Zwischen WM, Klassenzimmer und Tapas: Mit Erasmus+ zwei Wochen in Madrid
Tapas, spanische Gastfamilien, Sprachschule, Sightseeing – und mittendrin eine Fußball-WM. Was nach einem ziemlich perfekten Schüleraustausch klingt, wurde für elf Schülerinnen und Schüler der FOSBOS Friedberg im Juli 2026 tatsächlich Realität.
Erasmus+ bietet den Schülerinnen und Schülern der FOSBOS Friedberg immer mehr Möglichkeiten, internationale Erfahrungen zu sammeln. Bereits 2025 waren Wirtschaftler und Techniker in Irland sowie Gesundheitler in Österreich unterwegs. Während bei diesen Projekten zwei Wochen Praxiserfahrung in verschiedenen Betrieben gesammelt wurden, erwartete uns diesmal etwas völlig anderes:
Zwei Wochen Madrid. Zwei Wochen Spanisch. Zwei Wochen Gastfamilie. Und jede Menge Abenteuer.
Die große Überraschung
Zum Ende des ersten Halbjahres 2025/26 erfuhren alle Spanischklassen der FOSBOS Friedberg von der Möglichkeit, für rund 200 Euro zwei Wochen in Madrid zu verbringen.
Das Programm klang vielversprechend: Untergebracht in spanischen Gastfamilien, besuchten wir tagsüber die Sprachschule VAMOS. Dort sollte nicht nur Spanisch gelernt, sondern konnte auch die spanische Kultur hautnah erlebt werden.
Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei vorherigen Erasmus+-Projekten teilweise über Bewerbungen ausgewählt worden waren, entschied dieses Mal das Los.
Und plötzlich konnte es heißen: Madrid, wir kommen!
Erasmus-Koordinatorin Frau Uhlemair kümmerte sich erneut um die Organisation und den damit verbundenen Papierkram. Nach zwei Wochen voller Spannung kam schließlich die Nachricht: Die elf ausgelosten Schülerinnen und Schüler durften tatsächlich mitfliegen.
12. Juli: ¡Hola Madrid!
Nach dem erfolgreich absolvierten Fachabitur ging es am 12. Juli endlich los.
Gemeinsam mit Frau Binner flogen wir von München nach Madrid-Barajas. Am Flughafen wurden wir bereits von Fahrern erwartet, die uns in kleinen Gruppen zu unseren jeweiligen Gastfamilien brachten.
Damit begann das Abenteuer endgültig.
Und schon bei der Ankunft wurde klar: Jede Gastfamilie ist anders. Während manche ein eigenes Zimmer und eine Klimaanlage hatten, mussten andere sich mit einem Hochbett arrangieren. Auch sprachlich waren die Voraussetzungen unterschiedlich. Einige mussten sich von Anfang an ausschließlich auf Spanisch mit ihrer Gastfamilie verständigen, während andere notfalls auf Englisch ausweichen konnten.
Am Nachmittag hieß es dann endlich:
¡Hola, Madrid!
Wir trafen uns alle mit Frau Binner in der Innenstadt und gingen gemeinsam Tapas essen. Dabei entdeckten wir zufällig ein Lokal, in dem Cheesecakes für gerade einmal 99 Cent angeboten wurden.
Natürlich konnte niemand einfach vorbeigehen.
Ob der Cheesecake diesen Preis tatsächlich wert war, darüber gingen die Meinungen allerdings auseinander.
Danach trennten sich unsere Wege: Einige gingen shoppen, andere erkundeten Madrid auf eigene Faust oder verbrachten den Abend gemeinsam mit ihrer Gastfamilie.
Erster Schultag: Spanisch ohne Englisch
Am Montag begann bereits unser erster Schultag.
