorbild, was Nachhaltigkeit angeht. Die Gebäude werden energieeffizienter geplant und klimaneutral betrieben. Dazu gehört auch eine Energieversorgung durch Solaranlagen auf dem Dach, moderne Wärmedämmung und auch umweltfreundliche Baumaterialien wie Holz, sodass die Schule selbst zum Lernort für Klimaschutz wird.

Räume für Ruhe und Konzentration

Neben offenen Lernbereichen entstehen auch Rückzugsorte. Kleine akustikgedämmte Ruheräume sollen das Lernen stressarmer gestalten und mentale Belastungen zu reduzieren.

Ausstattung

Digitale Ausstattung

Das Herzstück der digitalen Ausstattung ist ein funktionierender Zugang zu schnellem WLAN, um den Zugang zu digitalen Inhalten und modernen Unterrichtsformen wie zum Beispiel Distanzunterricht, wenn eine Lehrkraft ausfällt, zu ermöglichen. Interaktive Whiteboards können herkömmliche Tafeln ersetzen, um neue Möglichkeiten zu Präsentationen zu bieten. Laptops und Tablets erleichtern den Zugang zu Informationen und fördern digitales Lernen. Allerdings besteht die Gefahr, dass digitale Endgeräte und das WLAN missbraucht wird, um etwa im Unterricht zu spielen oder sich anderweitig abzulenken. Demnach müssen App-Sperren dazu führen, dass unterrichtsfremde Inhalte unzugänglich werden, um sicherzustellen, dass die Ausstattung auch für das benutzt wird, wofür es auch gedacht war.

Barrierefreiheit

Gleichzeitig sollten die Schuen für alle Menschen zugänglich sein. Die Barrierefreiheit will dieses Ziel erreichen. Rampen, Aufzüge und automatische Türen sorgen, dafür dass alle Bereiche der Schule für jeden erreichbar sind. Dazu gehören behindertengerechte Toiletten, sodass kein Hindernis wie eine Treppe den Zugang zur Toilette verhindert und gut erkennbare Orientierungssysteme im Gebäude. Darüber hinaus sollen technische Hilfsmittel Menschen mit einer Seh- oder Hörbeeinträchtigung unterstützen.

Komfort und Sicherheit

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Ausstattung soll Komfort und Sicherheit sein, welches mit einem durchdachten Sicherheitskonzept verbunden ist, weil es das Ziel ist, eine Umgebung zu schaffen, in der sich alle Schülerinnen und Schüler wohl und beschützt fühlen. Ergonomische Stühle unterstützen eine gesunde Körperhaltung und lassen sich flexibel an unterschiedliche Lernformen anpassen. Auch ausreichende Steckdosen und Lademöglichkeiten für digitale Geräte am Sitzplatz erleichtern den Schulalltag. Auch hier besteht die Gefahr, dass die Steckdosen zweckentfremdet werden, damit Schüler ihr Handy benutzen und im Unterricht nicht aufpassen. Schließfächer sorgen dafür, dass Materialien nie mehr vergessen werden und gleichzeitig verstaut werden, um dem Schulranzen zu entlasten. Neben Komfort ist Sicherheit ein zentraler Aspekt. Moderne Brandschutzsysteme, klar ausgewiesene Fluchtwege sind notwendig, um Risiken wie einen Brandfall zu minimieren.

Nachhaltige Ausstattung

Nachhaltigkeit spielt auch bei der Ausstattung eine wichtige Rolle. So sollen Led-Beleuchtungen und stromsparende Geräte den Energieverbrauch reduzieren und gleichzeitig die Umwelt schonen. Wasserspender können Einwegflaschen ersetzen und so Müll vermeiden. Darüber hinaus tragen langlebige Materialien dazu bei, Ressourcen zu sparen und die Umweltbelastung zu minimieren, um die Schule nachhaltiger und zukunftsfähiger zu gestalten.

Schulalltag

Ausgewogene Tagesstruktur

Ein wichtiger Aspekt in einer Schule der Zukunft ist eine Balance zwischen Lernen und Erfolg, längere Konzentrationsphasen sollte durch Pausen und entspannte Aktivitäten unterbrochen werden, sodass die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt, aber Stress reduziert wird.

Bewegung und Pausen

Bewegung sollte viel mehr in den Schulalltag integriert werden – ein kurzer Spaziergang durch den Schulhof oder kurze Bewegungsübungen können dabei helfen, sich besser zu konzentrieren und ausgeglichener zu sein. Im regulären Schulalltag ist Bewegung abgesehen von den Sportstunden und den Gang zur Toilette oder Flasche auffüllen eher zweitrangig.

Unterrichtszeiten

Aktuell wird darüber diskutiert, die Schule um 9:00 Uhr beginnen zu lassen und nicht wie üblich an der Beruflichen Oberschule Friedberg um 8:15 Uhr. Dadurch wirken Schülerinnen und Schüler ausgeschlafener und können sich besser konzentrieren. Allerdings muss auch beachtet werden, dass viele dadurch möglicherweise später ins Bett gehen, wodurch der positive Effekt wieder verloren gehen kann. Ich persönlich finde die Idee nicht gut. Stattdessen sollte der Unterricht lieber früher enden, sodass Schülerinnen und Schüler mehr Freizeit am Nachmittag und Abend haben.

Text: Justin A.

Berlin, Berlin, Wir fahren zum Schülerzeitungskongress nach Berlin!

Mitte Juni 2026 waren wir vom Friedo-Redaktionsteam auf Einladung der Jugendpresse in Berlin, nachdem wir beim Schülerwettbewerb der Länder den ersten Platz in der Kategorie „Online“ der Beruflichen Schulen gewonnen hatten. Obwohl wir nur wenig mehr als zwei Tage dort waren, fühlte sich die Zeit in Berlin mit Schülerzeitungskongress in der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Preisverleihung im Bundesrat wie eine ganze Woche an. Wir waren viel unterwegs, haben gelernt, wie vielfältig und umfangreich der Journalismus ist, und konnten spannende Einblicke in die Medienwelt gewinnen. Besonders beeindruckend war, dass wir die Möglichkeit hatten, mit professionellen Journalistinnen und Journalisten ins Gespräch zu kommen und uns mit anderen Schülerzeitungen auszutauschen.

