Zwei Jahre FOS Technik – zwischen Feilen, Lötkolben, Formeln und Zukunftstechnologien

Nun habe auch ich mein Fachabitur an der Fachoberschule Friedberg erfolgreich absolviert. Nach zwei Jahren in der Fachrichtung Technik kann ich mir inzwischen ein ziemlich genaues Bild davon machen, was diesen Zweig ausmacht – und vor allem, für wen er geeignet sein könnte.

Wer an der FOS in Friedberg im Technikzweig startet, merkt schnell: Hier geht es nicht nur darum, Theorie auswendig zu lernen. Man darf ausprobieren, konstruieren, experimentieren und vor allem selbst Hand anlegen.

Der Einstieg: Feilen statt Ferienmodus

Die erste Woche an der FOS beginnt zunächst relativ unspektakulär: ankommen, sich orientieren, neue Mitschüler kennenlernen und den Schlafrhythmus nach den Ferien wieder auf einen schulischen Alltag umstellen.

In der zweiten Woche wird es dann praktischer. Ein Teil der Klasse greift zu den Feilen, während die anderen ihre ersten Erfahrungen mit dem Lötkolben sammeln. Währenddessen starten die übrigen Fachrichtungen teilweise erst richtig mit dem Unterrichtsstoff, der innerhalb eines Jahres bis zum Fachabitur sitzen soll.

Und damit sind wir auch schon bei einer Besonderheit des Technikzweigs: den Profilfächern.

Physik, Chemie und die ein oder andere mentale Sendepause

Physik gehört natürlich zum Technikzweig dazu. Zusätzlich gibt es sowohl ein Physik- als auch ein Chemiepraktikum. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Naturwissenschaften nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern sie auch experimentell zu erkunden.

Das ist manchmal ausgesprochen interessant – und manchmal, sagen wir es freundlich, ziemlich mühsam.

Denn auch der Stundenplan muss erst einmal verdaut werden. Wenn beispielsweise an einem Donnerstag bis 15:50 Uhr Unterricht ist und im Stundenplan zwei Stunden Physikpraktikum direkt zwei Stunden Physik folgen, kann sich schon einmal eine gewisse mentale Sendepause einstellen. Da heißt es: durchhalten!

Mathematik – vertiefter lernen als in anderen Zweigen?

Mathematik hat jeder Schüler egale welchen FOS-Zweigs. Im Technikzweig geht es allerdings teilweise etwas tiefer in die Materie. Der Stoff ähnelt zwar grundsätzlich dem der anderen Fachrichtungen, bei den Aufgaben gibt es aber deutliche Unterschiede.

Eine Besonderheit an der FOS Friedberg ist, dass wir im Technikzweig mit einem CAS-Rechner auf dem iPad ins Fachabitur gehen. Das kann eine große Unterstützung sein – vorausgesetzt, man weiß, wie man das Werkzeug sinnvoll einsetzt. Denn auch der beste Rechner nimmt einem das Denken nicht vollständig ab.

Stochastik kommt im Technikzweig außerdem erst später richtig ins Spiel, wenn man in die 13. Klasse weiterzieht. Für alle, die mit Wahrscheinlichkeitsrechnung bisher eher auf Kriegsfuß standen, ist das durchaus eine angenehme Nachricht.

Chemie: Hop oder Top

Auch Chemie gehört zum Stundenplan. Hier scheiden sich allerdings die Geister: Für manche ist es spannend und logisch, andere kämpfen sich eher durch die Formeln und Reaktionsgleichungen.

Im Gesundheitszweig wird ebenfalls Chemie unterrichtet, dort liegt der Schwerpunkt jedoch stärker auf an Biologie orientierten Themen. Im Technikzweig geht es dagegen von den chemischen Grundlagen weiter in Richtung technischer Anwendungen.

Technologie: Von Zweitaktern bis zur Statik

Eines der vielseitigsten Fächer ist für mich die Technologie. Der Unterricht reicht von den Grundlagen eines Zweitaktmotors bis hin zu statischen Berechnungen.

Gerade für Schülerinnen und Schüler, die sich später für Architektur, Maschinenbau oder Ingenieurwissenschaften interessieren, kann dieses Fach besonders spannend sein. Man bekommt einen ersten Einblick in technische Zusammenhänge und lernt, wie unterschiedliche Bereiche der Technik miteinander verbunden sind.

Ein weiteres Profilfach ist das Technische Zeichnen. Es wird zwar nur in der 11. Klasse unterrichtet, bietet aber eine gute Möglichkeit, erste Erfahrungen mit Konstruktion und technischen Darstellungen zu sammeln.

Das Herzstück des Technikzweigs: das Praktikum

So interessant der Unterricht auch sein kann – für mich bleibt das Praktikum das absolute Highlight des Technikzweigs.

Genau deshalb entscheiden sich viele Schülerinnen und Schüler für die Fachoberschule: Man verbringt nicht drei Jahre ausschließlich mit Theorie, sondern bekommt die Möglichkeit, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Das Praktikum findet verpflichtend an der IHK in Augsburg statt. Ein Halbjahr verbringen die Klassen im Bereich Elektrotechnik, das andere Halbjahr im Metallbereich.