Gegen 9 Uhr wurden wir an der Sprachschule von einem deutschen Lehrer begrüßt und zunächst in die Schule und das Programm eingeführt. VAMOS wurde teilweise von Deutschen gegründet und hat unter anderem das Ziel, Menschen auf das Leben und Arbeiten in Spanien beziehungsweise Deutschland vorzubereiten.
Dabei geht es nicht ausschließlich um Sprache. Auch kulturelle Unterschiede und verschiedene Herangehensweisen im Alltag werden thematisiert.
Nach der Einführung übernahmen zwei spanische Lehrer den Unterricht.
Und spätestens jetzt merkten wir: Hier wird wirklich Spanisch gesprochen.
Was zunächst etwas einschüchternd klang, funktionierte erstaunlich gut. Die Lehrer schafften es, ohne ein Wort Englisch zu verwenden, Inhalte verständlich zu vermitteln. Jeder wurde aktiv in den Unterricht einbezogen und bekam die Möglichkeit, Spanisch zu sprechen.
Nach dem Unterricht ging es gemeinsam zum Restaurant Tiki Taco. Anschließend spazierten wir durch den Retiro-Park und die Innenstadt.
Madrid begann sich langsam wie unser zweites Zuhause anzufühlen.
Segovia und das erste große Abenteuer
Am nächsten Tag stand bereits der erste Ausflug auf dem Programm.
Mit einem Reisebus, Frau Binner und einer weiteren deutschen Schülergruppe fuhren wir nach Segovia, etwa eine Stunde von Madrid entfernt.
Die Stadt ist vor allem für ihr beeindruckendes römisches Aquädukt und ihre kulinarischen Spezialitäten bekannt. Nach einer Führung hatten wir mehrere Stunden Freizeit, bevor es am Nachmittag zurück nach Madrid ging.
Doch viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht.
Denn am Abend wartete etwas ganz Besonderes auf uns.
Madrid im Fußballfieber
Wir hatten das unglaubliche Glück, genau während der Fußball-Weltmeisterschaft in Spanien zu sein.
Und nicht einfach irgendwo in Spanien – sondern mitten in Madrid.
Am Abend trafen wir uns gegen 20:30 Uhr mit Frau Binner an der Plaza de Colón. Spanien spielte im Halbfinale gegen Frankreich.
Unser Plan war klar: Public Viewing.
Das Problem: Die offizielle Fläche war bereits voll.
Eine halbe Stunde vor Anpfiff hatten wir keine Chance mehr, hineinzukommen. Doch aufgeben kam nicht infrage. Unter den Menschenmassen fanden wir schließlich ein kleines Plätzchen, von dem aus wir zumindest einen Teil der Übertragung sehen konnten.
Und dann ging es los.
Spanien gewinnt!
Gemeinsam mit den spanischen Fans jubelten wir über den Einzug ins Finale. Mit einer spanischen Flagge über den Schultern zogen wir anschließend durch die Straßen Madrids.
Plötzlich waren wir nicht mehr einfach deutsche Austauschschüler.
Wir waren Teil einer riesigen Fußballparty.
Nach einem nächtlichen Abstecher zu Taco Bell ging es irgendwann zurück zu den Gastfamilien.
Am nächsten Morgen stand natürlich trotzdem Schule auf dem Programm.
Schlafmangel und „Penner-Look“ inklusive.
Auf uns allein gestellt
Nach diesem Abend verabschiedete sich Frau Binner und flog zurück nach Deutschland.
Ab jetzt waren wir auf uns allein gestellt.
Natürlich nicht völlig: Für Notfälle hatten wir alle wichtigen Telefonnummern und Ansprechpartner. Trotzdem fühlte es sich plötzlich ein bisschen anders an, wenn keine Lehrkraft mehr mit uns durch Madrid lief.
Und was machten elf junge Erwachsene mit einem freien Nachmittag?
Schlafen.
Die geplante Siesta war dringend notwendig.