Montag

Unsere Reise begann in Augsburg um 9:47 Uhr. Obwohl ich schon mehrere Male in Berlin war, hatte ich gefühlt tausend Sachen im Kopf, die ich gerne machen wollte: das Brandenburger Tor ansehen, den Checkpoint Charlie besuchen, einen Döner am Alexanderplatz essen und das Wichtigste: Inspirationen für unsere Schülerzeitung sammeln. Die Zeit auf dem Weg nach Berlin habe ich mit Zeichnen verbracht und mich auf die kommenden Tage gefreut.

Am Montagabend waren wir im Europäischen Haus in der Nähe des Brandenburger Tors. Dort wurde uns der Ablauf der kommenden Tage erklärt und wir haben gemeinsam mit dem ganzen Raum, der voll von anderen deutschen Gewinner-Redaktionen war, Kennenlernspiele gespielt. So wurde der Saal als Deutschlandkarte vorgestellt und unsere Aufgabe war es einzuschätzen, wo Friedberg liegt, des Weiteren wurde eine These rund um das journalistische Kerngeschäft in den Raum gestellt und wir mussten uns in die Ecke stellen je nachdem, ob wir dieser These zustimmen oder ablehnen und anschließend gab es zu Abendessen Kartoffelsalat, Gnocchi und vegane Currywurst.

Dienstag

Am Dienstag waren wir von 8:45 Uhr bis 16:30 Uhr in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Im sogenannten „Erzählcafé“ unterhielten sich die Journalistinnen Pauline Reinhardt (freie Journalistin), Janina Bauer (Correctiv Schweiz), Susanne Memarnia (taz Berlin) und Dagmar Reim (ehemalige Intendantin des rbb) gemeinsam mit der Moderatorin Clara Hoheisel (Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland) über verschiedene Themen des Journalismus. Dabei ging es unter anderem um die Bedeutung des Lokaljournalismus und die Herausforderungen, vor denen Journalistinnen und Journalisten heute stehen.

Anschließend berichteten die Journalistinnen und Journalisten in kleineren Gesprächsrunden von ihrem persönlichen Weg in den Journalismus. Dabei hatten wir die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mehr über ihren Berufsalltag sowie ihre Erfahrungen zu lernen.

Danach wurden wir Workshops zugeteilt, die wir zuvor individuell auswählen konnten. Ich entschied mich für den Podcast Workshop unter der Leitung von Laura Vorsatz, die unter anderem den Podcast „Feminismus mit Vorsatz“ veröffentlicht, der auf Spotify und anderen Plattformen verfügbar ist. In diesem Workshop lernte ich, welches Equipment für die Produktion eines Podcast benötigt wird, wie eine Podcast-Folge sinnvoll strukturiert werden kann und wie man ein geeignetes Thema für einen Podcast findet.

Justin und Lirjona mit dem Schirmherr der Veranstaltung Andreas Bovenschulte, Präsident des Bundesrates; Foto: Bundesrat | Florian Gaertner

Mittwoch

Der Mittwoch war der aufregendste Tag der Reise, denn an diesem Tag fand die Preisverleihung des Schülerzeitungswettbewerbs der Länder statt. Die jungen Journalistinnen und Journalisten der Schülerzeitungen hatten die besondere Möglichkeit, im Plenarsaal des Bundesrates Platz zu nehmen – dort, wo normalerweise die Vertreterinnen und Vertreter der Bundesländer sitzen und über Gesetze abstimmen.

Anschließend wurden die Preisträgerinnen und Preisträger ausgezeichnet. Unsere Schülerzeitung Friedo erhielt den 1. Preis in der Kategorie „Online“ für Berufsschulen. Überreicht wurde die Auszeichnung von Andreas Bovenschulte (SPD), Präsident des Bundesrates und Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen.

In der Laudatio wurde unsere Redaktion für ihre verlässlichen Informationen, klaren Meinungen und ihre thematische Vielfalt gelobt. Besonders hervorgehoben wurden unser facettenreicher und kritischer Blick auf die Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz sowie die vielfältigen Einsatzfelder. Außerdem wurde gewürdigt, dass unsere Beiträge aktuelle Debatten aufgreifen und dabei stets einen Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herstellen.

Fazit: Die Preisverleihung war ein unvergesslicher Höhepunkt unserer Reise nach Berlin.

Text: Justin A.

Schülerzeitungskongress 2026: Interview mit Journalistin Pauline Reinhardt

Wie wird man eigentlich Journalistin? Welche Chancen und Herausforderungen bringt Künstliche Intelligenz für die Medien mit sich? Und wie lassen sich Fake News erkennen? Über diese und weitere Fragen sprachen wir im Rahmen des Erzählcafés beim Schülerzeitungskongress 2026 in Berlin mit der freien Journalistin Pauline Reinhardt aus Schleswig-Holstein. Im Interview berichtet sie von ihrem Weg in den Journalismus und ordnet aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Medienbranche ein.

Friedo: Hallo, würden Sie sich einmal ganz kurz vorstellen?

Pauline Reinhardt: Ja, hallo, ich bin Pauline Reinhardt und ich bin freie Journalistin
in Schleswig-Holstein.

Friedo: Wie kann man in den Beruf Journalismus reinrutschen?

Pauline Reinhardt: Ich würde sagen, es gibt verschiedene Möglichkeiten. Sehr viele
Leute machen ein Volontariat, das ist wie eine Art Ausbildung bei einem Medium. Ich
habe tatsächlich keine gemacht. Ich habe immer wieder so ein bisschen Erfahrung
gesammelt im Journalismus, auch neben dem Studium schon und bin dann da so
irgendwie reingekommen, habe mich natürlich beworben auf Sachen. Genau, da gibt
es ganz verschiedene Möglichkeiten. Also ich würde sagen, es gibt jetzt nicht den
einen Weg. Tatsächlich ist es inzwischen so, dass immer mehr Leute frei arbeiten im
Journalismus. Also es gibt gar nicht mehr so viele festangestellte Leute wie früher.
Und die meisten werden auch erst so später, so im Laufe der Karriere, irgendwann
vielleicht mal festangestellt.

Friedo: Wie kann man Lokaljournalismus attraktiver machen?

Pauline Reinhardt: Das ist eine sehr gute Frage. Ich würde sagen, einerseits durch
eine bessere Bezahlung tatsächlich. Also gerade Lokalzeitungen bezahlen häufig
recht schlecht im Vergleich auch zu größeren Medien. Wenn sich das ändern würde,
wäre schon mal ein großer Schritt. Dann natürlich dadurch, dass man irgendwie aktiv
sagt, wir binden auch jüngere Leute ein, wir machen es für die attraktiv.

