Redaktion: Welche Entwicklungen haben Sie in Bezug auf den Chemieunterricht in den letzten Jahren besonders erstaunt?
Keller: Der neue Lehrplan Plus. Inhalte und Kompetenzen werden hier explizit formuliert. Früher gab es hier nur die Inhalte.
Redaktion: Welche Kompetenzen sollten Schüler im naturwissenschaftlichen Unterricht der Zukunft Ihrer Meinung nach unbedingt erwerben?
Keller: Mit Hilfe von Literatur und Internet, auch KI, bestimmte Inhalte erarbeiten und verstehen.
Redaktion: Wie wird sich die Rolle von Lehrkräften Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren verändern?
Keller: Bei der Erarbeitung von Lerninhalten eher hin zu einem Lernbegleiter, bei der Chemieübung wird sich da nichts ändern, da ja hier die Verantwortung für die Sicherheit nach wie vor beim Lehrer liegt. Schulung der Schüler hinsichtlich Prompt-Erstellung im Fach Chemie.
Redaktion: Welche Bedeutung messen Sie der Digitalisierung bei?
Keller: Messwerterfassung, Simulationen, KI-Nutzung spielen in der Chemie eine wichtige Rolle.
Redaktion: Der Chemieunterricht wird häufig als wenig innovativ beschrieben. Teilen Sie diese Einschätzung?
Keller: Da es sich vorwiegend um Grundlagenvermittlung handelt, gibt es allenfalls in der Benutzung von Lern-Apps und KI zur Übung Innovationen.
Redaktion: Welche Rolle spielen strukturelle Rahmenbedingungen wie Ausstattung oder Lehrpläne?
Keller: Strukturelle Rahmenbedingungen haben einen großen Einfluss, da sie bestimmen, was gemacht werden kann.
Redaktion: Inwiefern sind klassische Unterrichtsformen im Fach Chemie noch zeitgemäß?
Keller: Grundlagen werden in der Chemie am besten gerade in einer Chemieübung vermittelt.
Redaktion: Welche neuen Unterrichtsformate könnten Sie in der Zukunft sehen?
Keller: Noch mehr Schülerexperimente wären sinnvoll, scheitern aber sehr oft an der Gruppengröße. Aus Sicherheitsgründen sollte diese Gruppengröße höchstens aus 16 Schülern bestehen.
Redaktion: Welche potenziellen Boni und Mali sehen Sie darin?
Keller: Boni: Lerneffekt ist bei Schülerexperimenten hoch. Mali: Erhöhter organisatorischer Aufwand, zum Beispiel Teilung von Klassen, zusätzliche Lehrkräfte, mehr Übungsräume.
Redaktion: Welche Voraussetzungen müssen Schulen erfüllen, um mit dem Fortschritt der Technik mitzuhalten?
Keller: Immer wissen, was gerade in der Technik geforscht wird. Dies ist aber schwierig, da die Lehrpläne hier zeitlich nicht Schritt halten können. Außerdem müsste es hier eine übergeordnete Stelle geben, die alle Schulen immer auf dem neuesten Stand hält.
Redaktion: Welche Kompetenzen benötigen Lehrkräfte im Umgang mit modernen Werkzeugen wie zum Beispiel KI?
Keller: Konkrete Schulung zum Einsatz der KI im jeweiligen Fach, zum Beispiel für Aufgabenerstellung, Versuchsdurchführung, Simulationen und Bilder erstellen. Hier fehlt es momentan an fachspezifischen Fortbildungen.
Redaktion: Besteht die Gefahr, dass grundlegendes Verständnis verloren geht?
Keller: Wenn man die KI als Hilfsmittel und nicht als „Hausaufgabenersteller“ nutzt, würde das Verständnis im Fach Chemie eher ansteigen.
Redaktion: Wie kann Chancengleichheit beim Zugang zu neuen Technologien sichergestellt werden?
Keller: Indem man die KI anweist, Aufgaben und Lerntests auf dem jeweiligen Lernniveau zu erstellen. Dazu ist allerdings eine eingehende Schulung in der Erstellung eines entsprechenden Prompts notwendig.
Redaktion: Können virtuelle Labore reale Experimente sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?
Keller: Das gibt es bereits in der browserbasierten App AK-Minilabor. Dieses ist in jedem Fall eine sinnvolle Ergänzung zum laufenden Unterricht. Ersetzen kann diese App einen realen Versuch auf keinen Fall, da hierzu ja auch motorische und sicherheitsrelevante Fähigkeiten geschult werden.
Redaktion: Wie kann KI helfen, abstrakte Inhalte verständlicher zu machen?
Keller: Indem man die KI anweist, diesen abstrakten Inhalt möglichst einfach zu erklären. Dafür ist ein entsprechender Prompt nötig.
Redaktion: Sehen Sie Potenzial, durch KI das Interesse von Schülern an Chemie zu steigern?
Lehrkraft: Kurzfristig ja, langfristig wird es immer zu einer Gewohnheit an das Medium (auch KI) geben, die dann zwangsläufig zu weniger Interesse führt.
Keller: Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit KI im Unterricht gemacht?
Keller: Bisher nur im Wahlfach Info, wo die Schüler einen Quellcode mithilfe von KI erstellen sollten. Das hat überraschenderweise sehr gut funktioniert und den Schülern auch, so glaube ich, Spaß gemacht.
Redaktion: Wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen oder Risiken beim Einsatz von KI?
Lehrkraft: Die Antworten der KI müssen immer auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Es muss jedem bewusst sein, dass die KI keine eigenständigen, überprüften Antworten gibt, sondern nur auf Quellen des Internets zurückgreift. Da kann es auch zu erheblichen Fehlern kommen.
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Tom E.
Die Fragen dieses Interviews so wie dessen Bearbeitung wurden von K.I. unterstützt.