NEU NEU NEU – Das Schülercafé der FOS/BOS Friedberg

Nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch viele Lehrkräfte besuchen täglich das Schülercafé der FOS/BOS Friedberg. Besonders groß ist der Andrang während der Pausen. Doch auch zwischen den Unterrichtsstunden sowie in Freistunden bleiben die zwei zuständigen Verkäuferinnen in der Schulküche beschäftigt.

Der Arbeitsbeginn und die Vorbereitung

Hinter dem Pausenverkauf steht die Firma „Kulturküche Augsburg GmbH“, ein zuverlässiger und mehrfach ausgezeichneter Partner für Kindergarten- und Schulcatering. Der Arbeitstag der Mitarbeiterinnen beginnt bereits um 6:30 Uhr in der Firma. Dort werden die Lebensmittel hergerichtet und abgeholt. Gegen sieben Uhr trifft die Lieferung vom Bäcker Schwab ein.
Anschließend beginnen die Vorbereitungen für den Verkauf: Der Kaffee wird aufgesetzt, Brezen werden bestrichen und belegte Brote frisch zubereitet. Viele Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte kaufen sich ihre Mahlzeit bereits vor der Pause. Deshalb muss bis zum Unterrichtsbeginn um 8:15 Uhr alles verkaufsbereit sein.

Der Verkauf während der Pausen

Um 10:30 Uhr beginnt die lang ersehnte Pause – für die Verkäuferinnen bedeutet das Hochbetrieb. Hungrige Schüler und Lehrer müssen schnell versorgt und abkassiert werden. Doch auch nach der Pause bleibt noch Arbeit übrig: Vielleicht ist der Kaffee leer oder der Ketchup muss nachgefüllt werden. Zusätzlich fällt das Reinigen der Küche an, das ebenfalls von den Mitarbeiterinnen übernommen wird.
Nach der zweiten Pause um 13:10 Uhr wiederholt sich dieser Ablauf. Zwischendurch werden außerdem die Bestellungen für den nächsten Tag aufgegeben.

Organisation, Preise und Planung

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Firma ist vertraglich geregelt. Dabei wird festgelegt, wie viele Lebensmittel täglich geliefert werden. Preise und Menü werden vom Chef der Firma bestimmt.
Wer Vorschläge für das Angebot hat, kann sich gerne an die Kulturküche wenden. Ob ein Vorschlag umgesetzt wird, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab: vom zeitlichen Aufwand, von den technischen Möglichkeiten in der Schulküche sowie vom Preis. Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind bereit, sechs Euro für ein aufwendiges warmes Essen zu bezahlen – viele weichen daher lieber auf günstigere Angebote aus, etwa bei Edeka oder doch die selbst zubereitete Brotzeit von Zuhause.
Der Arbeitstag der Verkäuferinnen endet gegen 15:00 Uhr. Übrig gebliebenes Essen wird zurück zur Firma gebracht und dort entweder als Mittagessen für die Mitarbeitenden genutzt oder verteilt.

Herausforderungen und Verkaufszahlen

Eine große Herausforderung für das Schülercafé ist der Kleingeldmangel sowie die Vermeidung von Überproduktion. Mittlerweile gelingt es den Verkäuferinnen jedoch gut, die Mengen realistisch zu planen, sodass kaum noch Ware übrig bleibt.
Ein Beispiel: Zu Beginn wurden täglich etwa 20 Croissants vorbereitet. Da über längere Zeit einige davon nicht verkauft wurden, setzte man die Produktionsmenge auf zehn bis fünfzehn Stück pro Tag herab.

Zum Schluss ein Ranking der angebotenen Produkte:
Letzter Platz: Salat – aufgrund des vergleichsweise hohen Preises wird er am wenigsten gekauft.
Zweiter Platz: Schnitzelsemmel – trotz eines Preises von 3,20 € sehr beliebt.
Erster Platz: Butterbreze – der Klassiker macht satt, ist günstig und kann schnell gegessen werden.

Dieser Einblick hinter die Kulissen des Pausenverkaufs zeigt, wie viel Organisation, Zeit und Arbeit hinter dem Angebot steckt. Viele fragen sich, warum die Preise vergleichsweise hoch sind. Doch im Gegensatz zu großen Supermärkten wie Edeka oder einer Bäckerei wie Ihle, handelt es sich hier nicht um Massenproduktion. Der Aufwand von der Beschaffung bis zur Präsentation in der Verkaufsvitrine ist deutlich höher. Daher sollte man die Preise auch im Zusammenhang mit dem Arbeitsaufwand betrachten – und dankbar sein, dass man sich nach und während jeder Schulstunde unkompliziert und vor Ort etwas zu essen kaufen kann. Schließlich schafft man es nicht immer rechtzeitig in den Supermarkt und sich eine Brotzeit zu machen, oder?