Friedo: Inwiefern beeinflusst negative Berichterstattung die mentale Gesundheit und
sehen Sie auch die Medien in der Verantwortung?

Pauline Reinhardt: Ich finde es eine voll gute Frage, da könnte man glaube ich
super lange darüber diskutieren. Ich würde sagen ja, auf jeden Fall gibt es das
Problem. Wir kennen das ja auch irgendwie, man hat News-Ticker-Apps auf dem
Handy, ist gerade eigentlich mit etwas anderem beschäftigt, dann kommt irgendwie
wieder eine negative Nachricht rein über Krieg oder so. Ich würde sagen, da kann
man natürlich auch selbst als Konsument so ein bisschen gegensteuern und sagen:
Okay, wann konsumiere ich denn Medien? Muss ich wirklich die ganze Zeit immer
sofort top informiert sein? Oder habe ich so bestimmte Momente, in denen ich das in
Ruhe mache und mich auch damit auseinandersetzen kann? Aber natürlich kann
man nicht nur sagen, dass die Verantwortung bei den Leuten liegt, die es
konsumieren. Was so ein Buzzword ist, sag ich mal, ist konstruktiver Journalismus.
Der ist halt so lösungsorientiert. Also wenn man sagt, wir berichten über eine Krise,
Dann berichten wir aber auch über Lösungen und wie man aus dieser Krise rauskommen kann und enden auch so ein bisschen damit, damit man auf so einer
positiven Note rausgehen kann. Das könnte eine Lösung sein.

Friedo: Und was sind so die Herausforderungen und Chancen mit KI im
Journalismus?

Pauline Reinhardt: Ja, auch wieder so eine Frage, wo man ganz viel zu sagen
kann. Für mich persönlich ist eine wichtige Chance, dass man mit KI viel besser
transkribieren kann als früher. Also früher habe ich ein Audio aufgenommen, dann
habe ich mir das nochmal angehört und alles abgetippt. Das dauert Ewigkeiten, ist
super umständlich. Und inzwischen schmeiße ich das eben in ein Programm, was mit
KI unterstützt wird und das gibt mir total gute Transkriptionen von meinem Gespräch.
Das ist für mich persönlich so ein Punkt, wo ich sagen würde, KI ist super hilfreich.
Herausforderungen sind natürlich besonders, wenn im Internet total viele Texte sind,
die mit KI geschrieben sind, die nicht nochmal überprüft worden sind. Es kann sich ja
jeder auch irgendwie Journalist*in nennen und einfach so einen Text mit KI erstellen
und online stellen. Ich finde, da wäre halt eine Lösung zu sagen, wir brauchen ganz
klare Richtlinien, wie man damit umgehen kann.

Friedo: Und inwiefern werden Podcasts eine Rolle im Journalismus spielen?

Pauline Reinhardt: Ich würde sagen, das tun sie schon. In Deutschland gibt es seit
ein paar Jahren immer mehr Podcasts, die auch journalistisch sind. Ich würde sagen,
der Trend aus den USA ist ein bisschen rübergeschwappt und ist natürlich bei uns
ein bisschen später angekommen. Aber spielt schon eine total große Rolle.

Friedo: Und wie erkennt man Fake News?

Pauline Reinhardt: Auch da gibt es viele verschiedene Sachen, finde ich. Also
erstmal überhaupt checken, wer erzählt mir da was? Ist das eine seriöse Quelle?
welche Absicht haben die vielleicht auch hinter dem, was sie da mir verklickern
wollen. Und dann würde ich auch immer abgleichen. Also man kann verschiedene
Medien konsumieren und sagen, okay, die schreiben jetzt das, wie schreiben das
denn andere? Und dann kann ich so ein bisschen vergleichen. Und wenn die wirklich
die Einzigen sind, die das so schreiben, könnte ich das nochmal hinterfragen.

Friedo: Vielen Dank für das Interview!

Das Interview für Friedo führte unser Autor Justin A.

Digital Overload – Macht uns die digitale Welt krank?

Für viele ist der Blick auf das Smartphone vor dem Frühstücken schon normal. Im Unterricht sollte man sich lieber konzentrieren, aber stattdessen beantwortet man Nachrichten und am Abend beendet man den Tag mit TikTok oder YouTube. Wir sind ständig erreichbar, ständig online und ständig werden wir mit neuen Inhalten überflutet. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Macht uns die digitale Welt vielleicht krank? Zwischen Unterhaltung, sozialem Druck und endloser Bildschirmzeit vermischen sich Alltag und Überforderung immer mehr.

2024 warnte die WHO vor einem problematischen Umgang mit dem Handy. Kein Wunder, denn das Handy ist schnell aufgeladen, passt in jede Hosentasche und ist immer griffbereit. Egal ob man 30 Minuten auf den Zug oder Bus wartet oder in der Pause zwischendurch – es wird zum Handy gegriffen und endlos durch verschiedene Apps gescrollt. Wie viele gehen noch ohne Handy außer Haus? Ich denke, es sind nur noch die Wenigsten.

Darüber hinaus kommt der Einfluss soziale Medien auf das Selbstbild. Auf diversen Plattformen werden meist nur die perfekten Momente gezeigt: schöne Körper, erfolgreiche Menschen, aber nicht die Arbeit oder scheinbar ideale Lebensstile. Die ständigen Konfrontationen führen dazu, dass sich Jugendliche mit anderen vergleichen und das eigene Leben als weniger spannend oder nicht gut genug empfinden. Deshalb sollten wir uns fragen, was in den sozialen Medien konsumiert wird. Sind es Inhalte, die einen Mehrwert bieten wie um Beispiel man Geld spart oder anlegt oder sind es Inhalte, die unseren Selbstwert nachhaltig schädigen? Gerade weil Social Media so stark auf Unterhaltung und schnelle Reize ausgelegt ist, gerät dieser Unterschied oft in den Hintergrund.

Auch das Phänomen der „Fear of Missing Out“ (FOMO) spielt eine zentrale Rolle, weil viele haben das Gefühl ständig online sein zu müssen, um keine neuen Trends oder Nachrichten zu verpassen, denn sowas kann zu Stress führen und die Erholung in der Freizeit beeinträchtigen.

Ein weiterer Punkt ist die Konzentration im Alltag. Durch dauerhafte Benachrichtigungen und die Gewohnheit, regelmäßig auf das Handy zu schauen leidet die Aufmerksamkeitsspanne, denn vielen fällt es schwer sich auf eine längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Besonders in der Schule kann es zu Problemen führen, wenn die Aufmerksamkeit schnell unterbrochen wird und das Lernen dadurch schwerer wird.

