Schule der Zukunft: Unterricht und persönliche Entwicklung

In dieser Serie zu unserem aktuellen Spitzenthema „Schule der Zukunft“ nimmt unser Autor Justin verschiedene Bereiche der Schule und des Lernens unter die Lupe und bezieht Stellung.

Individuelles Lernen

Jeder hat sein individuelles Lerntempo. Die Schule der Zukunft soll das berücksichtigen und jungen Menschen die Möglichkeit bieten, in ihrem eigenen Tempo Schulstoff anzueignen. Digitale Lernmöglichkeiten, zum Beispiel Erklärvideos, interaktive Übungen mit Feedback oder Lernplattformen sollen genau das ermöglichen.

Projektorientierter Unterricht

Neben dem üblichen Unterrichtsstoff sollen individuelle Projekte mehr in den Vordergrund geraten, wodurch Schüler nicht Stoff erlernen, sondern in der Lage sind, Inhalte praktisch anzuwenden. Beispielsweise im Fach Biologie zum Thema Klimawandel, wobei Schüler eigene Modelle erstellen oder im Geschichtsunterricht eine Ausstellung zur Stadtgeschichte gemeinsam gestalten. Auch fachübergreifende Projekte, etwa ein selbstentwickelter Podcast ,wären möglich, sodass Wissen nicht nur Theorie bleibt, sondern auch praktische Anwendung findet.

Digitale Lernmethoden

Die Digitalen Medien übernehmen in der Schule der Zukunft einer immer wichtigeren Rolle -nicht nur müssen Lehrkräfte geschult werden, sondern auch Schülerinnen und Schüler über Gefahren in der Digitalen Welt informiert. Abgesehen davon wird der Unterricht immer digitaler: statt Papier werden digitale Materialien zu verfügen gestellt, sodass Inhalte anschaulicher und verständnisvoller dargestellt werden. Gleichzeit bleibt die Lehrkraft als Begleitung und Unterstützung im Lernprozess wichtig.

Zukunftsorientierte Kompetenzen

Neben fachlichem Wissen sollen Schulen der Zukunft mehr auf Kompetenzen eingehen und diejenigen fördern, die im späteren Leben wichtig sind. Dazu gehört kritisches Denken, Problemlösung, Kreativität, Kommunikation und Teamarbeit. Diese Fähigkeiten helfen den Schülerinnen und Schüler sich in einer weiter schnell verändernden Welt zurechtzufinden und mitzuwirken.

Leistungsbewertung

Individuelle Lernentwicklung

In einer Schule der Zukunft sollte die Leistungsbewertung nicht ausschließlich auf klassischen Noten basieren, wobei andere Leistungen stärker berücksichtigt werden sollten. Dazu zählen individuelle Projekte, Präsentationen und praktische Arbeiten. Im Politikunterricht könnte man zum Beispiel ein eigenes Wahlprogramm erstellen, sowie ein eigenes kurzes Parteiprogramm oder in Psychologie ein eigenes Modell entwickelt und benotet werden. Statt klassischem schulischem Wissen, das oft eine einmalige Anwendung findet.

Regelmäßiges Feedback

Statt nur einzelne Noten zu vergeben, sollte es vermehrt „Feedbackgespräche“ geben, damit die Schüler ihre Stärken und Schwächen besser verstehen und gezielt daran arbeiten können. Rückmeldungen von Lehrkräften sind sehr wichtig beim Lernen.

Fairere und vielfältigere Bewertung

Eine Schule in der Zukunft braucht ein modernes Bewertungssystem, welches unterschiedliche Fähigkeiten und Talente berücksichtigt. Schüler haben nicht in allen Bereichen die gleichen Stärken und Schwächen, somit kann das Bewertungssystem, wie es heute üblich ist, nicht fair sein. Eine Herausforderung in der Schule der Zukunft ist es, Leistungen umfassender zu bewerten und nicht durch einzelne Prüfungen zu beurteilen.

Mentale Gesundheit

Prävention

Besonders wichtig im Lernprozess ist die psychische Gesundheit, welche in der Schule der Zukunft stärker berücksichtigt werden sollte. Leistungsdruck, Prüfungsangst und ein voller Schulalltag können nicht nur Stress verursachen, sondern führen nicht nur dazu, dass die Fehlzeiten zunehmen und somit auch Unterrichtsstoff verpasst wird, sondern auch die Leistung abnimmt. Deshalb sind genug Pausen und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lernen und Erholung wichtig.

Beratungs- und Unterstützungsangebote

An jeder Schule sollte es genug Beratungsangebote geben durch Schulpsychologen, Sozialarbeiter und Vertrauenslehrkräfte, die Schüler bei persönlichen, sowie familiären oder schulischen Schwierigkeiten unterstützen.

Ruheräume und Rückzugsorte

Neben Klassenräume sollte es auch Räume geben, in denen Schüler eine kurze Auszeit nehmen können und gegebenenfalls zur Ruhe kommen, falls sie sich überfordert fühlen oder um kurz neue Energie zu sammeln.