Und am Ende steht nicht nur eine Note auf dem Papier, sondern ein selbst hergestelltes Produkt.

Im Metallbereich entsteht beispielsweise ein Stirlingmotor, während im Bereich Elektrotechnik ein elektronischer Würfel gebaut wird. Beide Projekte werden Schritt für Schritt mit den eigenen Händen umgesetzt. Genau das macht den Technikzweig für mich so besonders: Man sieht am Ende tatsächlich, was man geleistet hat – und kann das fertige Ergebnis in den Händen halten.

Zusätzlich wird am Ende des jeweiligen Halbjahres ein Fachbericht über das Projekt angefertigt. Theorie und Praxis treffen hier also unmittelbar aufeinander.

„Sauberkeit ist die höchste Genauigkeit“

Da mir die Arbeit im Metallbereich besonders viel Spaß gemacht und mein Interesse an technischen Berufen geweckt hat, habe ich den Metallausbilder an der IHK, Herrn Kube, zu seinen Erfahrungen und zur Zukunft des Technik-Praktikums interviewt.

Dabei ging es nicht nur um Maschinen und Werkzeuge, sondern auch um Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Teamarbeit und die Frage, welche Fähigkeiten Technikerinnen und Techniker in Zukunft brauchen werden.

Wie könnte das Praktikum in Zukunft aussehen?

Herr Kube kann sich vorstellen, dass das Praktikum künftig stärker durch virtuelle Realität und digitale Lernplattformen ergänzt wird. Schülerinnen und Schüler könnten beispielsweise zunächst in einer virtuellen Umgebung lernen, wie eine Maschine funktioniert und bedient wird.

Das hätte einen weiteren Vorteil: Fehler könnten zunächst virtuell gemacht und anschließend analysiert werden. So könnten Berührungsängste abgebaut und mögliche Fehlerquellen bereits vor der Arbeit an der echten Maschine erkannt werden.

Was könnte am Praktikum verbessert werden?

Auch hier sieht Herr Kube Potenzial in virtuellen Trainingsumgebungen. Denkbar wären beispielsweise virtuelle Maschinen, in denen absichtlich Fehler eingebaut werden. Die Schülerinnen und Schüler müssten diese erkennen und selbstständig Lösungen finden.

Das würde nicht nur technisches Wissen abfragen, sondern vor allem das lösungsorientierte Denken fördern.

Wie entwickelt sich der Frauenanteil im Technikzweig?

Die Entwicklung sei positiv, so Herr Kube, auch wenn noch nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft werde. Moderne technische Berufsbilder würden zunehmend weniger von körperlicher Kraft und stärker von Systemverständnis geprägt.

Gezielte Förderung und weibliche Vorbilder könnten dazu beitragen, Technik noch stärker als geschlechtsneutrales Berufsfeld wahrzunehmen. Gerade für die Innovationskraft der Industrie sei Vielfalt wichtig.

Welche technischen Fähigkeiten werden in den nächsten 10 bis 15 Jahren besonders wichtig?

Handwerkliches Können werde auch in Zukunft eine wichtige Grundlage bleiben. Gleichzeitig werde die Fähigkeit immer wichtiger, digitale Systeme zu verstehen und Fehler virtuell zu diagnostizieren.

Die entscheidende Kombination sei deshalb: Probleme digital erkennen und anschließend praktisch lösen können.

Wie verändern KI und Automatisierung das Praktikum?

Durch Automatisierung und künstliche Intelligenz werde sich auch die Rolle des Menschen verändern. Aus dem reinen Bediener werde zunehmend ein Prozessgestalter und Supervisor eines Systems.

Dafür brauche man technisches Wissen sowie ein Verständnis für Maschinen, Programmabläufe und Prozesse.

Künstliche Intelligenz könne künftig als eine Art Assistent fungieren und verschiedene Lösungsmöglichkeiten vorschlagen. Entscheidend bleibe aber der Mensch, der diese Vorschläge kritisch hinterfragen und beurteilen müsse. Technische Grundbildung werde deshalb auch im Zeitalter der KI unverzichtbar bleiben.

Was fehlt Schülerinnen und Schülern zu Beginn des Praktikums?

Zu Beginn fehle manchmal ein realistisches Bild davon, wie modern die heutige Industrie tatsächlich sei. Am Ende könnten viele auf einen erfolgreichen Projektabschluss zurückblicken.

Eine wichtige Erkenntnis bleibe jedoch für manche: Komplexe Probleme lassen sich nicht immer sofort lösen. Dafür braucht es Ausdauer.

Was können Schülerinnen und Schüler besonders gut – und wo gibt es Defizite?

Die junge Generation habe laut Herrn Kube eine sehr schnelle Auffassungsgabe im Umgang mit Software und digitalen Benutzeroberflächen. Diese würden häufig intuitiv bedient.

Wenn er sich etwas wünschen dürfte, wäre es allerdings mehr Pünktlichkeit.

Welche persönlichen Eigenschaften sind besonders wichtig?