Die digitale Welt bietet aber auch einige Vorteile: Zum Beispiel ermöglicht es schnellen Kontakt weltweit, bietet Zugang zu Wissen, Lernmaterialien und eröffnet kreative Möglichkeiten, etwa durch das Erstellen eigener Videos oder Projekte. Auch in der Schule werden digitale Geräte immer mehr benutzt und können das Lernen erleichtern.

In der Praxis zeigt sich aber, dass die Vorteile nicht konsequent genutzt werden. Häufig ist die Ablenkung durch Spiele, Social Media oder andere Apps größer, sodass die schulische Anwendung in den Hintergrund gerät.

Dennoch bleibt die Frage, ob diese Vorteile die möglichen Belastungen ausgleichen. Entscheidend ist daher weniger die digitale Welt selbst, sondern viel mehr der Umgang mit ihr und die Fähigkeit, bewusste Pausen einzulegen.

Text: Justin A.

Prüfungsangst, psychische Gesundheit und Künstliche Intelligenz – Interview mit Schulpsychologin Elisabeth Hübner

Einleitung

Psychische Belastungen spielen im Schulalltag vieler Schülerinnen und Schüler eine große Rolle. Besonders das Thema Prüfungsangst betrifft viele Jugendliche. In diesem Interview spricht Frau Elisabeth Hübner, Schulpsychologin an der FOS/BOS Friedberg und an der FOSBOS Augsburg, über ihre Aufgaben, über Prüfungsangst, über den psychischen Zustand der Generation Z sowie über Chancen und Grenzen von Künstlicher Intelligenz im therapeutischen Bereich.

Vorstellung

Justin: Könnten Sie sich für Schülerinnen und Schüler, die Sie noch nicht kennen, kurz vorstellen und erklären, was Ihre Aufgabe als Schulpsychologin ist?

Frau Hübner: Hallo und erst einmal danke für die Einladung zum Interview! Mein Name ist Elisabeth Hübner. Ich bin seit 2018 an der FOS/BOS Friedberg und ich bin hier Mathelehrerin, Pädagogik- und Psychologielehrerin, Kommunikations- und Interaktionslehrerin und als Schulpsychologin für das Thema Inklusion zuständig. Das heißt, ich bin die Ansprechpartnerin für alle Schüler*innen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, also alles, was in diese Richtung geht. Zusätzlich bin ich an der FOSBOS Augsburg als Schulpsychologin eingesetzt.

Foto: Justin A.

Justin: Mit wem kommen Sie denn in der Regel ins Gespräch?

Frau Hübner: Man ist Ansprechpartnerin für alle Schüler*innen, deren Eltern, sowie für die Lehrkräfte zu allen Themen bezüglich der Psyche, also zum Beispiel Motivation, Konzentration, Prüfungsangst, aber auch emotionale Themen oder familiäre Probleme. Es gibt da eigentlich keine klar gefassten Themengrenzen, sage ich jetzt mal. Wichtig ist aber, dass wir als Schulpsycholog*innen keine Diagnosen stellen und auch keine Therapie anbieten können, sondern dass wir zu den Themen beraten. Wenn es aus unserer Sicht Krankheitswert hat oder eine Therapie indiziert ist, dann können wir in der Beratung erklären, welche Schritte nötig sind und wo man Informationen zum Thema Psychotherapie findet. Alle Schulpsycholog*innen unterliegen gesetzlich der Schweigepflicht, und zwar sowohl gegenüber Lehrkräften oder natürlich auch der Schulleitung als auch gegenüber den Eltern.

Justin: Unterliegt Ihre Arbeit einer Schweigepflicht?

Frau Hübner: Die Schweigepflicht gegenüber den Eltern ist eingeschränkt quasi. Wir setzen voraus, dass die Einsichtsfähigkeit in die Konsequenzen des eigenen Handelns gegeben ist
Sprich, dass sie abschätzen können, welche Konsequenzen das eben hat, dass ihre Eltern da über bestimmte Themen nicht informiert werden. Aber jetzt bei FOS/BOS-Schülern gehen wir davon aus, einfach weil sie alt genug sind und in der Regel die kognitive Reife so weit haben sollten. Eine zusätzliche Ausnahme ist, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt oder wenn eine Straftat angekündigt wird. Aber davon abgesehen unterliegt wirklich alles ganz streng der Schweigepflicht.

Prüfungsangst und Nervosität

Justin: Was genau versteht man unter Prüfungsangst, und wie unterscheidet sie sich von normaler Nervosität vor einer Prüfung?

Frau Hübner:
Das ist eine sehr gute Frage, da haben Sie schon eine ganz wichtige Unterscheidung angesprochen, nämlich die Abgrenzung von normaler Nervosität und echter Angst. Nervosität, Aufregung, Anspannung und ein gewisser Grad an Angst – wie auch immer man das nennen will – sind erst einmal ganz normal. Es ist eine normale Reaktion auf eine stressige Situation, in unserem Fall eine Prüfung. Und es hat auch einen Sinn oder eine Funktion. Es soll uns aktivieren, es soll uns leistungsbereit machen und unsere Sinne schärfen.

Justin: Lässt sich das auch wissenschaftlich belegen?

Frau Hübner: Es gibt dazu eine Kurve oder einen Graphen, der ganz gerne herangezogen wird und den ich eigentlich sehr eindrucksvoll finde. Er heißt Yerkes-Dodson-Kurve. Die besagt, dass wir die beste Leistung bei mittlerer Anspannung oder Erregung haben. Bei zu wenig Anspannung oder Erregung sind wir unkonzentriert, unmotiviert und können keine gute Leistung erbringen, weil uns der Antrieb fehlt. Wenn die Erregung jedoch zu hoch ist, sinkt das Leistungsniveau wieder, weil wir dann im Bereich der Überforderung sind. Und da sind wir bei der Prüfungsangst. Sprich: Wenn die Angst zu groß wird, sodass man sich überfordert fühlt und sein Wissen nicht mehr abrufen kann, dann ist es Prüfungsangst und nicht mehr nur Nervosität.

Justin: Welch Symptome können dabei auftreten?