Am 16. Juli stand Unterricht bis 17 Uhr auf dem Programm. Die ersten Stunden bestanden allerdings aus einer Stadtführung mit unserem mittlerweile zum Lieblingslehrer erklärten Jacques.
Wir besuchten unter anderem die Puerta del Sol und den Königspalast.
Danach begann sich unsere Gruppe immer stärker aufzuteilen. Jeder hatte inzwischen seine eigenen Lieblingsorte und Vorstellungen davon, wie Madrid erkundet werden sollte.
Die einen probierten sich durch die spanische Küche, andere gingen shoppen, wieder andere machten nach der Schule eine Siesta und erkundeten Madrid erst nachts.
19. Juli: Das WM-Finale
Dann war er endlich da:
Sonntag, 19. Juli 2026 – Spanien gegen Argentinien.
Der langersehnte Abend.
Vier Stunden vor Anpfiff machten wir uns mit unseren spanischen Flaggen auf den Weg zur Plaza de Colón. Diesmal wollten wir unbedingt in den abgesperrten Bereich kommen – und es funktionierte.
Wir ergatterten Plätze möglichst weit vorne vor der großen Leinwand.
Nun hieß es warten.
Spanische Fans feierten, sangen und versuchten gleichzeitig, der Hitze zu entkommen, ohne ihren Platz zu verlieren.
21 Uhr.
Anpfiff.
Was danach folgte, war kaum zu beschreiben. Gesänge, Jubel, Geschrei und natürlich das ein oder andere Schimpfwort hallten über den Platz.
Nach 120 Minuten fiel schließlich das entscheidende Tor für Spanien.
Der Jubel war überwältigend.
Und wir – elf Schülerinnen und Schüler aus Deutschland – standen mittendrin.
Eine solche Atmosphäre einmal hautnah erleben zu dürfen, war etwas ganz Besonderes.
Wenn Madrid zur Partyzone wird
Doch nach dem Spiel begann das eigentliche Chaos.
Straßen wurden gesperrt, Teile des U-Bahn-Netzes waren nicht mehr erreichbar und überall waren feiernde Fans unterwegs.
Da die U-Bahnen erst am frühen Morgen wieder regulär fuhren und wir am nächsten Tag Schule hatten, blieb uns schließlich nur eines:
zu Fuß nach Hause.
Für einige war der Weg zum Glück nicht allzu weit.
Meine Zimmergenossin und ich hatten dagegen weniger Glück. Für uns ging es fast zwei Stunden durch die nächtliche Stadt bis an den Stadtrand.
Gegen 5 Uhr morgens kamen wir endlich zu Hause an.
Das Ergebnis?
Die für den nächsten Morgen geplante Führung haben wir verschlafen.
Nach dem Unterricht um 17 Uhr war unsere Energiereserve dann endgültig leer.
Aber Madrid ließ uns keine Pause.
Denn die spanische Nationalmannschaft kehrte an diesem Tag in die Hauptstadt zurück – mit dem WM-Pokal im Gepäck.
Also hieß es erneut:
rechtzeitig da sein, Platz sichern und mitfeiern.
Ein Blick hinter die Kulissen der spanischen Politik
Am nächsten Schultag stand wieder ein Ausflug auf dem Programm: Wir besuchten den Congreso de los Diputados, das spanische Parlament.
Eine sehr freundliche Reiseführerin erklärte uns auf Englisch die Geschichte und Bedeutung des Gebäudes.
Besonders beeindruckend war, dass noch heute Einschusslöcher an der Fassade zu sehen sind. Sie erinnern an einen historischen Angriff auf das Parlament und sollen daran erinnern, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist.
Nach all den Erlebnissen rund um Fußball, Kultur und Alltag bekamen wir hier noch einmal einen ganz anderen Einblick in Spanien.
Die letzten Schultage: Prüfungen statt Siesta
Langsam neigte sich unsere Zeit in Madrid dem Ende zu.
