Die Selbstverständlichkeit in Gefahr – Demokratiekonferenz in Friedberg

Wie steht es um unsere Demokratie, und welche Rolle spielt dabei die Jugend? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Demokratiekonferenz an der Konradin-Realschule in Friedberg. Das „Schule ohne Rassismus“-Team der FOSBOS Friedberg wurde dabei herzlich dazu eingeladen, an dieser spannenden Veranstaltung teilzunehmen und unser Bewusstsein für die Demokratie zu stärken.

Begrüßung durch Schulleiterin Daniela Walther

Zu Beginn erinnerte die Schulleiterin der Friedberger Realschule, Daniela Walther, wie die Schule aktiv zur Demokratiebildung beiträgt. Durch Gedenkstättenfahrten wie den Besuch der KZ-Gedenkstätte in Dachau sowie durch die Vermittlung demokratischer Werte in verschiedenen Unterrichtsfächern wie Geschichte, Politik, Geographie oder auch Wirtschaft und Recht werden der Jugend die einzelnen Prinzipien der Demokratie näher gebracht, aber auch gezeigt, dass dieses System nicht als Selbstverständlichkeit gesehen werden sollte.

Demokratie vor Ort

Anschließend sprach Landrat Dr. Marc Sturm (Freie Wähler) über die Demokratie im Landkreis. Er betonte, dass der Staat seine Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen müsse, um das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen zu erhalten. Genau deswegen sei eine Veranstaltung wie die Demokratiekonferenz mit ihren offenen Gesprächen wichtig, denn diese fördere die Partizipation unserer Mitbürger.

Die Demokratie ist in Gefahr

Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte der Impulsvortrag von Prof. Dr. phil. Janine Linßer. Ihre zentrale These: Jugendbeteiligung würde die Demokratie nachhaltig stärken, und Demokratie sei alternativlos.

Gleichzeitig zeichnete sie ein besorgniserregendes Bild der globalen Lage: Demokratien seien weltweit auf dem Rückzug, viele Staaten entwickelten sich in die Richtung einer Autokratie, als Beispiel wurde die USA unter Präsident Trump genannt. Weltweite nehme die Meinungsfreiheit ab, die Zensur zu, und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gerieten zunehmend unter Druck.

Wie ist nun der Zustand der Demokratie in Deutschland zu bewerten? Zwar vertrauten weiterhin viele Menschen der Demokratie, doch immer weniger sähen den Staat als tatsächlich handlungsfähig an. Ein großer Teil der Bevölkerung empfinde den Staat als korrupt. Besonders alarmierend: Jede zwölfte Person teile mittlerweile ein rechtsextremes Weltbild.

Junge Menschen, so Linßer, wünschten sich ausdrücklich mehr Mitbestimmung. Viele hätten jedoch den Eindruck, dass das politische System sie nicht höre. Und wer sich nicht gehört fühle, werde sich langfristig auch nicht politisch einbringen.

Workshops: Der eigene Standpunkt ohne Unterbrechungen

Nach den Vorträgen bot die Demokratiekonferenz auch Raum zur direkten Weiterbildung an. Innerhalb von fünf verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmer einen nach Interesse auswählen. Ich habe mich für den Workshop „Wie fühle ich mich aktuell in unserer Demokratie – und warum?“ entschieden.

Dieser Workshop verlief im „Sprechen und Zuhören“-Format: Anfangs wurden die Teilnehmende in vier Gruppen aufgeteilt. Innerhalb einer Gruppe hatte jeder von uns vier Minuten Zeit, unsere Ansicht über den aktuelle Zustand der Demokratie zu teilen – Ohne Angst, unterbrochen zu werden. Davon gab es drei Runden, wobei sich gegen Ende die einzelnen Gruppen wieder zusammengefunden haben, um ihre Erkenntnisse zu teilen.

Das Resultat sah düster aus, denn jede einzelne der Gruppen war der Ansicht gewesen, dass sie sich aktuell in der Demokratie nicht repräsentiert fühlen. Dennoch glauben sie an die Vorteile unserer Demokratie und wissen, dass das System nicht perfekt sei, allerdings das Beste ist, was wir haben können.

Die Diskussionsweise von „Sprechen und Zuhören“ wurde von den Gruppen gelobt. Viele der Anwesenden hätten in normalen Diskussionen viel zu selten das Gefühl gehabt, dass andere ihnen wirklich zugehört haben. Zwar haben einige Teilnehmer zugegeben, dass sie manchmal den Drang verspürt haben, in die Zeit der anderen reinzureden, doch dieser Drang hätte sich in einer der späteren Runden dann gelegt.

Demokratie funktioniert nicht ohne Partizipation

Ein wichtiger Teil einer Demokratie ist es, dem Volk Möglichkeiten zur Mitbestimmung zu geben. Insbesondere jungen Menschen fehlt es an Möglichkeiten zur Partizipation innerhalb der Politik. Sie fühlen sich von den etablierten Parteien nicht angesprochen und haben nicht das Gefühl, dass die Politik sie beachten würde. Events wie die Demokratiekonferenz geben der Jugend die Möglichkeit, mehr über ihre Demokratie zu erfahren, ihre Meinung in einem offenen Diskurs teilen zu können und sich schlussendlich in die Politik einzubinden. Genau aus diesen Gründen müssen solche Veranstaltungen weiter gefördert werden, denn eine gesunde Demokratie kann es ohne die Partizipation aller Mitbürger nicht geben.

Text: Martin P.