Frau Hübner: Es gibt keine feststehende Definition von Prüfungsangst, weil es keine offizielle Diagnose ist. Grundsätzlich handelt es sich um Angstsymptome, die im Zusammenhang mit Prüfungen auftreten. Das können körperliche Symptome sein wie Übelkeit, Herzrasen, Zittern oder Schwitzen, aber auch kognitive Angstgedanken, Panikgedanken oder eine Unfähigkeit zu denken, also ein Blackout. Natürlich gehört auch emotional dieses starke Angstgefühl dazu. Es kann sich auf einzelne Fächer beschränken oder auf bestimmte Prüfungstypen, zum Beispiel nur auf mündliche oder nur auf schriftliche Prüfungen. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein. Bei manchen löst schon der Gedanke an die Prüfung leichte Angstsymptome aus, bei anderen ist es erst der Moment, wenn der Lehrer hereinkommt und sagt: „Alle Tische auseinanderstellen.“ Da gibt es also kein einheitliches Bild.

Körperliche Symptome bei Prüfungsangst

Justin: Welche körperlichen Symptome treten am häufigsten bei Schüler*innen auf?

Frau Hübner:
Besonders häufig sind Magen-Darm-Probleme, also zum Beispiel Übelkeit oder Durchfall, aber auch Herzrasen, Zittern, Schwitzen oder Rotwerden. Auch hier ist die Ausprägung ganz unterschiedlich. Bei manchen tritt das eine auf, bei anderen etwas anderes oder mehrere Symptome gleichzeitig

Wann wird Angst behandlungsbedürftig?

Justin: Woran erkennen Schülerinnen und Schüler, dass Stress oder Angst nicht mehr „normal“, sondern behandlungsbedürftig wird?

Frau Hübner: Wenn es die Schüler*innen so einschränkt, dass sie immer wieder ihre Leistung nicht zeigen können, obwohl sie eigentlich gut vorbereitet sind und den Stoff außerhalb der Prüfungssituation beherrschen. Und wenn ein hoher Leidensdruck, also eine starke emotionale Belastung, damit einhergeht, wenn Selbstzweifel auftreten und man in Prüfungen immer wieder das Gefühl hat zu versagen. Das subjektive Empfinden ist hier entscheidend. Wenn es sich sehr einschränkend oder sogar unerträglich anfühlt, dann ist es auf jeden Fall sinnvoll, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.


Strategien im Umgang mit Prüfungsangst

Justin: Welche kurzfristigen Strategien helfen direkt vor oder während einer Prüfung?

Frau Hübner: Kurzfristig ist das immer etwas schwierig. Atemtechniken können helfen, beruhigende Gedanken im Sinne eines Mantras oder Gedankenstopp-Übungen. Aber eigentlich sollte das vorher eingeübt worden sein, damit man es in der Angstsituation, die ja eine Ausnahmesituation darstellt, auch wirklich abrufen kann. Manchen Schüler*innen hilft ein Glücksbringer oder ein Symbol als Erinnerung an die Technik oder an beruhigende Gedanken. Wichtig ist, die Technik früh genug einzusetzen, also sobald die ersten Angstanzeichen auftreten. In der Beratung kann man gemeinsam herausarbeiten: Was ist bei mir das erste Zeichen, dass die Angst kommt? Bei manchen ist es ein Kribbeln im Bauch. Sobald man das merkt, sollte man direkt intervenieren, zum Beispiel mit einer Atemtechnik.

Justin: Haben Sie noch weitere Tipps?

Frau Hübner: Generell als Tipp für Prüfungen würde ich sagen: Es ist sinnvoll, mit den Aufgaben anzufangen, bei denen man sich gut fühlt. Also mit Themen, die man besonders gut verstanden hat. Das gibt zu Beginn ein gutes Gefühl. Wenn die Zeit nicht reichen sollte, bleiben dann die Aufgaben übrig, die man ohnehin weniger gut gekonnt hätte. Wenn einen vor der Prüfung die Aufregung der Mitschüler*innen stresst – also wenn ständig gefragt wird: „Hast du das gelernt? Denkst du, das kommt dran?“ – dann ist es sinnvoll, diese Kontakte bewusst zu vermeiden. Man kann das klar kommunizieren und sagen, dass einen das stresst. Man kann Musik hören, kurz zur Toilette gehen oder an die frische Luft gehen und versuchen, sich nicht mitreißen zu lassen.

Justin: Was ist besonders in der Vorbereitung auf Prüfungen wichtig?

Frau Hübner: Eine langfristige Strategie ist das „Overlearning“, also eine sehr intensive Vorbereitung, mehr zu lernen als eigentlich notwendig wäre, damit das Wissen besonders tief verankert ist. Man muss ehrlich sagen: Prüfungsangst ist manchmal auch eine berechtigte Angst, wenn man nicht gut vorbereitet ist. Wenn man unter Zeit- und Notendruck mit seinem Unwissen konfrontiert wird, kann Panik entstehen. Bei einigen war der ursprüngliche Auslöser eine Prüfung, in der sie schlecht vorbereitet waren und sich hilflos gefühlt haben. Das kann sich verselbstständigen und zu einer generellen Prüfungsangst führen. Deshalb ist gute Vorbereitung eine sehr hilfreiche langfristige Strategie.

Generation Z und psychische Probleme

Justin: Warum sind aus Ihrer Sicht besonders viele junge Menschen der Generation Z von psychischen Problemen betroffen?

Frau Hübner: Die Betroffenen haben seit klein auf eine andere Art der Kommunikation gelernt und sind diese gewohnt. Dadurch gestalten sich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen anders. Zusätzlich sind die jungen Menschen sehr stark mit der Informationsflut durch das Internet konfrontiert, was es früher noch nicht in diesem Ausmaß gab. Man kann sich kaum vor der Fülle an Informationen und auch polarisierenden Inhalten retten. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten als jemals zuvor, was einerseits gut ist, aber auch Unsicherheit und weniger Orientierung mit sich bringt. Ich denke, das sind wichtige Faktoren.

Justin: Gibt es hier weitere Faktoren?

Frau Hübner: Was auch noch dazu kam, ist die Corona-Pandemie, die diese Gruppe in einer sehr sensiblen Phase erwischt hat. Je nachdem, welchen Teil der Generation Z man meint – Kindheit, Pubertät oder junges Erwachsenenalter – aber auf jeden Fall in einer Zeit, in der soziale Kontakte sehr wichtig sind, in der es darum geht, sich mit Gleichaltrigen auszuprobieren und zwischenmenschliche Kontakte sowie Erlebnisse zu sammeln. Dieses Sich-ausprobieren-Können fiel während Corona aus, einerseits in der Schule und auch im Freizeitbereich, zum Beispiel Hobbys und Vereine. Treffen mit Freund*innen waren schwierig. Die Menschen hatten weniger Bewegung, weniger Sport, was sich nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Gesundheit auswirkt.