Text, Bilder und Interview: Victoria H.

„Auf ein Wort mit…“ Frau Dichtl: Über die Idee zum Recup-Becher und Preiserhöhungen im Pausenverkauf

Friedo: Was ist ein sogenannter „Recup-Becher“?                                                                                      

Dichtl: Ich finde, er ist eine nachhaltige Alternative zum bisher gewöhnlichen Plastikbecher.

Friedo: Warum haben Sie sich entschieden, den Recup-Becher anzubieten?      

Dichtl: Zum einen der Umweltaspekt natürlich. Zudem habe ich vor kurzem erfahren, dass seit dem 1. Januar 2019 zusätzlich zum Einkaufspreis noch eine Lizenzgebühr in Höhe von 0,10€ für alle „To go-Verkäufe“ anfällt. Der Staat möchte damit umweltunfreundlichen Dingen – wie zum Beispiel dem Einweg-Pappbecher – den Kampf ansagen. Diese 0,10€ an Gebühr pro Stück hören sich vielleicht zunächst nicht nach viel an. Wenn diese Lizenzgebühr  täglich aber zum Beispiel 200 Mal anfällt, haben wir schon 20€ mehr an Kosten im Gegensatz zu früher – nur an dem einen Tag.

coffee-mugs-1387830_960_720

Friedo: Was würden Sie Schülern und Lehrern noch gerne zu diesem Projekt mitteilen?        

Dichtl: Die Leihgebühr von 1€ für den Recup-Becher stellt eher einen symbolischen Wert dar. Der Einkaufspreis für die Tassen ist deutlich höher. Ich möchte alle Schülerinnen und Schüler bitten, so ehrlich zu sein und die Tasse wieder abzugeben, wenn sie nicht mehr benötigt wird. Sonst entstehen für mich wieder weitere Kosten.

Friedo: Man hört von der Schülerschaft oft den Spruch „Oh, schon wieder teurer!“, wenn es um Ihren Pausenverkauf geht. Was sagen Sie dazu?              

Dichtl: Auch in der Wirtschaft steigen die Preise ständig. Nachdem ich hauptsächlich an Schüler verkaufe, kann ich die Preise natürlich nicht unendlich anpassen. Jedoch muss ich sie etwas anpassen, da ich sonst in finanzielle Schwierigkeiten gerate.          Außerdem sind die Personalkosten deutlich gestiegen. Dies liegt zum einen daran, dass ich wegen dem „fpA-Freitag“ an diesem Tag keinen Praktikanten mehr habe und in einer Woche sogar generell nur einen.

Zum Anderen haben mich früher Mütter oft ehrenamtlich unterstützt. Heute ist das nicht mehr so – da fallen natürlich insgesamt deutlich höhere Personalkosten an.  Zudem kommen da noch die Tüten hinzu. Selbst für eine trockene Laugenbreze wollen die Schüler oft eine Tüte dazu. Das kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen. Eine Tüte kostet mich auch 3 Cent. Bei vielen Tüten kann das im Jahr oft eine große, unterschätzte Summe ergeben. Außerdem brauchen wir häufig neue Geräte. Die kosten auch Geld. Dies habe aber bisher nicht auf meine Waren umgelegt.

Friedo: Gab es mögliche Alternativen zu den leichten Preiserhöhungen?                                             

Dichtl: Da gibt es nur noch eine – nämlich eine radikale Kürzung des Angebots. Es war mir aber immer wichtig, dass Schüler im Gegensatz zu vielen anderen Pausenverkäufen wählen können. Diese Angebotsbreite ist aber auch sehr teuer. Zudem wird sie von vielen Schülern nur noch wenig geschätzt. Wenn einmal kein Obst oder Nudelsalat da ist, wird darüber gleich wieder geschimpft. Wir können und wollen die Vielfalt nicht mehr aufrecht erhalten, wenn sich die Situation so weiterentwickelt. Stattdessen müssten wir zum Beispiel einen „Leberkästag“ machen. Der ist für mich wirtschaftlich rentabel, aber nicht im Sinn vieler Schüler.

Friedo: Möchten Sie zum Schluss noch etwas loswerden?

Dichtl: Leider habe ich schon öfter miterleben müssen, dass mir Soßen geklaut werden. Manchmal erwische ich ihn oder sie auch vor Ort. Ich finde das besonders dreist. Dazu erleide ich dadurch auch einen finanziellen Schaden, an den oft auch nicht gedacht wird.

Das Interview mit Anita Dichtl führte Fabian Wölfle.