Förderung des Wohlbefindens

In der Schule der Zukunft sollte auch das individuelle Wohlbefinden der Schüler beachtet werden. Kurze Spaziergänge durch den Schulhof können ebenfalls dazu führen, dass der Kopf frei wird oder im Sportunterricht sollte gelernt werden, wie man Meditationsübungen durchführt.

Aufklärung über psychische Gesundheit

Mentale Gesundheit sollte offen thematisiert werden, sowie der Umgang mit Emotionen sollen im Schulsystem mehr Platz finden, besonders in einer Schule der Zukunft, sodass Schüler lernen, auf sich selbst zu achten und bei Problemen frühzeitig Hilfe zu suchen und vor allem zu wissen, wo man Hilfe bekommt.

Text: Justin A.

Was Schüler wirklich denken: Unsere Umfrage zu mentaler Gesundheit und der Schule der Zukunft

Seit einigen Wochen hängt in der Aula der Beruflichen Oberschule Friedberg ein QR-Code für eine Umfrage zu den Themen mentale Gesundheit und Schule in der Zukunft. 23 Schülerinnen und Schüler haben sich die Zeit genommen, unsere Fragen zu beantworten. Die Ergebnisse sind hin und wieder eindeutig, aber manchmal auch überraschend. 

„Ich fühle mich nicht ausreichend unterstützt“ – Mentale Gesundheit an der Schule

Der vielleicht bemerkenswerteste Befund unserer Umfrage betrifft dabei das psychische Wohlbefinden: Fast die Hälfte aller Befragten (45 %) fühlen sich von der Schule kaum oder gar nicht psychisch unterstützt. Nur etwa 14 Prozent geben an, sich wirklich gut aufgehoben zu fühlen. Der Rest empfindet die Unterstützung nur als teilweise ausreichend.

Dazu passt, dass 77 Prozent der Teilnehmer sich wünschen, dass mentale Gesundheit ein festes Thema im Unterricht wird. 

Die offenen Antworten zur Frage, was sich die Schüler konkret zum Thema mentales Wohlbefinden von der Schule wünschen, machen dabei deutlich, dass sich viele mehr Verständnis von Lehrkräften und vor allem Entlastungen in sowieso schon stressigen Phasen erhoffen. So wünscht sich zum Beispiel ein Schüler: „Nicht kurz vor Prüfungen mit Leistungsnachweisen zugemüllt zu werden. Nicht nur fachliche Prüfungsvorbereitung, sondern auch mentale Vorbereitung.“

Was stresst am meisten?

Wenig überraschend, aber in dieser Deutlichkeit doch bemerkenswert, nennen 91% Prüfungsdruck und Noten als größte Stressquelle

Damit ist es kein Wunder, dass die Mehrheit der Befragten der Ansicht ist, dass unser Notensystem eine Reform oder kleinere Anpassungen benötigen würde.

Die moderne FOSBOS Friedberg?

Im Themenbereich Digitalisierung zeigt sich ein überraschend positives Bild. Die Mehrheit schätzt unsere Schule auf einer Skala von 0 bis 5 bei 3 bis 4 ein, wobei keiner eine 0 oder 1 vergeben hat. 

Auch unsere Lehrer scheinen dem Umgang mit technischen Geräten gut draufzuhaben: Fast 70% der Befragten geben an, dass bei den Lehrpersonen ausreichende Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Tools gegeben vorhanden wären.

Die Schule der Zukunft

Auf die Frage, wie sich Schulen in Zukunft verändern sollen, zeigen die offenen Antworten ein breiten Konsens: Die Schule ist aktuell zu realitätsfern. Sehr viele der Befragten sind der Ansicht, dass die Schule sie kaum auf das wirkliche Leben vorbereite. Auf die Frage, welche neuen Fächer in Zukunft eingeführt werden sollten, wünschen sich die meisten ein Fach, in dem man „Leben lernt“. Immer wieder genannt werden dabei Konzepte wie Steuern, Finanzen oder Versicherungen.

Dabei wird auch der Wunsch nach mehr Praxisnähe im bestehenden Unterricht deutlich: „Das Schulsystem ist zu theoretisch. Ich würde mir mehr Praxisnähe wünschen.“ Und: „Mehr Wert auf lebensvorbereitende, praktische Fähigkeiten legen.“

Fazit: Eine Schulgemeinschaft mit klaren Vorstellungen

Die Ergebnisse unserer Umfrage zeichnen das Bild einer Generation, welche genau weiß, was sie braucht. Die Botschaft ist deutlich: Weniger Druck, mehr Verständnis, bessere Vorbereitung auf das Leben nach der Schule. Dabei scheint unsere Schule in Sachen Digitalisierung auf einem guten Weg zu sein, allerdings gibt es beim Thema mentale Gesundheit und beim Notensystem noch Luft nach oben. 

Hinweis: Insgesamt haben 23 Schülerinnen und Schüler an der Umfrage teilgenommen. Die Umfrage wurde über einen QR-Code im Schulhaus sowie über einen Link beworben. Bei Mehrfachantworten können die Prozentzahlen zusammen über 100 Prozent ergeben.

Umfrage/Text: Martin P.