Justin: Was haben Sie persönlich darüber erfahren?

Frau Hübner: In der Beratung habe ich auch sehr oft gehört, dass Hobbys während Corona eingeschlafen sind und später nicht wieder aufgenommen wurden. Das ist ebenfalls ein großer Faktor, weil dadurch nicht nur Erfolgserlebnisse fehlen, sondern auch außerschulische Erfahrungen im Vergleich zu anderen Generationen stark reduziert wurden. Was noch dazu kommt, ist die Verunsicherung durch die vielen weiteren Krisen, die es aktuell gibt. Einerseits Corona mit den damit einhergehenden Ängsten und Problemen, aber auch die Klimakrise, Krieg, politische Entwicklungen, etc. Die Kinder bzw. Jugendlichen haben auch die Sorgen ihrer Eltern wahrgenommen, beispielsweise Arbeitslosigkeit oder die Sorge um den Arbeitsplatz, und sind dadurch zusätzlich verunsichert. Die Kombination aus Informationsflut und Corona-Pandemie hat den sozialen Rückzug verstärkt und Vereinsamung gefördert.

Justin: Welche Rolle spielen Soziale Medien?

Frau Hübner: Oft findet sozialer Kontakt über soziale Medien statt. In der Beratungspraxis war ich selbst erschrocken, als mir von Gesprächen erzählt wurde und sich später herausstellte, dass diese gar nicht persönlich stattgefunden haben. Gute, echte Beziehungen sind ein wichtiger Schutzfaktor für die menschliche Psyche. Die Tatsache, dass sich vieles auf das Smartphone verlagert, sehe ich als einen Punkt, der in diese Problematik hineinspielt. Ein positiver Faktor, den ich hervorheben möchte, ist, dass die Generation Z mehr über mentale Probleme spricht als frühere Generationen.

Künstliche Intelligenz und Psychotherapie

Justin: Zum Abschluss eine gesellschaftliche Frage: Glauben Sie, dass Künstliche Intelligenz in Zukunft eine Psychotherapie ersetzen kann – oder wo sehen Sie klare Grenzen?

Frau Hübner: Eine klare Antwort: Die KI kann keine Psychotherapie ersetzen. Die KI bietet Chancen zur Information, zum Beispiel wie man einen Therapieplatz bekommt oder welche Therapieformen es gibt. Je nach Fall kann sie auch zur Überbrückung von Wartezeiten hilfreich sein, da es ein großes Problem ist, dass der Bedarf hoch ist, aber zu wenige Therapieplätze vorhanden sind. Dadurch entstehen lange Wartezeiten. Je nach Symptomatik kann es hilfreich sein, zumindest vorübergehend mit einer KI einen „Gesprächspartner“ zu haben. Man kann sich von der KI Entspannungsmethoden oder Meditationsübungen anleiten lassen. Eine klare Begrenzung gibt es jedoch. Man muss sich bewusst sein – was auch ein Thema im Unterricht ist –, dass die Antworten und Empfehlungen der KI fehlerhaft sein können und kritisch hinterfragt werden müssen.

Justin: Sehen Sie hier noch weitere Probleme?

Frau Hübner: Ich denke, psychisch angeschlagene oder psychisch erkrankte Menschen tun sich oft schwer, die Kraft für eine gründliche Recherche aufzuwenden, um zu prüfen, was richtig oder falsch ist. Ein Problem der KI ist, dass sie den Nutzer in seiner Wahrnehmung bestärkt und weniger hinterfragt. Sie hat eine „Ja-Sager-Tendenz“ und regt nicht unbedingt zum kritischen Hinterfragen an. Das kann bei Krankheitssymptomen, zum Beispiel bei jemandem mit niedrigem Selbstwertgefühl, sehr fatal sein. Die KI versucht, dem Menschen zu gefallen, und ist teilweise zu unkritisch. Sie suggeriert Empathie und simuliert eine Beziehung zwischen dem Nutzer und der KI, obwohl kein echter Mensch dahintersteht. Es ist jedoch bekannt, dass die therapeutische Beziehung einer der maßgeblichen Erfolgsfaktoren einer Psychotherapie ist. Weil dieser Beziehungspartner nicht existiert, sehe ich das sehr kritisch.

Justin: Gibt es hierzu schon wissenschaftliche Studien?

Frau Hübner: Es gibt Studien, die untersucht haben, inwiefern sich KI an Therapieempfehlungen hält, und gezeigt wurde, dass sie das nicht konsequent tut. Die KI gibt eher Ratschläge, anstatt Klient*innen dazu zu animieren, selbst Lösungen zu finden. Teilweise reagiert sie unangemessen auf suizidale Äußerungen, was ein sehr gefährlicher Bereich ist. Es gibt leider auch Suizidfälle, die im Zusammenhang mit KI stehen. Da sind wir in einem Bereich, in dem wir nicht mehr diskutieren müssen, ob KI eine Therapie ersetzen kann. Da ist die Grenze überschritten. Ein weiterer Punkt ist der Datenschutz. Psycholog*innen unterliegen der Schweigepflicht. Wenn sensible Daten in eine KI eingegeben werden, weiß man nicht genau, wo diese gespeichert werden oder was damit passiert.

Justin: Was bedeutet das alles in Bezug auf die Gen Z?

Frau Hübner: Wir hatten gerade das Thema Einsamkeit der Generation Z: Auch hier sehe ich eine Gefahr, da eine Therapie mit KI sozialen Rückzug fördern könnte. Für eine echte Therapie muss man das Haus verlassen, sich auf den Weg machen, gegebenenfalls öffentliche Verkehrsmittel benutzen, mit jemandem in der Anmeldung kommunizieren und ist zur sozialen Interaktion gezwungen. Das ist für manche unangenehm oder schwierig, aber notwendig für Routine und Entwicklung. Wenn man die Therapie durch KI ersetzen würde, würde das alles wegfallen und die Isolation könnte sich verstärken.

Justin: Wir danken Ihnen für Ihre Zeit und das interessante Gespräch.

Interview: Justin A.

Wenn der Therapeut fehlt: Kann KI die Lücke schließen?