An einem der letzten Schultage standen zunächst sechs reguläre Unterrichtsstunden auf dem Programm. Anschließend hatten wir 30 Minuten Zeit für eine schriftliche Prüfung.
Abgefragt wurden unter anderem die Themenbereiche Kultur, Marketing, Kommunikation, Geschichte und Grammatik.
Das Überraschende: Wirklich viel Lernen war dafür gar nicht notwendig.
Der Unterricht war so abwechslungsreich und aktiv gestaltet, dass Zuhören und Mitmachen meistens ausreichten.
Texte auswendigzulernen stand in Madrid ohnehin nicht auf dem Stundenplan.
Am letzten Schultag wurde es dann noch einmal ernst: Die mündliche Prüfung stand an.
Unsere Aufgabe war es, vor Jacques eine kreativ gestaltete PowerPoint-Präsentation auf Spanisch vorzutragen – in Form einer Biografie.
Danach war es geschafft.
Ein spanischer Abschied
Zum Abschluss hatten Jacques und unsere Aufsicht Alma noch eine Überraschung vorbereitet: ein großes spanisches Buffet.
Es gab Bocadillos, Chorizo, spanischen Käse, Gemüse mit Hummus und verschiedene Getränke.
Eine kleine Abschiedsfeier, die uns allen zeigte, wie viel Mühe sich die beiden gemacht hatten.
Jeder erhielt außerdem eine Teilnahmeurkunde.
Wir verabschiedeten uns von Jacques und Alma – und plötzlich wurde uns bewusst:
Unsere zwei Wochen Madrid waren fast vorbei.
Am letzten Abend nutzten einige von uns die Gelegenheit noch für einen Museumsbesuch. Schließlich mussten auch noch die letzten Aufnahmen für unsere Vlogs entstehen.
Denn jeder Spanischschüler muss im Rahmen des Unterrichts einen Vlog über eine Sehenswürdigkeit oder einen kulturellen Aspekt Spaniens erstellen.
Für einige hieß es deshalb noch einmal: Kamera raus und schnell die letzten Aufnahmen sammeln.
Adiós, Madrid!
Am nächsten Abend um 18:25 Uhr sollte unser Flug zurück nach München gehen.
Da wir inzwischen ohne Lehrkraft unterwegs waren, begleitete uns Alma mit der U-Bahn bis zum Flughafen. Zwei Stunden vor Abflug verabschiedeten wir uns schließlich von ihr.
Mit ziemlich traurigen Gesichtern, aber mit unzähligen Erinnerungen im Gepäck, stiegen wir ins Flugzeug.
Und immerhin konnten wir auf einen Erfolg besonders stolz sein:
Wir hatten niemanden in Madrid verloren und kein Gepäckstück zurückgelassen.
Easy – auch ohne Lehrer.
Nach der Gepäckausgabe in München hieß es schließlich:
„Adios, amigos!“
Damit endete unsere Erasmus+-Reise nach Madrid offiziell.
Zwei Wochen, die bleiben
Zwei Wochen Madrid waren mehr als nur Sprachunterricht.
Wir haben Spanisch gesprochen, auch wenn es manchmal etwas holprig war. Wir haben in Gastfamilien gelebt, neue Menschen kennengelernt, spanisches Essen probiert und eine fremde Stadt auf eigene Faust erkundet.
Wir haben gelernt, wie unterschiedlich Alltag und Kultur in zwei Ländern sein können.
Und wir durften etwas erleben, das man nicht planen kann:
Wir waren während einer Fußball-WM in Madrid, haben mit Tausenden Spaniern den Sieg gefeiert und standen beim Finale mitten im spanischen Fußballfieber.
Am Ende bleibt deshalb vor allem eines:
Viele neue Freundschaften, unzählige Geschichten und Erinnerungen, die wahrscheinlich noch lange für Gesprächsstoff sorgen werden.
¡Viva España – und danke, Erasmus+!
Text: Victoria H.

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