Ausdauer und Durchhaltevermögen seien entscheidend, wenn man eine neue Aufgabe oder einen Beruf erlernt. Gerade in technischen Berufen komme außerdem Präzision eine große Bedeutung zu.

Und Präzision beginnt bereits bei der Ordnung: „Sauberkeit ist die höchste Genauigkeit“, lautet ein Grundsatz, den Herr Kube seinen Schülerinnen und Schülern mitgibt.

Wie wichtig sind Teamarbeit und Kommunikation im Vergleich zum Fachwissen?

Beides sei unverzichtbar. Fachwissen bilde das Fundament, Teamarbeit und Kommunikation seien in einer modernen Produktion jedoch ebenso wichtig. Ein Techniker arbeite schließlich selten völlig allein, sondern sei Teil einer größeren Prozesskette. Herr Kube bringt es auf ein einfaches Verhältnis: 50/50.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Schule und IHK?

Die Zusammenarbeit funktioniere aus seiner Sicht gut. Verbesserungsvorschläge würden zeitnah angesprochen und – sofern umsetzbar – auch umgesetzt. Aktuell sehe er deshalb kein ungenutztes Potenzial.

Sollte das Praktikum bis in die 12. Klasse verlängert werden?

Eine Verlängerung oder Wiederholung des Praktikums hält Herr Kube für sinnvoll. Schülerinnen und Schüler in der 12. Klasse hätten eine größere kognitive Reife und könnten dadurch tiefer in Themen wie Projektmanagement oder komplexe Steuerungsprogrammierung einsteigen.

Welchen Rat gibt er Schülerinnen und Schülern im Technikzweig?

Neugierig bleiben und keine Angst vor Fehlern haben.

Denn die Technik der Zukunft werde von denjenigen entwickelt, die bereit seien, sich heute die Hände schmutzig zu machen – und gleichzeitig ihren Kopf für komplexe Lösungen einzusetzen.

Lernen werde zunehmend lebenslang und individuell. Wer aufhöre zu lernen, werde alt.

Technik ist mehr als Schrauben und Maschinen

Nach zwei Jahren im Technikzweig kann ich sagen: Die Fachrichtung ist deutlich vielseitiger, als man vielleicht zunächst denkt.

Ja, Physik macht nicht immer Spaß. Ja, Mathematik kann anspruchsvoll sein. Und ja, es gibt Tage, an denen vier Stunden konzentrierter Unterricht am Stück durchaus eine Herausforderung darstellen.

Aber genau das wird durch die praktischen Erfahrungen ausgeglichen.

Wer gerne selbst etwas ausprobiert, mit den Händen arbeitet und gleichzeitig Interesse an Naturwissenschaften und Technik hat, findet hier eine abwechslungsreiche Mischung aus Theorie und Praxis. Besonders das Praktikum an der IHK ist eine Erfahrung, die man in einem rein theoretischen Bildungsgang so nicht unbedingt bekommt.

Und auch die Zukunftsperspektiven sind vielfältig: Technik verändert sich ständig. Digitalisierung, Automatisierung, Künstliche Intelligenz und moderne Produktionsverfahren sorgen dafür, dass technische Berufe immer neue Anforderungen stellen.

Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, eine Maschine bedienen zu können. Man muss verstehen, warum sie funktioniert, Fehler erkennen, Lösungen entwickeln und mit anderen zusammenarbeiten können.

„Aber ich kann kein Mathe!“

Diese Aussage hört man vermutlich von vielen Schülerinnen und Schülern, die über den Technikzweig nachdenken.

Meine Antwort darauf: Mathematik gibt es auch in den anderen Zweigen. Und im Technikzweig ist sie nicht automatisch unüberwindbar. Für mich persönlich war es sogar angenehm, dass bestimmte Themen wie Stochastik erst später eine größere Rolle spielen.

Auch vor Physik muss man keine Angst haben. Ein gewisses Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen hilft allerdings definitiv.

Mein Fazit

Würde ich mich heute noch einmal entscheiden müssen, würde ich mich wieder für den Technikzweig an der FOS Friedberg entscheiden.

Nicht, weil jede Unterrichtsstunde spannend ist oder jedes Fach leicht fällt, sondern weil die Kombination aus Theorie und Praxis etwas Besonderes bietet. Man lernt nicht nur für eine Prüfung, sondern kann viele Inhalte direkt ausprobieren und anwenden.

Und das vielleicht Beste daran: Am Ende der Praktikumszeit hält man tatsächlich etwas in den Händen, das man selbst gebaut hat.

Wer also gerne anpackt, neugierig auf Technik und Naturwissenschaften ist und keine Angst davor hat, sich auch einmal die Hände schmutzig zu machen, sollte den Technikzweig definitiv in Betracht ziehen.

Und falls man später feststellt, dass der technische Weg doch nicht der richtige ist? Auch dann stehen nach der FOS beziehungsweise dem Fachabitur weitere Bildungswege offen.

Der Technikzweig ist deshalb nicht nur eine Ausbildung für die Technik von heute – sondern vielleicht ein erster Schritt in Richtung der Technik von morgen.

Text: Victoria H.