Aufgrund des Mangels an Therapieplätzen und der gleichzeitig hohen Nachfrage warten psychisch erkrankte Menschen in Deutschland in der Regel teilweise vier bis sechs Monate auf einen Therapieplatz. Nicht alle Betroffenen halten diese Wartezeit aus und greifen daher auf Alternativen zurück. Eine dieser Alternativen kann ChatGPT sein – ein KI-basierter Chatbot, der nur auf den zweiten Blick wie ein Therapeut wirkt. Der „Patient“ schildert seine Sorgen und Nöte, der Chatbot antwortet verständnisvoll und strukturiert. Doch wie effektiv ist das wirklich?

Experten und Fachverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Psychologie betonen ausdrücklich, dass KI-basierte Systeme lediglich eine Ergänzung, niemals aber ein Ersatz für eine psychotherapeutische Behandlung sein dürfen.

Studien der Ohio State University zeigen, dass Probanden Antworten von ChatGPT teilweise höher bewerteten als die von ausgebildeten Psychotherapeuten. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die KI längere, ausführlichere Antworten formuliert, mehr Substantive und Adjektive verwendet und stärker kontextualisiert. Diese sprachliche Ausführlichkeit kann den Eindruck von Tiefe und Verständnis erzeugen, was dazu führte, dass die Antworten subjektiv besser bewertet werden.

Zeichnung: Lirjona K.

Doch genau hier liegt das große Problem.

In einem TikTok-Video sagt eine junge Frau: „Ich mache seit gestern Therapie mit ChatGPT – und es hat mein Leben verändert.“ Gerade jungen Menschen fällt es oft leichter, sich einem Chatbot zu öffnen als einer realen Person. Die KI wird dabei zunehmend als eine Art Psychotherapeut wahrgenommen. Doch ein Chatbot bleibt ein Chatbot: Er besitzt keine menschlichen Eigenschaften wie echtes kritisches Hinterfragen, emotionale Intuition oder moralische Verantwortung. Während Freunde oder Familie mit Problemen oft überfordert wirken und mit Floskeln wie „Das wird schon wieder!“ reagieren, scheint die künstliche Intelligenz immer verfügbar, geduldig und verständnisvoll.

Seit der Corona-Pandemie ist bekannt, dass junge Menschen deutlich häufiger unter psychischen Erkrankungen leiden als frühere Generationen. Entsprechend groß ist ihr Bedürfnis nach Unterstützung. Doch genau diese Unterstützung bleibt aufgrund des massiven Therapeutenmangels häufig aus. In dieser Lücke gewinnt künstliche Intelligenz an Bedeutung – birgt jedoch zugleich das Risiko, falsche Sicherheit zu vermitteln und professionelle Hilfe zu ersetzen, statt sie zu ergänzen.

In der Verantwortung sehe ich persönlich die Politik und verantwortliche Menschen in Universitäten, die zum Beispiel den NC für das Psychologie Studium abschaffen oder lockern sollen, um zukünftigen Psychologen den Zugang zum Studium zu erleichtern, damit die hohe Nachfrage zukünftig gedeckt werden kann.

Ich selber habe ChatGPT gefragt: Kann eine KI eine Psychotherapie ersetzen?

Antwort: „Eine künstliche Intelligenz kann eine Psychotherapie nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Psychotherapie beruht auf einer echten menschlichen Beziehung, in der Empathie, Vertrauen, nonverbale Signale und professionelles Urteilsvermögen entscheidend sind. Therapeutinnen und Therapeuten können Diagnosen stellen, Risiken erkennen und individuell auf Krisen reagieren – Fähigkeiten, die eine KI nicht besitzt.

Bild: ChatGPT; Prompt: „Kannst du mir ein Bild generieren zum Thema KI ersetzt Psycho-Therapie.“ So stellt sich eine künstliche Intelligenz also selbst eine Therapiesitzung der Zukunft vor!

Zwar wirken KI-Antworten oft verständnisvoll und gut strukturiert, was entlastend sein kann, doch genau darin liegt die Gefahr einer falschen Sicherheit. Betroffene könnten den Eindruck gewinnen, dass ihnen ausreichend geholfen wird, obwohl keine professionelle Behandlung stattfindet.

Als Unterstützung kann KI dennoch sinnvoll sein, etwa zur Selbstreflexion, zur Vermittlung von Informationen oder zur Überbrückung langer Wartezeiten. Psychotherapie jedoch ist mehr als ein gutes Gespräch: Sie bedeutet Verantwortung, Beziehung und fachliche Behandlung – und bleibt damit unersetzbar.

Meine persönliche Meinung ist eindeutig: Psychotherapie ist weit mehr als nur Reden. In vielen Fällen benötigen Patientinnen und Patienten zusätzlich eine medikamentöse Behandlung, die ausschließlich von qualifizierten Fachkräften verordnet werden darf. Ein Chatbot kann nach aktuellem Stand keine Psychotherapie ersetzen, da ihm grundlegende menschliche Eigenschaften wie echte Empathie, Verantwortungsbewusstsein und professionelles Urteilsvermögen fehlen.

Zudem arbeiten Chatbots stark wahrscheinlichkeitsbasiert, was in einer sensiblen therapeutischen Behandlung nicht zielführend ist. Psychotherapie erfordert individuelle Einschätzung, kritisches Hinterfragen und eine verlässliche Einordnung psychischer Zustände. Darüber hinaus sind KI-Systeme nicht fehlerfrei und können falsche oder sogar gefährliche Inhalte erzeugen. So gab es in den USA bereits dokumentierte Fälle, in denen Chatbots problematische oder sogar suizidbezogene Anleitungen gegeben haben.

Fazit: Aus diesen Gründen kann künstliche Intelligenz zwar unterstützend wirken, eine professionelle psychotherapeutische Behandlung jedoch nicht ersetzen.

Text: Justin A.

„Wer nicht gut schläft, kann auch nicht gut lernen“: Im Gespräch mit unserer Verbindungslehrerin Martina Klaus

Unsere Verbindungslehrkraft Frau Klaus unterrichtet an unserer Schule die Fächer Englisch und Wirtschaft. Seit mittlerweile drei Jahren gehört sie fest zum Kollegium. Zuvor war sie sieben Jahre an der Fachoberschule in Fürth tätig, bevor sie sich entschied, in ihre schwäbische Heimat zurückzukehren.

Foto: Justin A.

Als Verbindungslehrkraft ist Martina Klaus eine wichtige Ansprechpartnerin für Schüler und Lehrkräfte. Im Interview spricht sie über Konfliktlösung, Werte im Unterricht, mentale Gesundheit und persönliche Erfahrungen. Ich hatte die Möglichkeit, ihr einige Fragen zu stellen.

