Schülerzeitungskongress 2026: Interview mit Journalistin Pauline Reinhardt

Wie wird man eigentlich Journalistin? Welche Chancen und Herausforderungen bringt Künstliche Intelligenz für die Medien mit sich? Und wie lassen sich Fake News erkennen? Über diese und weitere Fragen sprachen wir im Rahmen des Erzählcafés beim Schülerzeitungskongress 2026 in Berlin mit der freien Journalistin Pauline Reinhardt aus Schleswig-Holstein. Im Interview berichtet sie von ihrem Weg in den Journalismus und ordnet aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Medienbranche ein.

Friedo: Hallo, würden Sie sich einmal ganz kurz vorstellen?

Pauline Reinhardt: Ja, hallo, ich bin Pauline Reinhardt und ich bin freie Journalistin
in Schleswig-Holstein.

Friedo: Wie kann man in den Beruf Journalismus reinrutschen?

Pauline Reinhardt: Ich würde sagen, es gibt verschiedene Möglichkeiten. Sehr viele
Leute machen ein Volontariat, das ist wie eine Art Ausbildung bei einem Medium. Ich
habe tatsächlich keine gemacht. Ich habe immer wieder so ein bisschen Erfahrung
gesammelt im Journalismus, auch neben dem Studium schon und bin dann da so
irgendwie reingekommen, habe mich natürlich beworben auf Sachen. Genau, da gibt
es ganz verschiedene Möglichkeiten. Also ich würde sagen, es gibt jetzt nicht den
einen Weg. Tatsächlich ist es inzwischen so, dass immer mehr Leute frei arbeiten im
Journalismus. Also es gibt gar nicht mehr so viele festangestellte Leute wie früher.
Und die meisten werden auch erst so später, so im Laufe der Karriere, irgendwann
vielleicht mal festangestellt.

Friedo: Wie kann man Lokaljournalismus attraktiver machen?

Pauline Reinhardt: Das ist eine sehr gute Frage. Ich würde sagen, einerseits durch
eine bessere Bezahlung tatsächlich. Also gerade Lokalzeitungen bezahlen häufig
recht schlecht im Vergleich auch zu größeren Medien. Wenn sich das ändern würde,
wäre schon mal ein großer Schritt. Dann natürlich dadurch, dass man irgendwie aktiv
sagt, wir binden auch jüngere Leute ein, wir machen es für die attraktiv.

Friedo: Inwiefern beeinflusst negative Berichterstattung die mentale Gesundheit und
sehen Sie auch die Medien in der Verantwortung?

Pauline Reinhardt: Ich finde es eine voll gute Frage, da könnte man glaube ich
super lange darüber diskutieren. Ich würde sagen ja, auf jeden Fall gibt es das
Problem. Wir kennen das ja auch irgendwie, man hat News-Ticker-Apps auf dem
Handy, ist gerade eigentlich mit etwas anderem beschäftigt, dann kommt irgendwie
wieder eine negative Nachricht rein über Krieg oder so. Ich würde sagen, da kann
man natürlich auch selbst als Konsument so ein bisschen gegensteuern und sagen:
Okay, wann konsumiere ich denn Medien? Muss ich wirklich die ganze Zeit immer
sofort top informiert sein? Oder habe ich so bestimmte Momente, in denen ich das in
Ruhe mache und mich auch damit auseinandersetzen kann? Aber natürlich kann
man nicht nur sagen, dass die Verantwortung bei den Leuten liegt, die es
konsumieren. Was so ein Buzzword ist, sag ich mal, ist konstruktiver Journalismus.
Der ist halt so lösungsorientiert. Also wenn man sagt, wir berichten über eine Krise,
Dann berichten wir aber auch über Lösungen und wie man aus dieser Krise rauskommen kann und enden auch so ein bisschen damit, damit man auf so einer
positiven Note rausgehen kann. Das könnte eine Lösung sein.

Friedo: Und was sind so die Herausforderungen und Chancen mit KI im
Journalismus?

Pauline Reinhardt: Ja, auch wieder so eine Frage, wo man ganz viel zu sagen
kann. Für mich persönlich ist eine wichtige Chance, dass man mit KI viel besser
transkribieren kann als früher. Also früher habe ich ein Audio aufgenommen, dann
habe ich mir das nochmal angehört und alles abgetippt. Das dauert Ewigkeiten, ist
super umständlich. Und inzwischen schmeiße ich das eben in ein Programm, was mit
KI unterstützt wird und das gibt mir total gute Transkriptionen von meinem Gespräch.
Das ist für mich persönlich so ein Punkt, wo ich sagen würde, KI ist super hilfreich.
Herausforderungen sind natürlich besonders, wenn im Internet total viele Texte sind,
die mit KI geschrieben sind, die nicht nochmal überprüft worden sind. Es kann sich ja
jeder auch irgendwie Journalist*in nennen und einfach so einen Text mit KI erstellen
und online stellen. Ich finde, da wäre halt eine Lösung zu sagen, wir brauchen ganz
klare Richtlinien, wie man damit umgehen kann.

Friedo: Und inwiefern werden Podcasts eine Rolle im Journalismus spielen?

Pauline Reinhardt: Ich würde sagen, das tun sie schon. In Deutschland gibt es seit
ein paar Jahren immer mehr Podcasts, die auch journalistisch sind. Ich würde sagen,
der Trend aus den USA ist ein bisschen rübergeschwappt und ist natürlich bei uns
ein bisschen später angekommen. Aber spielt schon eine total große Rolle.

Friedo: Und wie erkennt man Fake News?

Pauline Reinhardt: Auch da gibt es viele verschiedene Sachen, finde ich. Also
erstmal überhaupt checken, wer erzählt mir da was? Ist das eine seriöse Quelle?
welche Absicht haben die vielleicht auch hinter dem, was sie da mir verklickern
wollen. Und dann würde ich auch immer abgleichen. Also man kann verschiedene
Medien konsumieren und sagen, okay, die schreiben jetzt das, wie schreiben das
denn andere? Und dann kann ich so ein bisschen vergleichen. Und wenn die wirklich
die Einzigen sind, die das so schreiben, könnte ich das nochmal hinterfragen.

Friedo: Vielen Dank für das Interview!

Das Interview für Friedo führte unser Autor Justin A.