Was macht eine Verbindungslehrkraft?
Frau Klaus: „Eine Verbindungslehrkraft ist eine Verbindung zwischen den Schülern untereinander sowie zwischen Lehrern und Schülern und vertritt deren Interessen.“

Gibt es etwas, das Sie als Lehrkraft gelernt haben, aber in der Rolle als Verbindungslehrkraft anders sehen?
Frau Klaus: „Ich bin erst frisch Verbindungslehrkraft geworden. Mit dem alten Verbindungslehrerteam stand noch vor kurzem die SMV-Wahl an. Nach dieser Wahl übernahmen Herr Meier und ich dann die Arbeit, auf die ich mich sehr gefreut habe. Fragen Sie mich in einem Jahr nochmal.“

Wie würden Sie Ihren Umgang mit Konflikten beschreiben?
Frau Klaus: „Wenn es Konflikte gibt, ist es, glaube ich, gut, zunächst getrennte Wege zu gehen, um den ersten Ärger abzubauen und zu überlegen, worin das Problem besteht und welche Lösungen es geben könnte. Nach einer gewissen Zeit kann man sich dann wieder zusammen setzen, die verschiedenen Seiten anhören und versuchen einen Kompromiss zu finden, der für alle passt.“

Hat Ihnen Ihr Unterricht geholfen, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was die junge Generation bewegt?
Frau Klaus: „Ich habe das Gefühl, dass ich durch meinen Beruf näher an der jüngeren Generation bin. Der Nachteil an der FOS ist, dass wir wenig Zeit für emotionale Themen haben, da die Schulart stark fachlich orientiert ist. Ich versuche jedoch, die Schüler nicht nur fachlich, sondern auch auf einer freundlichen, emotionalen Ebene zu begleiten, sodass es nicht nur um Noten und Unterrichtsstoff geht, sondern auch um das Menschliche.“

Wenn Sie einen Tag lang Schülerin wären, was würden Sie verändern oder ausprobieren?
Frau Klaus: „Als Schülerin würde ich mich viel öfter auf die grünen Wackelstühle setzen und versuchen, die FOS so schnell wie möglich zu durchlaufen, um den Druck zu reduzieren und das Beste aus der kurzen Zeit zu machen. An der Schule passiert viel, zum Beispiel Weihnachtsaktionen, Mottowochen, Wandertage und Studienfahrten. Ich würde mich als Schülerin an solchen Dingen beteiligen und versuchen außerhalb des Unterrichts etwas zum Schulleben beizutragen.“

Welchen Zweig hätten Sie gewählt, wenn Sie heute Schülerin wären?
Frau Klaus: „Ich hätte wahrscheinlich den Sozialzweig gewählt, obwohl ich heute Wirtschaft unterrichte.“

Wenn Ihr Job als Lehrerin ein Song wäre, welcher wäre es?
Frau Klaus: „Das ist eine schwierige Frage, aber da ich bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit komme, fällt mir jetzt ‚Bicycle Race‘ von Queen ein. Die Musik von Queen ist sehr abwechslungsreich – mal schnell, mal laut, mal ruhig – genauso wie das Lehrerdasein. Die Arbeit im Klassenzimmer macht mir großen Spaß, weil ich mit Menschen arbeiten und ich mich mit Ihnen austauschen kann, daher wird es selten langweilig. Zuhause ist die Arbeit jedoch nicht vorbei: Man muss den nächsten Tag vorbereiten, Leistungsnachweise erstellen und korrigieren.“

Welches Fach in der FOS hätte Sie am meisten interessiert?
Frau Klaus: „Psychologie hätte mich wahrscheinlich am meisten interessiert.“

Wie entspannen Sie sich nach einem anstrengenden Schultag?
Frau Klaus: „Am besten entspanne ich direkt, wenn ich mit dem Fahrrad nach Hause fahre, um den Kopf frei zu bekommen. Danach mache ich etwas Sport, gehe relativ früh ins Bett und schaue meistens nicht Fern, da ich dann deutlich besser schlafen kann.“

Foto: privat

Was wünschen Sie sich von den Schülern, um Ihre Arbeit zu erleichtern?
Frau Klaus: „Mir ist wichtig, dass es den Schülern emotional gut geht. Durch einige Gespräche habe ich festgestellt, dass viele bereits erkannt haben, dass Handys und soziale Medien viel wertvolle Zeit beanspruchen und nicht immer guttun. Ich wünsche mir, dass die Schüler lernen, bewusst Offline-Zeiten einzuplanen – zum Beispiel ein oder zwei Stunden, in denen sie mit Freunden draußen sind, ohne Handy, und beobachten, wie sich das anfühlt. Ich selbst habe natürlich auch ein Handy und merke, dass es mir manchmal Zeit klaut. Viele Schüler berichten mir sogar, dass sie TikTok gelöscht haben, weil es zu viel Zeit raubt.

Meine Schüler wissen außerdem, dass ich Wert darauf lege, dass Handys in der Tasche bleiben und nicht auf dem Tisch liegen. Natürlich haben Handys und iPads viele Vorteile, aber es ist meiner Meinung nach wichtig, einen gesunden Umgang damit zu lernen. Das bedeutet auch, dass sie nachts weggelegt werden, damit ausreichend Schlaf sichergestellt werden kann – denn wer nicht gut schläft, kann auch nicht gut lernen.“

Was möchten Sie den Schülern auf den Weg geben?
Frau Klaus: „Sie sollen wissen, dass sie sich nicht festlegen müssen. Jede schlechte Erfahrung kann auch eine gute Erfahrung sein, weil man daraus lernt, was man beruflich nicht machen möchte. Man kann sich jederzeit neu orientieren – auch später im Leben. Ich selbst habe das auch getan und war relativ alt, als ich mit Abi, Ausbildung, Studium und Referendariat fertig war, habe es aber trotzdem durchgezogen. Wenn etwas schwierig ist, sollte man nicht aufgeben, sondern weiter machen und daraus lernen.“

Interview: Justin A.

Startklar auf Straße und Beton – Verkehrserziehungstag an der FOS Friedberg

Beim Verkehrserziehungstag im Juli 2025 lernten die Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen der FOS Friedberg, wie wichtig Aufmerksamkeit und Rücksicht im Straßenverkehr sind. An verschiedenen Stationen erfuhr die Schülerschaft, wie wir durch richtiges Verhalten unsere eigene Sicherheit und die anderer verbessern können.

Text/Fotos: Justin A.